Kultur Südpfalz Seelengemälde in Tönen

Magische Klänge, faszinierende Seelengemälde: Die Serenade auf dem Trifels bei Annweiler bot ein Repertoire, das tänzerisch-beschwingt, sehnsüchtig, auch mal kantig und mitreißend dynamisch war. Zurecht ernteten der Dozent Jermolaj Albiker (Violine) und die Stipendiaten der Villa Musica Rheinland-Pfalz frenetischen Applaus.
Im proppenvollen Kaisersaal machten Susanne Schmidt, Violine, und Olof von Gagern, Viola, den Auftakt mit Mozarts Duo für Violine und Viola G-Dur, KV 423. In dem mit technischen Finessen gespickten Stück lieferte sich das Duo einen anspruchs-vollen instrumentalen Schlagabtausch, bevor es im Mittelsatz, dem ornamentenreichen Adagio, betont ruhig agierte. In Beethovens Streichtrio G-Dur op. 9 Nr. 1 beeindruckten Jeromaj Albiker, Violine, Olof von Gagern, Viola, und Darima Tcyrempilova, Cello. Im ersten Satz hoben die Musiker nach dem zarten und langsamen Beginn so gekonnt zum Fortissimo an, dass man sich zeitweise in einem Orchester wähnte. Im sehr anmutigen Adagio ma non tanto e cantabile präsentierte das Trio virtuos, wie Beethoven seine neuen weiten Melodiebögen entfaltete und aus den Anklängen, den scheinbar „hingeworfenen Figuren“, ein „tief empfundenes Seelengemälde“ malt. Im Scherzo führten die Streicher zu beschwingt-koketten und ansteckenden Walzertänzen. Und beim Presto steigerten sie die Spannung durch ihr virtuoses Alternieren zwischen Haupt- und Nebenthemen. Staccato, Trommelbass und Ausweichungen setzten dabei auch das Publikum unter Strom. Besonders gefordert war dabei der Bratschist als Waagehalter zwischen Geige und Cello. Starken Applaus heimsten die Musiker bei diesem Stück ein, bei dem Dozent Jermolaj Albiker, erster Konzertmeister im SWR-Symphonieorchester und einst selbst Stipendiat der Villa Musica, auf einer Geige von Stefan-Peter Greiner spielte. Die zweite Hälfte der Serenade war dem wundervollen Klarinettenquintett h-Moll Opus 115 des späten Johannes Brahms gewidmet. Dargeboten von Nemorino Scheliga, Klarinette, und den vier bereits genannten Musikern. Bei dem zündenden Werk ungarischen Charakters, bei dem die Hirtenfantasie der Klarinette eine wichtige Rolle spielt, habe Brahms „triviale Salonmusik in die Sphäre tief bewegender Kammermusik“ erhoben, erläutert Karl Böhmer im fundierten Programmheft. Im ersten Satz, dem wehmütigen Allegro, fungierte das „Wellenmotiv“ der beiden Geigen als formale Klammer, wie auch in den Folgesätzen und beim herausragenden Klarinettensolo. Im Adagio, einem der schönsten Brahms-Sätze, das seinen „schwebenden Reiz“ auf dem Klanggrund der gedämpften Streicher entfaltet, vermittelte die Klarinette zuerst meditative Ruhe, um dann bei der Hirtenfantasie dramatisch und schließlich sanft melancholisch zu werden. Getragen von den weichen Akkorden der vier Streicher. Auf diesen anrührend-sensiblen Satz im Brahms-Quintett folgten im dritten Satz das joviale Andantino, in Presto non assai ein quirlig-ungarischer Tanz, eine Art Streicher-„Beben“ mit eingestreuten exzellenten Klarinetten-Akkorden. Im Finale Con moto zogen die Musiker noch einmal voll in ihren Bann.