Pfälzer Unternehmen
120 Arbeitsplätze gerettet – Erleichterung bei Heger
Aufatmen in Enkenbach-Alsenborn und im benachbarten Sembach: Die 1902 gegründete Gießerei Heger wird fortgeführt. Das Hildesheimer Unternehmen Hermann Bettels GmbH & Co. KG steigt bei Heger ein. Bettels übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung an der Heger Ferrit GmbH. 120 von zuvor etwa 140 Arbeitsplätzen an den beiden Unternehmensstandorten der westpfälzischen Heger-Gruppe sollen erhalten bleiben, 120 in der Produktion in Sembach und 20 in Enkenbach-Alsenborn. Die Gläubigerversammlung im seit September 2022 laufenden Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung der Kerngesellschaft Heger Ferrit hat dem Insolvenzplan zugestimmt.
Gründerfamilie am Ruder
Die Gründerfamilie um den geschäftsführenden Gesellschafter Johannes Heger bleibt am Unternehmen beteiligt und wird die Geschäfte fortführen. Das haben Heger Ferrit und die SZA Schilling, Zutt und Anschütz Rechtsanwaltsgesellschaft am Donnerstag mitgeteilt.
Die Heger-Gruppe war zuletzt auch wegen der stark gestiegenen Energie- und Materialpreise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Die Stromkosten für die Gießerei hatten sich 2022, so die Angaben des Unternehmens, binnen kurzer Zeit versiebenfacht – von monatlich 100.000 Euro auf 700.000 Euro.
Zudem habe man, teilte Heger im vergangenen Jahr mit, unter dem Einbruch der Auftragseingänge aus der Windkraftbranche gelitten. Die Herstellung großer Gussteile für Windkraftanlagen ist seit mittlerweile gut 20 Jahren ein wichtiges Geschäftsfeld für Heger. Es macht rund 80 Prozent des zuletzt auf etwa 60 Millionen Euro bezifferten Jahresumsatzes aus.
Während des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zur Sanierung des Unternehmens wurden die Geschäfte fortgeführt. In zwei Wochen soll der Antrag auf Aufhebung des Insolvenzverfahrens gestellt werden. Das Verfahren wird dann voraussichtlich Ende August/Anfang September auch formell aufgehoben sein.
„Wind-Boom“ vorhergesagt
Geschäftsführer Johannes Heger ist erleichtert. Der Unternehmer sagt: „Durch den immer noch stockenden Ausbau der Windenergie bewegen wir uns weiter in einem schwierigen Marktumfeld. Das Anziehen des Marktes und ein regelrechter Wind-Boom werden von den Experten für das nächste Jahr vorhergesagt.“ Heger ergänzt: „Mit dem Einstieg der Hermann-Bettels-Gruppe konnten wir einen in der Windenergiebranche erfahrenen und gut vernetzten Mitgesellschafter für Heger Ferrit gewinnen.“ Er sieht darin „optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens“.
Der Hildesheimer Bettels-Konzern, der nun bei Heger einsteigt, ist eine breit aufgestellte, stark diversifizierte Unternehmensgruppe in den Bereichen Umwelttechnologie, Beton, Energie und Infrastruktur wie zum Beispiel Straßen- oder auch Stahlturm- und Apparatebau. Geschäftsführer des niedersächsischen Familienunternehmens ist Knut Bettels.
Moderne Anlage in Sembach
Der Manager will „mit Herrn Johannes Heger einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten“. Bettels hebt „unsere langjährigen Erfahrungen im Bereich der Produktion von Fertigteilbeton und Stahltürmen, modernste Fertigungstechnologien“ hervor und dazu entsprechende „logistische Möglichkeiten“. Die Heger-Gruppe besteht neben der Gießerei Heger Ferrit, die seit 2009 eine neue, moderne Gießereianlage in Sembach unterhält, aus den Unternehmen Heger Guss, Heger Pro und Heger GGD.
Auch sie haben jeweils ein Insolvenzverfahren durchlaufen. Im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hat die Geschäftsführung von Heger Ferrit die Kontrolle über die Kernfirma behalten.
Sie wurde neben dem vom Insolvenzgericht bestellten Sachwalter Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte und vom Sanierungsexperten Marc-Philippe Hornung von SZA unterstützt. „Die zukunftsorientierte Gestaltung des Insolvenzplans“, meint Hornung, „bietet der Belegschaft, dem Investor, den beteiligten Finanzierern und auch der Gründerfamilie die Perspektive, vom erhofften Boom der erneuerbaren Energien zu profitieren.“