Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Tropische Zeckenarten fühlen sich wohl

Im Vergleich zum gemeinen Holzbock, der bei uns am häufigsten vorkommenden Zeckenart, sind Zecken der Gattung Hyalomma sehr viel
Im Vergleich zum gemeinen Holzbock, der bei uns am häufigsten vorkommenden Zeckenart, sind Zecken der Gattung Hyalomma sehr viel größer. Charakteristisch sind außerdem ihre gestreiften Beine.

Ein heißer, trockener Sommer macht ihnen gar nichts aus, im Gegenteil: Die tropischen Zeckenarten der Gattung Hyalomma fühlen sich bei dieser Witterung pudelwohl – und könnten sich auch in Deutschland ausbreiten. Mehrere Exemplare haben Forscher an der Universität Hohenheim in Stuttgart und ihre Kollegen am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) in München in diesem Jahr bereits nachgewiesen. Die jüngsten Funde stammen aus dem Donnersbergkreis (wir berichteten am 29. August auf der Seite „Südwestdeutsche Zeitung“).

Die Zahl – rund 20 Stück – der bislang nachgewiesenen Parasiten klingt überschaubar, doch bei den Forschern lässt sie die Alarmglocken schrillen. Sie befürchten, dass sich die Blutsauger hier etablieren könnten. Und noch etwas beunruhigt sie: Ein Exemplar trug ein gefährliches Bakterium in sich, Rickettsia aeschlimannii, einen Erreger des Zecken-Fleckfiebers. Gefunden wurden die Zecken vor allem an Pferden, eine an einem Schaf: Das Brisante an den Funden ist für die Zeckenexperten an der Universität Hohenheim und am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, dass es sich um tropische Zeckenarten der Gattung Hyalomma handelt.

Vermutlich über Vögel eingeschleppt

„Fünf von sieben gefundenen Zecken, die wir hier untersucht haben, haben wir zweifelsfrei bestimmen können, vier sind der Art Hyalomma marginatum und eine der Art Hyalomma rufipes zuzurechnen. Die beiden anderen hatte der Pferdebesitzer beim Einsammeln verloren“, erklärt Lidia Chitimia-Dobler, Zeckenexpertin am IMB. „Hyalomma-Zecken haben wir hier in Deutschland noch nicht erwartet.“ Die vergleichsweise großen Tiere mit den auffällig gestreiften Beinen waren in diesem Jahr im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau aufgetaucht, zuletzt im Donnersbergkreis, vermutlich über Vögel eingeschleppt. „Diese Zeckenarten könnten in Deutschland Einzug halten“, befürchtet Ute Mackenstedt, Parasitologin und Professorin an der Universität Hohenheim. „Wir werden sie verstärkt im Auge behalten und uns darauf vorbereiten, ihr in den nächsten Monaten womöglich noch öfter zu begegnen.“

Bis Dänemark ausgebreitet

Überraschend ist diese Entwicklung für die Expertin nicht. „Wegen der Klimaerwärmung ist bei uns mit immer mehr wärmeliebenden Zecken zu rechnen. Ixodes inopinatus aus dem Mittelmeerraum hat sich inzwischen bis Dänemark ausgebreitet.“ Die große Frage sei nun bei den beiden Hyalomma-Arten, ob es sich noch um einzelne eingeschleppte Exemplare handelt oder ob sich die Arten hier bereits etablieren konnten. „Bei einer anderen Art, der ursprünglich in Afrika beheimateten Braunen Hundezecke, Rhipicephalus sanguineus, sind Exemplare an Hunden gefunden worden, die ihren Hof nie verlassen hatten“, berichtet die Wissenschaftlerin. „Damit konnten sie kein unbeabsichtigtes Urlaubsmitbringsel sein – ein Hinweis darauf, dass sich die Art hier eventuell bereits entwickeln kann.“

Sommer kam den Zecken gelegen

Für die Hyalomma-Arten müsse dies beobachtet werden. Wie Lidia Chitimia-Dobler erläutert, wisse man, wie lang der Zeitraum ist, den die Tiere für ihre Entwicklung benötigen. „Damit können wir abschätzen, ob sie sich bei einer Klimaerwärmung mit zunehmend trockenen und heißen Perioden in Deutschland etablieren können“, so die Wissenschaftlerin. Sie führt das Auftreten von Hyalomma-Zecken in Deutschland 2018 auf den heißen, trockenen Sommer zurück. „Diese Zecken bevorzugen eine geringere Luftfeuchtigkeit als die bei uns vorkommenden Zeckenarten. In diesem Jahr kommt die hiesige Witterung den Lebensbedingungen dieser Zecken daher sehr entgegen.“

Tropische Form den Zecken-Fleckfiebers nachgewiesen

In Deutschland sind Zecken vielen Menschen bekannt als Überträger gefährlicher Krankheiten wie der Lyme-Borreliose oder der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Diese Krankheitserreger sind bislang nicht in Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes nachgewiesen worden. Doch auch diese Blutsauger bergen Risiken. Beide Arten gelten als wichtige Überträger des Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers. Daneben sind sie wichtige Überträger tropischer Erkrankungen der Nutztiere. Gerhard Dobler, Mediziner und Mikrobiologe am IMB, hat hierzu keine guten Nachrichten: „In einem Exemplar konnten wir den Erreger einer tropischen Form des Zecken-Fleckfiebers nachweisen. Gefährliche Viren als Erreger von hämorrhagischen Fieber-Formen wurden bisher nicht entdeckt.“

Der Autor

Florian Klebs leitet die Abteilung Hochschulkommunikation der Universität Hohenheim in Stuttgart.

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