Rheinpfalz Stille Revolution: »Das schweigende Klassenzimmer«
Wie schnell in der ehemaligen DDR aus Abiturienten sogenannte „Konterrevolutionäre“ werden, zeigt der Film „Das schweigende Klassenzimmer“.
Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dietrich Garstka, der 1956 selbst der Abiturklasse angehörte, die plötzlich im Visier der Staatsmacht stand.
Auslöser: Schweigeminute
Auslöser dafür ist ein verbotener Ausflug nach Westberlin ins Kino, bei dem die beiden Schüler Theo (Leonard Scheicher) und Kurt (Tom Gramenz) in der Wochenschau ungeschönt drastische Bilder des Aufstands in Ungarn gegen die russische Besatzung sehen. Zurück in Stalinstadt, dem heutigen Eisenhüttenstadt in Brandenburg, erfahren die Jungen im heimlich eingeschalteten Westradio, wie viele Aufständische dabei ums Leben gekommen sind, darunter auch ihr großes Fußballidol Ferenc Puskás. Bestürzt von der Brutalität der Staatsmacht, beschließen die Klassenkameraden im Kollektiv, am nächsten Schultag eine Schweigeminute für die Opfer einzulegen. Der Gedenkakt hat weitreichendere Folgen, als es sich die Jugendlichen je hätten vorstellen können. Der Volksbildungsminister der DDR (Burghart Klausner) ordnet eine Untersuchung des Vorfalls an, um den Anführer der „Revolution“ ausfindig zu machen und diesen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Abiturienten geraten massiv unter Druck, auch von Seiten ihrer besorgten Eltern, die zu Recht um die Zukunft ihrer Kinder bangen.
Hochemotionale Momente
Nach seinem mehrfach ausgezeichneten Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (2015) beschäftigt sich Kraume erneut mit der deutschen Nachkriegs-Ära. Laut ersten Pressekritiken setzt er damit noch einmal eine Schippe drauf. Vielschichtig und mit einer hohen Erzählkunst porträtiere der Regisseur den DDR-Unterdrückungsstaat. Für hochemotionale Momente, allen voran das Finale, sorgten vor allem die authentisch interpretierten Charaktere.
Info
»Das schweigende Klassenzimmer«: mit Leonard Scheicher, Anna Lena Klenke, Carina N. Wiese; Regie: Lars Kraume; D 2018, 107 Minuten, ab 12 Jahren, Start: 1.3.