Rheinpfalz Ziel: den Zeitgeist treffen

Placeholder-Image

Nicht nur Gesichter setzen mit den Jahren Falten an. Auch viele Vereine beobachten und beklagen das Altern ihrer Organisation. Mitglieder werden immer älter, der Nachwuchs seltener. Ein aktuelles Problem. Das aber will der Deutsche Volkssportverband (DVV) Rheinland-Pfalz nicht länger hinnehmen.

Mitgliederschwund, mangelnde Aktivität, im Sande verlaufende Bemühungen – bei vielen Vereinen sind die Gefahren des Alterns Realität geworden. Was dagegen tun, fragen sich auch die Verantwortlichen des Deutschen Volkssportverbands, die sich in der vergangenen Woche zu einer Sondersitzung mit Mitgliedern des Wandervereins Dippelbrüder St. Julian in Gumbsweiler trafen. Am eckigen Tisch geniert man sich nicht, Versäumnisse in der Vergangenheit zuzugeben. Das direkte Gespräch sei wichtig, habe man aber vernachlässigt, betonten die Sitzungsteilnehmer. Stattdessen werde zu viel übereinander geredet, und zu wenig miteinander. Hinzu komme die Arroganz, nur unter sich bleiben und keine Hilfe von anderen annehmen zu wollen, um dem langsamen Mitgliederschwund etwas entgegenzusetzen. „Dass es vor gut 40 Jahren einmal fast 2000 Wandervereine in ganz Deutschland gab und diese Zahl inzwischen auf knapp 650 gesunken ist, daran tragen wir selbst Schuld. Viel zu lange wurde an Altem festgehalten“, räumte Bernd Derschug ein. Seit drei Jahren ist er Vorsitzender des DVV. 87 Vereine zählt der pfälzische Zweig des Verbandes zurzeit, davon sind 28 passiv. Inaktive Vereine zahlen zwar noch ihre Mitgliedsbeiträge, stellen aber keine eigenen Veranstaltungen wie Wanderungen auf die Beine. Wenn es so weit gekommen ist, ist eine Kehrtwende schwierig. Und nur, wenn die Mitglieder, also die einzelnen Vereine, gesund seien, gehe es auch dem Verband gut. Derschug möchte seine Rolle als Vorstand nicht nur auf die Verwaltung beschränkt sehen, sondern auch selbst etwas auf die Beine stellen. Seit einiger Zeit sucht er deshalb den engeren Kontakt mit den Mitgliedern und solchen, die es noch werden könnten wie Turn- und Sportvereine. Auch eine Zusammenarbeit mit Winzer-, Kultur- und Touristikvereinen ist möglich und trage bereits erste Früchte. Wichtig sei, neue Helfer zu finden, die den schwächelnden Vereinen unter die Arme greifen, und neue Mitglieder zu gewinnen. „Bevor wir darüber sprechen, weitere Mitglieder aufzunehmen, müssen wir uns um kränkelnde Vereine kümmern“, mahnte Günter Hübner, Terminkoordinator des DVV Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Dippelbrüder St. Julian. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des 1974 ins Leben gerufenen Wandervereins. Zu Glanzzeiten zählte man dort über 300 Mitglieder, nun sind es nur noch 185, wovon sich nur rund 50 an Wanderungen beteiligen. Der Wanderverein ist zwar noch gesund, doch auch hier machen sich erste Anzeichen der immer älter werdenden Gesellschaft bemerkbar. Durch eine eigene Facebook-Seite und den Kontakt mit anderen örtlichen Vereinen konnte man dem Mitgliederschwund entgegenwirken. Ziel müsse sein, den Zeitgeist zu treffen, gerade um die jüngere Generation, „die Smartphone-Generation“, anzusprechen. Sich besser zu präsentieren und über den Verband und dessen Aktivitäten zu informieren, sei wichtig. Was noch vor 40 Jahren mit den damaligen Medien funktionierte, sei heute nicht mehr zeitgemäß. „Die Digitalisierung findet statt. Der Verband ist dran, aber das hätte bereits vor zehn Jahren passieren müssen“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Peter Schamatis und verwies anerkennend auf die Internetpräsenz der Dippelbrüder. Nicht nur über die Möglichkeiten der Vernetzung innerhalb des Vereins staunte man nach eingehender Diskussion, auch über die Chancen, den Verband und dessen Mitglieder auf eine neue Art nach außen hin zu präsentieren. Die sozialen Medien wie Facebook oder WhatsApp seien zwar kein Allheilmittel, stellte man fest, aber ein effektives Bindeglied zwischen Wanderern, Helfern, Vereinsmitgliedern und solchen, die es werden könnten. Für den DVV steht bereits der nächste Termin im Raum, zu dem man sich wieder treffen möchte, um die Saat dieses Abends zu pflanzen. Das Ziel: Mehr Kommunikation nach innen und außen.

x