Rheinpfalz Wo Blümchen und Arbeitsplätze wachsen

Jasmin Reck und Robin Stephany hegen in der Ausbildungsgärtnerei Frühjahrspflanzen für die kommende Saison.
Jasmin Reck und Robin Stephany hegen in der Ausbildungsgärtnerei Frühjahrspflanzen für die kommende Saison.

Was haben die Olympiasieger Andreas Wellinger, Natalie Geisenberger, Tobias Arlt und Tobias Wendl mit dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) zu tun? Alle vier Spitzensportler haben das CJD-Gymnasium Berchtesgaden besucht. Am Jugenddorf im Homburger Stadtteil Schwarzenbach waren die Athleten zwar nicht, doch dieses bereitet sich zurzeit auf sein 40-jähriges Bestehen im nächsten Jahr vor.

„2019 feiern wir in Schwarzenbach 40-Jähriges“, blickt Jugenddorf-Geschäftsführer Norbert Litschko voraus. Ganz im Jetzt und Hier bleibt er hingegen, wenn er das saarpfälzische Berufsbildungswerk mit Internat als „wichtigen Arbeitgeber für die Region“ bezeichnet – mit 485 Mitarbeitern. Bei der Gegenüberstellung dieser Zahl mit 350 jungen Leuten, die beim CJD in 40 Berufen ausgebildet werden, könnte man annehmen, dass auf jeden Azubi mehr als ein Betreuer kommt. „Ein Trugschluss“, stellt der Geschäftsführer klar: „285 unserer Mitarbeiter sind auf dem Gelände tätig. Dazu kommen 100 Beschäftigte, die an 27 Schulen im Saarland die freiwillige Ganztagsschule betreuen – unter anderem in St. Wendel.“ In den Lehrwerkstätten, Gärtnereien, Küchen und Computerräumen auf seinem weitläufigen Gelände bildet das CJD in rund 40 Berufen aus – im Handwerk, Landschafts- und Gartenbau, von Holz-, Bau-, Elektro- oder Metalltechnik über Hauswirtschaft und Raumgestaltung bis hin zum Bereich Wirtschaft und Verwaltung. Zu den Berufen kommen ab Sommer drei weitere hinzu. Dann können junge Erwachsene die Berufe Mediengestalter, Fachhelfer für Reinigungstechnik und Zweiradmechanikerwerker erlernen. Laut Litschko entsprechen die Inhalte ebenfalls den Anforderungen der IHK-Ausbildungsgänge. Verschiedene Inhalte werden durch Praktika in Kooperationsbetrieben der Branche außerhalb des Jugenddorfs vermittelt. Das Metier der Einrichtung ist die Berufsausbildung von jungen Leuten mit Behinderung: „Das Handicap“, sagt Litschko, „ist in der Regel körperlich oder bezieht sich aufs individuelle Lernverhalten. Zwei Drittel unserer Auszubildenden kommen mit einer psychischen Erkrankung zu uns.“ Seine Einnahmen erzielt das Jugenddorfwerk zum größten Teil aus Finanzzuweisungen, die es von der Bundesagentur für Arbeit für die Berufsausbildung benachteiligter Menschen erhält. Insgesamt bringe es das CJD Saar mit seiner Schwarzenbacher Zentrale auf einen Jahresumsatz von 26 Millionen Euro. Litschko: „Es mag seltsam klingen, wenn im Sozialbereich von Umsatz gesprochen wird. Doch handelt es sich um die Summe, die die öffentlichen Geldgeber für die jungen Leute investieren, die bei uns in Ausbildung, Jugendhilfe oder Begleitung betreut werden.“ Erträge brächten unter anderem eigene Lehr- und Integrationsbetriebe wie das Homburger „Café Zauberlehrling“ oder der Bechhofer Supermarkt „Nah und gut“, in dem Mitarbeiter mit und ohne Handicap zusammenarbeiten. „Unsere große Herausforderung“, so Litschko, „besteht stets darin, unsere Leute mit Handicap nicht von Anfang bis Ende isoliert in eigenen Werkstätten lernen zu lassen. Ganz wichtig sind deshalb Kooperationen mit vielen Firmen aus der Region, in denen sie schon in der Ausbildung die Arbeit draußen im Leben kennenlernen. Nichts wäre schlimmer, als wenn die Azubis jahrelang in Watte gepackt würden – und dann, wenn sie einen Job in der freien Wirtschaft suchen, kommt der große Realitätsschock.“ Einnahmen generiert das hauseigene Gesundheitssportzentrum Aqvital mit Schwimmbad, Sauna und Fitness-Center, das auch rund 350 zahlenden Hobbysportlern der Umgebung offensteht. Und in der Jugenddorf-Küche, in der angehende Köche und Küchen-Fachpraktiker ihr Handwerk erlernen, werden täglich 600 Mahlzeiten zubereitet: „Schließlich beliefern wir viele Kindergärten und Schulen in der Umgebung“, weiß CJD-Sprecherin Regina Raskopp zu berichten. Weil das Einzugsgebiet des Berufsbildungswerks neben dem Saarland die Westpfalz und den Trierer Raum umfasst, unterhält das Jugenddorf ein eigenes Internat. Dort werden im Jahr vor dem 40. Geburtstag die Wohnhöfe renoviert. „Hier leben im Moment 200 Jugendliche. Inzwischen haben wir 80 Prozent unserer Unterkünfte auf Einzelzimmer umgerüstet“, sagt Raskopp. Auch diese Arbeiten würden großteils von CJD-Azubis im Rahmen ihrer Handwerker-Ausbildung ausgeführt. Info Der Öffentlichkeit stellt sich das Jugenddorf in der Einöder Straße in Schwarzenbach mit einem Tag der offenen Tür am Samstag, 17. März, ab 13 Uhr vor. Besucher können Werkstätten, Sportanlagen und Wohnhöfe besichtigen. Ausbilder und Azubis präsentieren Arbeitsplätze und Produkte. Für Kinder gibt es eine Bimmelbahn und ein Spielprogramm. Koch-Lehrlinge und das Team vom „Café Zauberlehrling“ bewirten die Gäste. Angekündigt ist ein „Weltrekordversuch im Einbeinstand“.

Mitarbeiter von regionalen Handwerksfirmen decken in diesen Tagen die Dächer der Internats-Wohnhöfe neu ein.
Mitarbeiter von regionalen Handwerksfirmen decken in diesen Tagen die Dächer der Internats-Wohnhöfe neu ein.
In der CJD-Küche werden täglich 600 Essen zubereitet. Von links Anna Martin, Christian Lenk, Ausbilder Dirk Clanget und Christop
In der CJD-Küche werden täglich 600 Essen zubereitet. Von links Anna Martin, Christian Lenk, Ausbilder Dirk Clanget und Christopher Ruth.
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