Eisenberg Spirituell auf 2019 eingestimmt

Texte des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906 bis 1945) standen im Fokus der siebten Neujahrsbesinnung in Lautersheim. Das Motto: „Gemeinschaft und Zusammenhalt“. Initiator Volker Günther aus dem Pfarrgemeinderat und Mitorganisatorin Hedwig Binder aus dem Presbyterium hatten dazu am Dienstag in die evangelische Kirche des Ortes eingeladen.
Zu der knapp 30-minütigen Andacht waren rund 70 Menschen gekommen. Vor dem Christbaum stehend begleitete Waltraud Bauer auf ihrem Akkordeon das gemeinsam gesungene „Es ist ein Ros entsprungen“. Pfarrerin Helke Rothley erklärte, dass es für solch ein Lied noch nicht zu spät sei, da die kirchliche Weihnachtszeit bis zum 6. Januar gehe. Bei den Katholiken dauere sie sogar bis Mariä Lichtmess (2. Februar). Sie rief dazu auf, „im Namen Gottes zur Ruhe zu kommen“ und las einen Beitrag von Fredi Bernatz aus dem Mundart-Buch „Kärchejohr“ von Thomas Kiefer und Michael Landgraf. Nach einer Lesung aus dem ersten Buch Moses war – umrahmt von Richarda Günther auf der Violine mit Bachs „Air“ und Händels „Largo“ – zu erfahren, wie unterschiedlich Dietrich Bonhoeffer das Hochfest um die Geburt Christi erlebt hat: unbeschwert und geheimnisvoll als kleines Kind, beschrieben von seiner Zwillingsschwester Sabine Leibholz in „Weihnachten im Hause Bonhoeffer“, von Trauer überschattet als Zwölfjähriger, nachdem sein Bruder Walter 18-jährig im Ersten Weltkrieg gefallen war, und einsam als 37-Jähriger im Gefängnis. Hinter Gittern schrieb er einen Brief, in dem er seinen Eltern dankte für die vielen schönen Weihnachtsfeste, die „dieses dunkle überstrahlen“. „Das war ergreifend“, meinte Gabi Kauth nach der Andacht, bei der Konfirmandinnen und Präparandinnen Fürbitten vorgetragen hatten und die Landfrauen-Singrunde aufgetreten war. Die Erinnerung an Bonhoeffer wachzuhalten hält Kauth für wichtig, um sich bewusst zu machen, dass es nicht selbstverständlich ist, in Frieden und Wohlstand zu leben. Sie sagte: „Ich bin erst das zweite Mal bei der Neujahrsbesinnung und werde ab jetzt immer kommen.“ Von Anfang an dabei sind Ute und Wolfgang Becker. Er erklärte: „Es gefällt uns gut, und wir möchten dieses Engagement für die Gemeinschaft gern unterstützen.“ Bei der sechsten Auflage war der 100. Jahrestag der Beendigung des Ersten Weltkrieges Thema. „Es standen auch schon Engel im Mittelpunkt oder eine Lichtermotette“, blickte Binder zurück. Volker Günther, der unter anderem das Siegfried-Fietz-Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ auf der Gitarre begleitet hatte, sagte zur Intention: „Nach den Böllern wollen wir uns spirituell auf das neue Jahr einstimmen.“ Angeregt zu dieser Veranstaltungsreihe habe ihn der „Hirtengang“ des Ehepaars Stuppy aus Göllheim, zu dessen katholischer Pfarrei Lautersheim seit einigen Jahren gehört. Arno Stuppy erläuterte der RHEINPFALZ, was es mit dem „Hirtengang“ auf sich hat: „Seit 1998 ziehen wir am Freitag vor dem vierten Advent mit den Kommunionkindern durch den Ort und folgen über mehrere Stationen der Weihnachtsgeschichte.“ Dazu mache unter anderem die Familie Günther Musik.