Rheinpfalz Teuflische Spielfreude bei Fritz-Walter-Wetter

24 Punkte, Platz zwei. Nach gut einem Drittel der Zweitliga-Saison ist der 1. FC Kaiserslautern auf Kurs. Nach dem 4:1 am Montag gegen Erzgebirge Aue hat die junge FCK-Truppe mit nun 25 Treffern ein Tor mehr erzielt als in der gesamten vergangenen Saison, an deren Ende der Bundesliga-Abstieg stand. Auch die Fans freuen sich, dass sie wieder jubeln können.

KAISERSLAUTERN. ”Wir sind auf einem guten Weg, so kann das weitergehen”, sagte Alexander Baumjohann am späten Montagabend im Kabinentrakt des Fritz-Walter-Stadions. Der Mittelfeldregisseur des FCK hat den ”Betze” mit seinen zwei tollen Toren und seiner perfekten Steilvorlage auf Stürmer Mohamadou Idrissou zum 4:1-Schlusspunkt (81.) beben lassen. Die 23.372 Zuschauer, die Treusten der Treuen an diesem kühlen, verregneten Novemberabend, wurden den Roten Teufeln für ihren Stadionbesuch belohnt.

Nur 24 Tore hat der FCK in der vergangenen Katastrophensaison in der Fußball-Bundesliga erzielt. Schon acht Treffer stehen bereits jetzt, eine Etage tiefer, allein auf dem Torkonto Idrissous. Dem 32-Jährigen bereitet es sichtlich Spaß, mit den ”Jungs” zu spielen, etwa den drei 21-Jährigen Denis Linsmayer, Steven Zellner und Hendrick Zuck, dem 20 Jahre jungen Kostas Fortounis und dem noch jüngeren Dominique Heintz (19). Sie alle waren gegen Aue erste Wahl.

FCK-Trainer Franco Foda, der sich nicht scheut, den Nachwuchs ins kalte Wasser zu werfen, war stolz auf seine Jungs. ”Gerade wenn man bedenkt, wie viele Spieler bei uns gefehlt haben, war das ein sehr schwieriges Spiel”, sagte der Coach, ”und das haben wir mit Bravour gemeistert.”

Völlig euphorisiert war Denis Linsmayer. Er feierte den Sieg dort, wo er die Roten Teufel früher selbst angefeuert hat: in der Westkurve. Mit einem kultig-abgewetzten, mit allerlei Spuren vergangener ”Schlachten” versehenen FCK-1860 München-Fanschal um den Hals lief Linsmayer in die Kabine. Ein spontanes Geschenk eines Anhängers bei der gemeinsamen Jubelorgie. Der 21-Jährige, der ungezählte FCK-Spiele in der Fankurve, dann als Balljunge und später wieder in der Kurve erlebte, machte mit dem gleichaltrigen Steven Zellner auf der Doppelsechs im defensiven Mittelfeld das Fehlen Ariel Borysiuks, Enis Alushis, Mimoun Azaouaghs und Pierre De Wits fast vergessen. Die junge Garde schätzt ihren Coach, der den Talenten auch in schwierigen Situationen Rückendeckung gibt. Auch Florian Dick, für den verletzten Albert Bunjaku wieder Kapitän, meinte: ”Die Jungs haben das im Mittelfeld überragend gemacht.” Das Lob gebührt auch Fortounis und Zuck, dessen Verletzungspause seine Spielfreude offenbar noch verstärkt hat. ”Wenn die ersten Pässe ankommen, gibt das Sicherheit. So wie heute”, meinte der 21-Jährige, der im Dauerregen das 1:0 erzielte (7.). Sensationell: Baumjohanns Fallrückziehertor zum 2:1 (36.) im Nachsetzen, just in dem Moment, in dem die Fans das ”Fritz-Walter-Wetter” besangen. ”In so einer Situation darfst du nicht nachdenken, da musst du einfach machen”, sagte der Top-Techniker, der später beim 3:1 (79.) Torwart Martin Männel nach Idrissou-Freistoß clever tunnelte. Diesen Freistoß indes beanstandeten die Auer so heftig, dass der nun für ein Spiel gesperrte Jakub Sylvestr für eine ”Scheibenwischer”-Geste nach dem 3:1 Rot sah (80.) und Trainer Karsten Baumann auf die Tribüne musste. Der Ex-Lauterer Ronny König wähnte im Schiedsrichter gar ”den zwölften Mann des FCK”. Die Auer ärgerten sich auch über den ausgebliebenen Elfmeterpfiff nach Heintz‘ Arm-Einsatz gegen Sylvestr (7.).

Ungeachtet jedweder Schiedsrichterdiskussion indes überzeugten die Lauterer mit ihren klugen, effizienten Steilpässen im perfekten Moment.

”Ich habe nur für ein Jahr Zweite Liga unterschrieben, weil ich davon überzeugt bin, dass wir nächstes Jahr wieder in der Bundesliga spielen. Dieser Verein gehört dorthin”, sagte Baumjohann. Deshalb will er am Samstag in Paderborn so weitermachen, wie er und seine Kollegen am Montagabend aufgehört haben. (osp)

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