Rheinpfalz Waldfischbach-Burgalben: Tablet-Computer für Demenzkranke

Mit Hilfe des Tablet-Computers kann Altenpflegerin Bianca Andrie-Wachter (rechts) Bilder zeigen, Musik vorspielen, Erinnerungen
Mit Hilfe des Tablet-Computers kann Altenpflegerin Bianca Andrie-Wachter (rechts) Bilder zeigen, Musik vorspielen, Erinnerungen wecken und Emotionen hervorrufen. Waltraud Fabian, Bewohnerin im Altenzentrum Maria Rosenberg, ist begeistert.

„Eine Hyazinthe.“ Waltraud Fabian freut sich. Die 87-Jährige lebt im Caritas-Altenzentrum Maria Rosenberg und schaut sich die Blume auf einem Tablet-Computer an, den ihr Altenpflegerin Bianca Andrie-Wachter hinhält. Der Computer, seit Jahren ein wichtiges Hilfsmittel in der Organisation im Pflegebereich, hat im Altenzentrum auch in der Betreuung der Bewohner Einzug gehalten. In Form eines Tablets, das vor allem für die Demenz-Therapie geeignet ist.

„Wir können es in der Einzel- und Gruppentherapie einsetzen“, freut sich Andrie-Wachter über die vielfältigen neuen Therapiemöglichkeiten mit Hilfe des Tablets. „Der Riesenvorteil ist, dass wir mit Hilfe des Tablets relativ einfach sehr viele Sinne bei den Menschen ansprechen können“, sagt Einrichtungsleiter Thomas Matz. Was er damit meint, demonstriert Andrie-Wachter, die auch Validationsfachkraft und gerontopsychiatrische Fachkraft ist. Das Lied „Alle Vögel sind schon da“ erklingt und wird zugleich von passenden Bildern unterlegt. „Das haben wir zum Beispiel unserer 104-jährigen Bewohnerin vorgespielt. Sie hat sofort mitgesummt“, freut sich Andrie-Wachter.

Sehr viele Sinne ansprechen

So ein Inhalt lasse sich zum Beispiel gut in größeren Gruppen einsetzen. „Weil das Lieder sind, die viele von früher noch kennen. Das funktioniert auf sehr breiter Basis“, erläutert Andrie-Wachter. Dazu wird das Tablet an den großen Fernseher angeschlossen, so dass alle den Inhalt sehen können. Mit Hilfe des Tablets wird auch zum Turnen angeregt. Zweimal pro Woche stehe auf dem Rosenberg ohnehin Kraft- und Bewegungsstunde auf dem Plan. „Auch da gibt es sehr gute Übungen auf dem Tablet, die gezeigt und erklärt werden“, zeigt Andrie-Wachter eine weitere Einsatzmöglichkeit. Was den Bewohnern besonders viel Spaß macht: Quiz-Geschichten, ähnlich wie Dalli-Klick. „Da raten alle mit Begeisterung mit“, sagt Matz. Tierbilder weckten Erinnerungen an Zeiten, als mancher Bewohner noch selbst Hunde- oder Katzenhalter waren. „Aber das Tablet ermöglicht uns auch zum Beispiel Bilder einzusetzen, die biografisch relevant sind für eine Person“, zeigt Matz auf. Eine Bewohnerin, die aus Bayern stammt, reagiere zum Beispiel sehr gut auf Bilder, die Berge zeigen. Und ein Film, der zeige, wie Reifen gewechselt werden, „hat bei manchem Bewohner Erinnerungen an früher ausgelöst“, sagt Matz.

Besserer Zugang zu den Patienten

Gerade bei Demenzpatienten, bei denen die Krankheit schon weiter fortgeschritten sei, helfe das Tablet, einen besseren Zugang zu bekommen. „Wir können ihnen verschiedene Bilder zeigen, verschiedene Musiktitel vorspielen und sehen ja dann, worauf sie reagieren“, sieht Andrie-Wachter im sogenannten „Demenz-Tablet“, das auch als „Betreuer-Tablet“ bezeichnet wird, eine gute Unterstützungsmöglichkeit für die tägliche Arbeit. „Die Digitalisierung 4.0 wird den pflegenden Menschen nicht ersetzen, aber sie kann dessen Arbeit unterstützen“, sagt Matz. „Es hilft sowohl dem Betreuer, als auch den Bewohnern, wenn sie miteinander arbeiten“, ergänzt er. Deshalb sei der Einsatz des Tablets auch ganz eng mit dem bestehenden Betreuungsplan abgestimmt, werde bewusst Zeit für den Tablet-Einsatz eingeplant. „Faszinierend, was diese kleinen Dinger können“, sagt auch Bewohnerin Waltraud Fabian. Sie ist noch fit, freut sich, wenn Bianca Andrie-Wachter mit dem Tablet vorbeischaut. Lesen spielte in Fabians Leben immer eine große Rolle. Mit Hilfe des Tablets werden auch bei ihr Erinnerungen an vieles geweckt, was sie gesehen oder gelesen hat. „Toll, diese Entwicklung“, freut sie sich und drückt Andrie-Wachter. „Mir geht es hier richtig gut“, sagt sie.

Alle Bewohner profitieren vom Tablet

Vom Tablet profitieren alle Bewohner, nicht nur die 20 Demenzpatienten, die im Schnitt im Seniorenzentrum betreut werden. „Wir haben das Tablet zum Beispiel bei einer Bewohnerin nach einem Schlaganfall eingesetzt. Sie hat sehr gut darauf angesprochen“, erzählt Matz. Matz beschreibt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und nennt etwa das Abspeichern persönlicher Profile für Bewohner. Das erleichtere den Betreuern die Arbeit mit den Bewohnern in der Einzelbetreuung, weil dann genau die Inhalte abgespielt werden, die der Bewohner schätzt. „Und es vereinfacht den Transport der Information über das, was für den Bewohner wichtig ist, von Betreuer A zu Betreuer B“, zeigt Matz einen weiteren Nutzen auf.

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