Rheinpfalz Wilde Schönheiten auf der Trockenwiese

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Am Samstagmittag zeigten zwei Experten, Werner Lamneck vom Forstamt Kusel und Biologin Gertrud Schorr, etwa 25 Interessierten wilde Orchideen am Bennerberg. Bei ihrer Wanderung bekamen die Gäste viel Hintergrundwissen über die seltenen Pflanzen, den ehemaligen Weinberg bei Medard, Artenvielfalt und Naturschutz mit auf den steilen Weg.

Auf einer Wiese hinter der Ortsausfahrt Medard beginnt die Wanderung. Eine kurze erste Einführung soll die Grundlagen klären. Dafür steht eine Schautafel im Acker, die zeigt: Auch über den Aufbau und die Vermehrung der Pflanzen werden die Gäste heute einiges erfahren. Die Zahlen an der Tafel sind erklärungsbedürftig: 6200 – das ist die ungefähre Zahl an Samen in den Samen-Kapseln; zehn dieser Samen werden schließlich zur Orchidee: 100.000 – so viele Samen wiegen zusammen ungefähr ein Gramm. Orchideen sind sogenannte Epiphyten, also Aufsitzer-Pflanzen. Das bedeutet, Orchideen wachsen zumeist auf den Ästen von Bäumen – bevorzugt in tropischen Verhältnissen. Mit rund 25.000 Arten ist die Orchideen-Familie sehr groß. „200, 60, 50“, sagt Werner Lamneck und ergänzt: „Das sind keine Körpermaße. 200 Arten der Orchidee gibt es in Europa. In Deutschland sind es 60, und in der Pfalz finden sich rund 50 Arten.“ Über das Stoppelfeld hinweg, am Waldrand vorbei, kommen die Wanderer auf die steile Trockenwiese. Früher befand sich hier ein Weinberg, seit Ende der 1960er Jahre wird aufgeforstet. Die Grenz- und Trockenmauern des alten Weinbergs sind noch deutlich zu sehen – das passt optisch gut zur Trockenwiese. Werner Lamneck ruft die Teilnehmer zusammen: Sie sollen den Trampelpfad verlassen und sich um das erste Exemplar, eine Bocks-Riemenzunge, versammeln. Die Orchideen sind teilweise schon am Verblühen, eigentlich sei dies erst im Juni der Fall, erläutert Lamneck, doch in diesem Jahr seien sie etwas früher dran. Der Blütenstand erinnert an einen Klotz Trauben, ist blass-weiß mit etwas Rosa, die Blüten stehen dicht beieinander. Weniger Orchideen als sonst um diese Zeit sind auf der Wiese zu finden. Lamneck und die Wanderer gehen der Frage nach, warum gerade die Wiese bei Medard so gute Bedingungen für Orchideen bietet. „Viel Licht“ gebe es, sagt eine der Teilnehmerinnen. Ja, antwortet Lamneck, das sei eine wichtige Voraussetzung. Daher müsse zum Erhalt der Eigenschaften der Trockenwiese regelmäßig alles freigeschnitten werden, erklärt der Fachmann weiter. Der anfallenden Schnitt müsse von der Wiese entfernt werden. Denn zu viel Stickstoff sei nicht gut für diese Art Wiese – eine sehr artenreiche Wiese, wie Gertrud Schorr ergänzt: „Auf einem Quadratmeter findet man bis zu 80 Arten.“ Zu viele Nährstoffe führten dazu, dass eine der vorkommenden Arten besonders gut wachse und damit die anderen verdränge, erklärt Schorr weiter. Nach der Hälfte der Strecke sehen die Wanderer das Affen-Knabenkraut. Die Blüten sehen aus wie aufrecht stehende Affen, daher der Name. Die Ähnlichkeit zur Bocks-Riemenzunge ist dennoch hoch. Über die Samen wilder Orchideen haben die Teilnehmer zu Anfang schon etwas gehört, nun erläutert Gertrud Schorr etwas mehr. Die Wanderer sind nicht nur für die zahlreichen interessanten Details dankbar, denn sie können sich während der Erklärungen etwas vom Aufstieg erholen. Viele Orchideenarten hätten keinen Nektar, erklärt die Expertin. Durch eine Täuschung lockten sie Insekten an, die für die Bestäubung notwendig sind. So sehe etwa eine Orchideenart an der Blüte aus wie eine Hummel – die Hummel-Ragwurz. Und dieses Trugbild locke die männliche Hummel an. Der Versuch, die schönen Pflanzen im heimischen Garten anzusiedeln, sei zum Scheitern verurteilt, erklärt die Biologin weiter. Denn die Samen bräuchten zum Auskeimen einen besonderen Pilz, der nur selten zu finden ist...

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