Rheinpfalz Seit über einem Jahr Baustopp an Fischtreppe

Die Fischtreppe in Hornbach wird aus Kostengründen nicht weitergebaut. Das teilte Ulla Eder, Sprecherin der Kreisverwaltung Südwestpfalz, auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Bisher wurden rund 70.000 Euro ausgegeben. In seiner nächsten Sitzung am 23. März entscheidet der Kreistag, wie es weitergeht.
Der Bau der Anlage sollte zunächst 481.000 Euro kosten, davon 387.000 reine Baukosten. Der Rest sind Kosten für Planung, Statik, die Ausschreibung und für die Sedimentuntersuchung. Im Zuge der Erdarbeiten seien Probleme aufgetreten, die den Bau „voraussichtlich um mehr als das Doppelte verteuern würden“, erklärte Eder. Das sei unverhältnismäßig und nicht förderfähig. Deshalb habe die Kreisverwaltung in Abstimmung mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd den Baustopp beschlossen. Im vergangenen Jahr habe man Alternativen geprüft, um die EU-Richtlinie umzusetzen und die Durchlässigkeit des Bachs herzustellen. Favorisiert werde jetzt eine Umgehungsrinne 100 Meter gewässeraufwärts in Höhe des Hornbachwehrs. Neben dem eigentlichen Bach würde man dann ein zusätzliches Bachbett mit 70 bis 80 Metern Gefälle anlegen, damit die Fische um das Wehr herum schwimmen können. Das Problem der ursprünglich vorgesehenen Fischtreppe: Sie läge am Fuß einer vier Meter hohen Bruchsteinmauer. „Bei den Aushubarbeiten war festgestellt worden, dass das Fundament der Mauer nur aus losen Bruchsteinen besteht“, so Eder. Außerdem habe man einen Holzbalkenrost entdeckt, der vermutlich aus den Anfangstagen der ehemaligen Mühle stamme und quer zur Fließrichtung eingebaut sei. Dieses Holz trage zumindest einen Teil der Ufermauer. „Um die Sohle der Baugrube ordnungsgemäß herstellen zu können, müsste 1,50 Meter tiefer als das Bruchsteinfundament beziehungsweise die Holzkonstruktion ausgehoben werden“, sagte Eder. Das mache die Sache wesentlich teurer als geplant. Bisher wurden 70.000 Euro verbaut – einschließlich der Kosten für den Rückbau. 90 Prozent der Kosten werden laut Eder vom Land getragen, zehn Prozent muss der Kreis zahlen. Die Fischtreppe sollte in Höhe des Wasgau-Markts – im Bereich des Wehrs und der Wasserkraftanlage von Hans-Peter Reidiger – gebaut werden, damit Fische und andere Wassertiere ungehindert den Bach durchschwimmen können. Im Oktober 2013 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, ein Monat später wurde die Baustelle wieder geräumt. Der Kreisausschuss hatte die Arbeiten im August 2013 an die Zweibrücker Firma Wolf und Sofsky vergeben. Ob die Baufirma nun Anspruch auf Entschädigung hat, hat der Kreis prüfen lassen. Man habe geschaut, „unter welchen Voraussetzungen wir aus dem Vertrag wieder rauskommen“, erklärt Ulla Eder. Das Ergebnis der Prüfung wollte sie vor der Sitzung des Kreistags noch nicht bekanntgeben. Der Grund, weshalb nun doch der erst der Kreistag im März und nicht schon der Kreisausschuss am kommenden Montag entscheiden soll, ist die Frage nach der Höhe der möglichen Entschädigung. Dass die Sache vor Gericht geklärt werden muss, „davon ist nicht auszugehen“, sagt Eder. Laut Hans-Peter Reidiger, der in Hornbach ein Wasserkraftwerk betreibt, bleiben die großen weißen Säcke, genannt Big Packs, im Graben, und der wird dann mit Erde aufgefüllt. Durch die Fischtreppe fließt auch weniger Wasser durchs Kraftwerk. Dafür hätte Reidiger früher als Ausgleich eine höhere Vergütung bekommen, erklärt er. Das sei mit der Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im August 2014 weggefallen. Mehr Geld pro Kilowattstunde gebe es nun nur noch, wenn die Leistung der Anlage erhöht wird. Deshalb will Reidiger im April 20.000 Euro investieren, um sein Kraftwerk aufzurüsten. Dann kann er den geringeren Durchfluss zum einen mit der besseren Leistung, zum anderen mit der höheren Vergütung ausgleichen. (bds/bfl/ow)