Sportartikel
Adidas schreibt Russland noch nicht ganz ab
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine haben sich viele Westmarken aus Russland zurückgezogen. Bei Sportartiklern sind das neben dem US-Weltmarktführer Nike auch die beiden deutschen Lokalrivalen Puma und Adidas. „Wir haben unsere rund 500 Läden in Russland geschlossen und Warenlieferungen dorthin gestoppt“, stellte Adidas-Finanzchef Harm Ohlmeyer bei der Bilanzvorlage am Mittwoch in Herzogenaurach klar. Damit ist auch der dortige Onlinehandel eingestellt. Im laufenden Jahr kalkuliert Adidas aktuell mit 250 Millionen Euro Umsatzausfall im Russland-Geschäft. Das ist die Hälfte dessen, was Adidas dort 2021 umgesetzt hat.
Ohlmeyer und Adidas-Chef Kasper Rorsted erklären die Differenz damit, dass in den ersten Wochen 2022 in Russland schon rund 100 Millionen Euro erlöst wurden. Zudem hoffe man darauf, dass sich die Lage im Lauf des Jahres wieder entspannt und weitere 150 Millionen Euro Umsatz möglich sind. Das könnte sich angesichts fortgesetzter Bombardierungen in der Ukraine als frommer Wunsch herausstellen. In der Summe würden Adidas dann 400 Millionen Euro Umsatzausfall drohen. Indiz dafür, dass die Herzogenauracher den russischen Markt noch nicht ganz abgeschrieben haben, ist auch das bloße Aussetzen des Sponsorings der russischen Fußball-Nationalmannschaft. Gekündigt wurde der Kontrakt noch nicht.
Diktatorisches Regime auch in China
Mit einem diktatorischen Regime zu tun hat es der zweitgrößte Sportartikler der Welt auch in China. Dort läuft seit knapp einem Jahr ein Boykott gegen westliche Markenfirmen wie Adidas, weil sie sich geweigert haben, für ihre Produktion Baumwolle aus uigurischer Zwangsarbeit zu verwenden. Magere 3 Prozent Umsatzplus haben die Franken 2021 wegen staatlich initiierten Käuferstreiks dort nur erwirtschaftet. 16 Prozent betrug das Plus im Vergleich dazu voriges Jahr weltweit, was in der Summe 21,2 Milliarden Umsatz bedeutet. Weitere 1,5 Milliarden Euro Umsatz haben der Boykott in China, wegen der Pandemie im Lieferland Vietnam zeitweise geschlossene Fabriken und Lockdowns in asiatischen Märkten gekostet, sagten Rorsted und Ohlmeyer. Der Gewinn aus fortgeführten Geschäften hat sich 2021 im Vergleich zum ersten Coroanajahr dennoch auf 1,5 Milliarden Euro vervielfacht.
Optimistisch für 2022 bleibt Rorsted wegen hoher Wachstumsraten außerhalb Chinas und trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine dennoch. Er glaubt nicht, dass der Krieg die Kauflaune in seiner Branche dämpft. Erleichternd hinzu kommt, dass sich der Konzern vom langjährigen Sorgenkind Reebok jüngst per Verkauf getrennt hat.
Optimistisch für laufendes Jahr
Unter dem Strich kalkuliert Rorsted deshalb für 2022 mit etwa 12 Prozent mehr Umsatz auf knapp 24 Milliarden Euro, auch weil die Preise dieses Jahr um 5 bis 10 Prozent erhöht werden sollen. Russland kostet damit 2022 voraussichtlich ein Prozentpunkt an Umsatzwachstum. Die Konzerngewinne sollen im laufenden Jahr parallel von 1,5 auf 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro steigen. Das gilt aber nur, falls der Krieg in der Ukraine die Welt der Sportartikelindustrie nicht doch noch stärker erschüttert.