Wirtschaft
Adobe kommt mit Firefly-KI
Digitale Tüftler, die es öfter eilig haben, kennen Adobe Express als webbasierten Baukasten, mit dem sich sehr leicht Flyer, Karten, Präsentationen, Webbanner für die eigene Website und allerlei Social-Media-Formate zusammenstellen lassen. Adobe Express steht bereits seit Anfang 2022 in einer freien und einer kostenpflichtigen Version zur Verfügung. Großes Gestaltungs-Know-how ist bei der Nutzung keine Voraussetzung. Es gibt jede Menge Vorlagen, Fotos, Illustrationen, Rahmen und Schriften. Wer mag, kann Vorlagen auch komplett verändern. Das war bisher schon ein ordentliches, aber kein herausragendes Angebot.
Bisher bot Canva, eine ähnliche App aus Australien, schon in der kostenlosen Version mehr Optionen. Anders als bei Adobe Express lassen sich hier auch Videos bequem bearbeiten. Canva funktioniert ebenfalls direkt im Browser. Gebastelt wird hier sehr intuitiv nach dem Drag-and-Drop-Prinzip. Es gibt bereits einige KI-basierte Gestaltungshilfen, die aber nicht an die Leistungsfähigkeit von Firefly bei Bildern herankommen. Das Pro-Paket bei Canva lässt sich derzeit für knapp 12 Euro im Monat buchen.
Fantastische Bild-Kreationen
Adobes Engagement bei Künstlicher Intelligenz hat nun aber Firefly hervorgebracht, eine Bilder-Generierungs-KI, mit der eigene Bilder oder Fotos des Adobe-Stockfoto-Pools zu fantastischen Kreationen umgearbeitet werden können. In eine Beta-Version des Profiprogramms Photoshop wurde die KI schon integriert. Das klappt bereits ausgezeichnet und rief in den vergangenen Wochen wahre Begeisterungsstürme in den Medien hervor.
Nun soll die KI auch in der kostenlosen Version von Adobe Express zur Verfügung stehen. Eine Beta-Version lässt sich bereits nutzen. Wie bei KI-Apps üblich, werden Bilder mit möglichst eindeutigen Textanweisungen um- oder neugestaltet. Wer bereits Abonnent der Adobe Creative Cloud ist, für den ist auch die kostenpflichtige Premium-Version von Adobe Express ohne Zuzahlung nutzbar. Die App ist, wie bei Adobe üblich, gut in den Workflow mit den anderen Kreativ-Programmen wie Illustrator und InDesign eingebunden.
Probemonat möglich
Mit dieser KI-Aufrüstung von Express dürfte Adobe viele locken, die sich erstmal spielerisch mit den Möglichkeiten der Bildbearbeitung beschäftigen wollen. Wer Feuer gefangen hat, kann die kostenpflichtige Version (knapp 12 Euro Monatsabo) auch einen Monat kostenlos ausprobieren. Dafür gibt es den Zugriff auf 20.000 lizenzierte Schriften und 160 Millionen Fotos aus dem hauseigenen Fotoarchiv. Attraktiv ist auch der Zugriff auf 100 GB Speicherplatz in der Adobe-Cloud im Vergleich zu zwei Gigabyte bei der kostenlosen Version.
Als genialen unternehmerischen Schachzug muss man die Kooperation von Adobe mit Google bewerten. Der Mutterkonzern Alphabet hatte Aufholbedarf in Sachen Künstlicher Intelligenz und vor Kurzem seinen Browser Chrome mit dem neu entwickelten KI-Chatbot Bard nachgerüstet, der eine neue Dimension des sprachbasierten Suchens, Findens und Beratens einläuten soll. In den kommenden Monaten soll Firefly die perfekte Ergänzung für Bard werden.
Alles im Browser
Wer dann die entsprechende Funktion in Google Chrome aktiviert, kann Bard sowohl als Suchmaschine nutzen, aber auch per Texteingabe die Firefly-Engine beauftragen, ein Bild zu generieren oder ein bestehendes zu überarbeiten. Resultate können dann wiederum in Adobe Express importiert werden und als Bausteine für weitere Gestaltung dienen. Weil hier nicht wirklich zwischen Programmen gewechselt wird, sondern alles im Browser stattfindet, sollte das auch für Ungeübte reibungslos funktionieren.
Man kann es für die beteiligten Unternehmen eine klassische Win-Win-Situation nennen. Adobe, bereits weltweit größter Entwickler von Gestaltungsprogrammen, kooperiert mit Google, dessen Chrome-Browser bereits der weltweit meistinstallierte und -genutzte Webzugang ist.