Kultur Südpfalz Wodka, Pantomime, Zauberei und Musik

Ordentlich etwas zu lachen gab es am Freitagabend bei „Comedy ohne Worte“ im Dorfgemeinschaftshaus in Bornheim. Das aus Kasachstan stammende und seit vielen Jahren in Landau lebende Künstlerehepaar Lyubov und Ruslan Sampiyev sorgte auf Einladung des Freundeskreises „Die Wachthäusler“ für einen unterhaltsamen Abend.
Der angekündigte Eisregen mag den einen oder anderen vom Kommen abgehalten haben. Jedenfalls blieben russisch-stämmige Besucher an dem Abend weitgehend unter sich. Eigentlich schade, denn alle anderen haben einiges versäumt. Die Eheleute Sampiyev sind mittlerweile Südpfälzer geworden, wollen aber ihre Wurzeln und damit ihre alte Heimat nicht vergessen. Gleich zu Beginn des Abends wurde ein Wodka gereicht, der in Russland nicht als irgendein alkoholisches Getränk gilt, sondern ein Teil der russischen Kultur ist. Je nach Anlass sorgt Wodka - übersetzt „Wässerchen“ - für fröhliche Geselligkeit. Alter russischer Geselligkeitstradition folgend gab es in Bornheim nach dem Wodka zur Begrüßung einschmeichelnde, handgemachte Musik, eine gehörige Portion augenzwinkernden Klamauk, Pantomime, Theaterspiele mit dem Publikum sowie Witze. Nach dem Verständnis von Ruslan Sampiyev gibt es im Leben keine Magie, sondern nur Tricks. Mit Charme und einer großen Portion Selbstironie brachte er seine Gäste zum Staunen, sorgte für einen veritablen Hochgenuss auf dem schillernden Feld der Zauberkunst. Schwerpunkt des Programms im Dorfgemeinschaftshaus war die leise Kunst der Pantomime, bei der es Ruslan Sampiyev, glänzend verstand Erwachsene und Kinder im Saal mit einzubeziehen. „Gerade für unsere reizüberfluteten Kinder bietet sich das pantomimische Spiel als wertvoller Ausgleich für die hektischer und unruhiger werdende kindliche Lebenswelt an“, meinte der Künstler. „In Kasachstan war ich Kabarettist“, erzählte Ruslan Sampiyev. In Deutschland jedoch habe er sich mangels ausreichender Sprachkenntnisse etwas anderes einfallen lassen müssen. So sei er auf die „Kunst der Stille“ gekommen. Seine Kunst wurde es menschliche Emotionen auf eine leise Art zu vermitteln. Davon gab es in Bornheim reichlich Kostproben. Ruslan Sampiyev zeigte sich mit den Mitteln der Pantomime als Fußballer, Basketballer, Tennisspieler, Skispringer, Chordirigent, Zauberer, Seilspringen, Kunstmaler oder auch als Angler, dem schließlich Jugendliche aus dem Publikum die Fische aus dem Wasser fischten. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass Ruslan Sampiyevs Laufbahn auf einer in die Wiege gelegte Gabe, die Leute zum Lachen zu bringen, basiert. „Er bindet uns von Anfang an mit ein und führt auch keinen langweiligen Monolog auf der Bühne“, freute sich ein Besucher. Den Stand seiner Deutschkenntnisse umriss der humorvolle Künstler mit den Worten: „Ich verstehe jetzt, was ich möchte sagen“. Die Schwierigkeiten der deutschen Grammatik und die Anwendung des richtigen Artikels machte er an folgender Anekdote fest. Ausländer zu deutscher Freundin: „ Ich liebe dir“. Deutsche: „Nein, es heißt ich liebe dich, vierter Fall“. Ausländer:„Ich liebe dir auf jeden Fall“. Ein Teil des Programms war der Musik gewidmet. Lyubov Sampiyev, die über viele Jahre als Solistin der Band „Expromt“ das Publikum mit ihrer Stimme faszinierte, sang mit glockenklarer Stimme Hits wie beispielsweise Mireille Mathieus „Das ist der Pariser Tango“. Vermisst wurde jedoch die Botschafterin der russischen Seele, die im Bornheimer Dorfgemeinschaftshaus die Herzen erwärmt hätte, vermisst wurde ein Teil der russischen Kultur. Vortrefflich ihr Spiel auf der Elektro-Violine, mit dem Lyubov Sampiyev das Publikum überzeugte. „König der Lieder ist der Gesang - die Königin eines Orchesters die Violine“, sagte Lyubov Sampiyev.