Wirtschaft Bahn forciert Vermietung

München/Berlin. Immer mehr Menschen fahren Bahn, sie braucht dringend neue Mitarbeiter. Dabei leidet der Konzern unter zwei Trends: steigende Mieten und Fachkräftemangel. Linderung bringen soll ein altbewährtes Rezept.
Angesichts des in vielen Städten knappen Wohnungsangebots will die Deutsche Bahn neue Mitarbeiter verstärkt mit günstigen Unterkünften locken. Der größte deutsche Staatskonzern will deshalb eine „Wohnraumoffensive“ starten, kündigte ein Sprecher am Mittwoch an. Das Unternehmen mit rund 200.000 Beschäftigten will die Belegschaft in den kommenden Jahren um die Hälfte ausbauen. Um das Personal zu finden, sollen mehr angemietete Wohnungen für Beschäftigte oder Belegungsrechte im Gebäudebestand Dritter Anreize sein und den Arbeitgeber attraktiv machen. Zudem werde geprüft, welche Flächen, die der Bahn gehören, bebaut werden könnten. Mitarbeiter sollen künftig nicht mehr nur übergangsweise oder während der Ausbildung Bahn-Wohnungen erhalten können, sondern auch langfristig.
Schon jetzt erhalten Azubis und Dual-Studenten, die sonst weite Pendelwege zurücklegen müssten, etwa in München 350 Euro Mietzuschuss. 900 in der Regel angemietete Wohnungen hält die Bahn bereits in Hamburg, Köln, Frankfurt, Mainz, Stuttgart und München vor. Für Kurzfrist-Einsätze und in der Ausbildung können Bahn-Mitarbeiter sie mieten – im teuersten Wohnmarkt Deutschlands, in München, teilweise bereits für 200 Euro im Monat. 70 weitere solcher Wohnungen sollen bis Jahresende in der bayerischen Landeshauptstadt hinzukommen. In München hat sich der Konzern zudem das Belegungsrecht für 74 Wohnungen gesichert, die Beschäftigte langfristig mieten können. Die Kaltmiete ist mit 12 Euro pro Quadratmeter deutlich günstiger als der Mietspiegel-Durchschnitt in Bestandsverträgen.
Die Bahn war einmal einer der größten Vermieter im Land mit 170.000 Wohnungen. Viele dieser Eisenbahnersiedlungen gehören heute großen privaten Immobilienkonzernen. Denn nachdem die Bahn in den 1990er-Jahren von einer Behörde in ein Unternehmen umgewandelt worden war, verkaufte sie diese Wohnungen im großen Stil – ebenso wie viele deutsche Städte. Mieterbund und Bahn-Gewerkschaften kritisierten damals, der Konzern verschleudere Volksvermögen. dpa