Rheinpfalz Wappnen für die „Reise des Lernens“
Die Kindertagesstätte in St. Julian ist eine von zwei sogenannten Bewegungskitas im Kreis. Seit 2008 trägt sie das Siegel als anerkannte Einrichtung. Jetzt wurde das Zertifikat um weitere vier Jahre verlängert. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ hat Leiterin Susanne Weber erklärt, worum es sich bei einer Bewegungskita eigentlich handelt und was dafür gefordert wird.
Die Kinder toben bereits früh am Morgen auf dem Außengelände der Kindertagesstätte. Vor allem der neue Hochseilgarten − er wurde im Frühling dieses Jahres errichtet − erfreut sich großer Beliebtheit bei den Jungen und Mädchen. Auch die große Schaukel wird rege genutzt, der Wasserspielplatz ist normalerweise auch noch verfügbar. Klingt alles relativ normal, gehört jedoch unter anderem zum Konzept einer sogenannten Bewegungskita. „Wichtig ist ein bewegungsfreundlich gestaltetes Außengelände“, erklärt die Leiterin. Auch die Innenräume seien so gestaltet, dass weniger Möbel die Bewegungsfreiheit nicht einschränken. „Bewegung wird in diesem Sinne als Weg zu Entwicklung, Bildung und Gesundheit gesehen“, fährt Susanne Weber fort. Einmal die Woche gehe es mit der Gruppe zum Beispiel in den Wald, die künftigen Erstklässer gehen auch einmal wöchentlich in die große Schulturnhalle, ansonsten steht auch noch ein Gymnastikraum zur Verfügung. „Mit den Sportstunden in der Schulturnhalle führen wir die Kinder auch an das spätere Schulleben etwas näher heran“, erläutert sie. All dies sind Kriterien, nach denen eine solche Bewegungskita zertifiziert wird. Zu verschiedenem bewegungsfreundlichem und -förderndem Inventar komme allerdings auch noch eine entsprechende Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen. Auch eine Zusammenarbeit mit den Eltern sei dabei wichtig: „Einmal im Jahr machen wir gemeinsam mit den Eltern einen gemeinsamen Ausflug“, erzählt die Leiterin. In diesem Jahr sei dies zum Beispiel eine Juxwanderung mit dem Thema „Europameisterschaft“ gewesen. Man wolle auch den Eltern vermitteln, welche Ideen und Ziele hinter der spielerischen Erziehung liegen. Das Problem sei mittlerweile, dass Kinder oft einen Überschuss an Programm unter der Woche im Kindergarten hätten, weiß die Pädagogin. Zum Beispiel, wenn Kinder gezielt Sprach- oder Motorikstunden hätten. „Das sind dann sogenannte isolierte Fähigkeiten. Wir versuchen, dies mit spielerischen Tätigkeiten zu vermitteln“, sagt Susanne Weber. Wenn etwa ein Kind Spaß am Werken habe, dürfe es dies auch tun, um dadurch eigenständiger zu lernen. Das bedeute zum Beispiel eine eigene Skizze anfertigen und die eigene Idee dann zu verwirklichen. Damit habe man vieles kombiniert: Das Schreiben oder Zeichnen mit einem Stift und die Feinmotorik könnten so spielerisch geschult werden. „Dadurch machen die Kinder positive Erfahrungen und finden Spaß am Lernen − auch für später.“ Diese Erfolge werden dann von den Erzieherinnen dokumentiert. Jedes Kind bekomme ein eigenes Büchlein („Geschafft, Gelernt“), in dem diese Erfolge notiert werden. Auch dies sei ein Kriterium einer solchen Bewegungskita. „Das Kind soll dabei am Ende eines sehen: ,Für die Reise des Lernens bin ich gewappnet’“, sagt Weber. |uck