Rheinpfalz Schuldig oder nicht?

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Die Arbeitsgemeinschaft Theater des Veldenz-Gymnasiums Lauterecken zeigte in der Gemeindehalle Medard am Freitag das Justizdrama „Die Geschworenen“, basierend auf Reginald Roses Drehbuch zu „Die zwölf Geschworenen“. Es wurde ein spannender zum Nachdenken anregender Abend.

Einem 19-Jährigen Puerto Ricaner wird vorgeworfen, seinen Vater ermordet zu haben. Nun müssen zehn Geschworene über sein Schicksal entscheiden. Der Fall scheint klar, denn Zeugenaussagen und Indizien belasten den Anklagten schwer. Wenn die Geschworenen zu einem einstimmigen Schuldspruch kommen, droht dem jungen Mann der elektrische Stuhl. Wird jemand den Mut aufbringen und Zweifel äußern, um das Leben des Jungen nicht leichtfertig mit zu beenden? Schuldig oder nichtschuldig – das ist hier die Frage. Nach sechs Verhandlungstagen soll über das Schicksal des Mordverdächtigen entschieden werden. Im Geschworenenzimmer sitzen zehn Menschen und müssen eine Entscheidung über Leben und Tod treffen. Immer wieder heißt es bei der ersten Abstimmung schuldig, bis Geschworene Nummer sieben (Melissa McLaughlin) an der Reihe ist. Sie ist nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugt und will kein Leben durch ein vorschnelles Urteil gefährden. Damit macht sie sich keine Freunde, denn aus unterschiedlichen Gründen sind die meisten an einem schnellen Prozessende interessiert. Doch mit ihrer Argumentation schafft sie es, immer mehr Zweifel zu wecken und Ungereimtheiten aufzudecken. Als Erster folgt ein älterer Mann mit langer Lebenserfahrung und guter Menschenkenntnis (Magdalena Breitzler) ihren Ausführungen. Die Geschworene Nummer zehn, die in Europa aufgewachsen ist und die Vorteile eines fairen Justizsystems kennenlernte (Lilly Sommer), deckt Widersprüche auf. Der Geschworene Nummer neun, ein Rassist (Mona Volk), möchte die Verurteilung allein aufgrund der Herkunft des Angeklagten. Dem Handelsvertreter und Geschworenen Nummer sechs (Kevin Becker) ist eine schnelle Entscheidung wichtig, um ein Baseballspiel nicht zu verpassen. All diese unsachlichen Argumente sind vor allem der analytisch denkenden Geschworenen Nummer drei (Lena Reule) zuwider, und auch der Geschworene Nummer fünf, ein einfacher Mann mit klaren moralischen Grundsätzen (Fabian Rheinheimer), kann die Respektlosigkeit nicht akzeptieren. Der Geschworene Nummer vier (Maxi Christoffel), wie der Angeklagte in den Slums von New York aufgewachsen, ist der Einzige, der weiß, wie die Tatwaffe, ein Springmesser, gehandhabt wird und kann somit wichtige Hinweise liefern. Als Geschworener Nummer eins (Svenja Winter), ein Co-Trainer im Baseball, bemerkt, dass die Stimmung zugunsten des Mordverdächtigen kippt, schließt er sich der Mehrheit an. Gegen Ende hält nur noch der Geschworenen Nummer zwei (Dominik Schumacher) am Schuldspruch fest. Doch nicht aus Überzeugung, sondern aus Hass auf seinen eigenen Sohn. Am Ende der hitzigen Diskussionen wird aus dem scheinbar sicheren Schuld- ein Freispruch. Regie führte Lehrer Oliver Schmidt, der auch die Rolle des Gerichtsdieners übernahm. Immer wieder war die Stimme der Richterin (Natascha Gehres) zu hören. Das Stück, welches als Musterbeispiel zur Veranschaulichung von Gruppenverhalten, Rollenverhalten und gruppendynamischen Prozessen gilt, zeigt nicht nur, wie Demokratie funktioniert, sondern auch, dass vorschnelle Urteile genauer überdacht werden sollten. (sbs)

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