Kultur Südpfalz Wahrlich eine Klangexplosion
Die Trombone Unit Hannover ist ein Posaunenensemble der Spitzenklasse. Es bot am Samstagabend in Herxheim eine wahre „Sound Explosion“ (Klangexplosion) – so der Titel des Konzerts mit einem Programm der Extraklasse mit Werken von Händel, über Prokofjew bis zur Filmmusik aus „Rocky“. Zwei Perkussionisten an Pauken und Schlagzeug unterstützen die Trombone Unit. Die Posaunisten, das sind eine Dame und sieben Herren: Frederic Belli, Mateusz Dwulecki, Karol Gajda, Lars Karlin, Angelos Kritikos, Tomer Maschkowski, Tobias Schiessler und Michael Zühl. Die gemeinsame Basis ist neben der Leidenschaft fürs Posaunenspiel die gemeinsame Wurzel, die Musikhochschule Hannover. Sie kommen aus ganz Europa und spielen inzwischen erfolgreich in der ganzen Welt. Georg Friedrich Händels berühmte Ouvertüre zur Feuerwerksmusik allein mit Posaunen zu spielen, erfordert ein raffiniertes Arrangement. Dieses schrieb das Ensemblemitglied Lars Karlin, ebenso auch die meisten anderen Bearbeitungen. Bei Händels königlichem Feuerwerk fanden strahlend festliche Posaunenklänge in Alt-, Tenor- und Bass zu einem dynamisch-vielfältigen Spektrum zusammen. Wie bereits in vielen Kritiken beschrieben, zeichnet sich die Trombone Unit durch technische Perfektion und kraftvoll energisches Musizieren aus. Auch bei raschen Tempi glänzt das Ensemble durch perfekte Abstimmung und makellose Klangreinheit, eine Leistung, die sich aus intensiver Probenarbeit und echtem Teamgeist ergibt. Wenn auch die beiden folgenden Werke in der Originalfassung ein stattliches Symphonieorchester verlangen, so gelang Lars Karlin bei den Bearbeitungen der symphonischen Dichtung „Finlandia“ von Jean Sibelius und Sätzen aus Sergej Prokofjews Ballettmusik „Romeo und Julia“ eine beeindruckende Leistung. Kraftvolle, nahezu düstere Klänge bei Sibelius, vorgetragen mit Pathos, aber auch Melancholie, erinnern an die weite Landschaft und die Schwermut von Menschen in Finnland. Eine plastische Schilderung der Szenen aus Romeo und Julia, das würdige Madrigal, das höfische Menuett, das Thema Julias und die virtuose Presto-Szene zu Tybaldts Tod versetzten die Zuhörer in das Verona der Renaissance. Dass acht Virtuosen auf der Posaune sowie die Schlagzeuger eine solche emotionale Klangwucht darstellen können, rechtfertigt das Motto Sound Explosion. In der zweiten Programmhälfte kamen moderne, vom Jazz geprägte Sounds zur Geltung, besonders in der Originalkomposition des Schweizers Daniel Schnyder, der das rekordverdächtige Stück dem Ensemble widmete. Nach den Glanzpunkten in Olympia, ein sportlich musikalischer Wettkampf mit Höchstleistungen in der Kunst des Posaunenspiels ohne Doping und ohne horrenden finanziellen Aufwand, folgte ein Meisterwerk von Derek Bourgeois, das von der Vergänglichkeit allen Lebens erzählte: Scherzo Funébre. Äußerst expressiv, dynamisch, nahezu sarkastisch wirkt das Motiv des Dies Irae im raschen Tempo des Scherzos. So war dieses Werk einer der Höhepunkte des Abends. Atemlos durch die Nacht kämpfte sich Rocky in der genialen Bearbeitung der Filmmusik von Bill Conti und Vince de Cola. Nicht nur für Lars Karlin, sondern auch für die acht Posaunisten und für die Schlagzeuger war das fulminante Finale mit rockigem Posaunensound eine Sternstunde. Die große Begeisterung beim Publikum galt zuerst den Musikern, aber auch dem Moderator des Ensembles, allen Verantwortlichen vor und hinter der Bühne, den Sponsoren, dem Förderverein der Südpfalzlerchen für die Bewirtung. Klassik im Park ist nicht vom Wetter zu stoppen. Mit einem kunstvollen Arrangement des Volkslieds „Der Mond ist aufgegangen“ klang der Abend aus.