Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel An der Börse ist von Ruhe keine Spur

Warren Buffet hat ein Luxusproblem: Er schwimmt im Geld.
Warren Buffet hat ein Luxusproblem: Er schwimmt im Geld.

Die Pessimisten werden an den Aktienmärkten lauter

Warren Buffet hat ein Luxusproblem: der 89jährige „Starinvestor“ weiß im Augenblick nicht, wohin mit seinem Geld. Doch selbst wenn Buffet derzeit nicht wieder eine größere Übernahme anpeilt – auf die andere professionelle Investoren schon lange warten – wächst seine Bargeldreserve scheinbar ungebremst, allein zwischen April und Ende Juni um rund 10 Milliarden Dollar auf jetzt knapp 147 Milliarden Dollar, also fast 125 Milliarden Euro. Deutsche Anleger dagegen können der Anlagenot nicht so gelassen entgegensehen. Zwar sind an den Aktienmärkten die Ausfälle wegen der Corona-Pandemie und der dadurch ausgelösten Wirtschaftskrise noch relativ gebremst – aber langsam drängen sich die Pessimisten in den Vordergrund.

„Potenzielles Pulverfass“

Daher wird es wohl auch im Ferienmonat August nichts mit der Ruhe, die üblicherweise im Sommer auch an den Börsen herrscht. „Die Gewinnsaison zeigte sich als potenzielles Pulverfass“, meint etwa Geir Lode vom Vermögensverwalter Federated Hermes. Dies liegt nach seiner Einschätzung an den Spannungen zwischen den USA und China, dem Auslaufen des US-Konjunkturpakets und dem Wiederaufleben des Coronavirus in zahlreichen Ländern. Wie sehr haben die steigenden Infektionszahlen in den USA die dortige Wirtschaft gebremst? fragt auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. In der neuen Woche könnten die Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion dazu Hinweise liefern. Am Freitag hatten besser als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten dem deutschen Aktienmarkt auf die Sprünge geholfen.

Angst vor zweiter Corona-Welle

Der deutsche Leitindex Dax legte leicht auf 12.674 Punkte zu und konnte so auf Wochensicht ein Plus von fast 3 Prozent verbuchen. Im Juli hatte der Dax bei 13.314 Punkten noch den höchsten Stand seit Beginn des weltweiten Corona-Börsencrashs erreicht. Die Angst vor der zweiten Welle und die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China aber könnten die Stimmung drehen, befürchten Experten.

Hinzu kommt die Stärke des Euro, die die Erholung des Exportgeschäfts in Europa bremsen könnte. Bisher habe die Berichtssaison der Unternehmen wenig Überraschungen gebracht, meint Federated Hermes-Experte Lode. Die Gewinner waren für ihn die großen, weltweit bekannten Technologieunternehmen, die mit einem unglaublichen Lauf in die Gewinnsaison gestartet sind.

Neue Dotcom-Blase?

Der Erfolg dieser Unternehmen erweitere die Bedeutung des Begriffs „Dotcom-Blase“. Denn die aktuell immer größer werdende Spanne zwischen Growth und Value schreie nach einem Vergleich mit den Ereignissen der späten 1990er Jahre. „Jedoch: Die heutigen Hyper-Wachstumsunternehmen sind immens profitabel, haben Marktdominanz und verfügen über große Barreserven mit loyaler Fangemeinde.“

Von deutschen Dax-Unternehmen sind kaum noch Zahlen zu erwarten, nur die Deutsche Telekom und die Stromkonzerne RWE und Eon legen noch Quartalszahlen vor.

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