Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Ausländische Edelautos: Ehrgeiz in Sachen Exklusivität

Im Bentley-Stil: die Luxuslimousine Genesis G80.
Im Bentley-Stil: die Luxuslimousine Genesis G80.

Wir fangen gleich mal mit zwei in Deutschland recht unbekannten Marken an: Acura und Genesis. Unter dem Namen Acura bietet Honda seit 1986 in den USA etwas edlere und teurere Autos an, inzwischen wurde das Verbreitungsgebiet auch auf Kanada, Mexiko und China ausgeweitet. Nach Europa gibt es keine Lieferungen, aber man sieht hin und wieder ein Exemplar auf der Straße mit einem Angehörigen der US-Army am Steuer. Die einzelnen Typen des Acura-Modellprogramms werden grundsätzlich mit drei Großbuchstaben benannt, von denen der letzte ein X ist – also etwa ILX, TLX oder MDX.

Wie eine Popgruppe...

Der koreanische Konzern Hyundai/Kia hat für seine 2015 eingeführte Edelmarke den Namen einer britischen Popgruppe mit den bekanntesten Mitgliedern Phil Collins und Peter Gabriel übernommen: Genesis-Pkw gaben zwischen 2010 und 2013 ein kurzes, kaum beachtetes Gastspiel auf dem deutschen Markt und lauern derzeit wieder in den Startlöchern. Aktuell unterhält man Händlernetze in Nordamerika, in Saudi-Arabien und einigen Emiraten, im Heimatland Korea, in Australien sowie in Russland. Wann genau man sich wieder nach Deutschland wagt, ist derzeit nicht bekannt. Nicht nur das geflügelte Markenzeichen erinnert an Bentley – auch der flächige Gittergrill ist von der britischen Marke inspiriert. Das ist kein Zufall, denn Designer Luc Donckerwolke, der das Genesis-Äußere zuletzt geprägt hat, kam von der VW-Luxustochter.

Infiniti mit neuem Gesicht

Einen rund zehnjährigen Auftritt hatte eine Ausgründung einer japanischen Massenmarke in Deutschland: Infiniti, Ende der 1980er-Jahre als Nobelableger von Nissan ins Leben gerufen. Die Chancen standen nicht schlecht, denn die Japaner nutzten über die Renault-Nissan-Allianz viel Technik von Daimler und brachten mit ihrem unverwechselbaren Kühlergrill eine neues Gesicht auf unsere Straßen. Aber der Vertrieb kam nicht in die Gänge, da man mit wenigen Stützpunkten in Deutschland Exklusivität vorspiegeln wollte. So etwas mag mit Marken wie Ferrari oder Rolls-Royce gelingen; zu größeren Stückzahlen reicht es nicht, weil viele Kunden in Deutschland nicht 100 Kilometer oder mehr zu ihrer Werkstatt fahren wollen.

Lexus mit Durchhaltevermögen

Die einzige fernöstliche Edelmarke, die es dank ihres Durchhaltevermögens binnen der letzten 30 Jahre zu einem Achtungserfolg brachte, ist Lexus. Man lehnt sich nach einigem Hin und Her inzwischen an die Toyota-Organisation an, die deutschen Stückzahlen sind nach wie vor recht exklusiv, aber nicht hoffnungslos. Dank eines mutigen Kühlergrills in Form eines großen X fallen sie auf der Straße ins Auge und haben sich zudem von Anfang an den Ruf hoher Qualität erworben. Die Tatsache, dass man trotz nicht gerade überwältigender Verkaufszahlen die Stellung in Deutschland hält, ist einem gewissen Stolz des Toyota-Konzerns zu verdanken, dass man den Vergleich mit den hiesigen Herstellern mit dem Stern, den vier Ringen und den Nieren nicht scheut.

Obwohl der Erfolg etwas teurerer Ableger von Massenmarken überschaubar ist, haben sich in letzter Zeit auch zwei Europäer daran gemacht, mit höheren Preisen eine betuchtere Kundschaft anzusprechen. Der VW-Konzern, mit Audi und Porsche durchaus gut auf dem sogenannten Premiummarkt vertreten, hat von Seat die neue Marke Cupra abgeleitet. Vorwiegend sind das bis jetzt hochmotorisierte Seat-Modelle, die statt des großen S einen kupferfarbigen stilisierten Stierkopf als Markenzeichen tragen. Mit dem Formentor wurde jüngst der erste eigenständige Cupra vorgestellt, zu dem es keine Seat-Entsprechung gibt.

Ganz ähnlich versuchte Volvo, die jeweils stärksten Ausführungen mit der Submarke Polestar („Polarstern“) zu kennzeichnen. Daraus hat man inzwischen eine eigene Marke entwickelt, deren elektrifizierten Produkten Polestar 1 und Polestar 2 man die Nähe zur Muttermarke ansieht.

DS ganz exklusiv

Ein weiteres Projekt stammt aus Frankreich, wo der PSA-Konzern den Mythos des legendären Citroën DS zu nutzen versucht, um eine neue Luxusmarke zu schaffen. Seit 2014 ist DS selbstständig, trat zuvor als Untermarke von Citroën auf. Ähnlich wie Infiniti versuchen es die Franzosen mit exklusiven Vertretungen, es sind derzeit 32 Stützpunkte in Deutschland. Das Modellangebot ist mit zwei SUVs ebenso überschaubar wie es die Verkaufszahlen sind. Nun soll mit dem DS 9 eine neue Luxuslimousine für weiteres Interesse sorgen.

Man darf gespannt sein, wie sich die Marke weiterentwickelt, wenn sich PSA zum Jahreswechsel mit FCA zum Weltkonzern Stellantis vereinigt. Denn die Italiener bringen mit Maserati und Alfa Romeo gleich zwei Hersteller in die Ehe, die Acura, Cupra, Genesis, Infiniti und Lexus eines voraushaben: den Mythos einer großen Geschichte, nicht zuletzt erworben auf den Rennstrecken.

Ein großes A im Kühlergrill: der TLX von Acura.
Ein großes A im Kühlergrill: der TLX von Acura.
Markante Bugpartie: der CT 200h als Lexus-Einstiegsmodell.
Markante Bugpartie: der CT 200h als Lexus-Einstiegsmodell.
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