Rheinpfalz Schlagfertig und sturmerprobt

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Fulminantes Finale auf der Burg: Zum Abschluss des Jugend-Jazzcamps auf Burg Lichtenberg stellten die Nachwuchstalente am Donnerstagabend in einem stimmungsvollen Konzert ihre Arrangements vor. Wegen des regnerischen Wetters musizierten sie in der Zehntscheune.

Zunächst präsentierte sich die Saxofongruppe. In abwechslungsreichen Arrangements verliehen sie Standards wie „Just Sax“ oder „When I’m 64“ ein neues Klanggewand; auch der alte Filmklassiker „Over the rainbow“ kam frisch und jung daher. Die Posaunen konnten mit ihrer Interpretation von „Just a closer walk“ überzeugen, auch Hits wie „Georgia“ standen auf dem Programm. „Kurz, aber nicht schmerzlos“ waren die Arrangements der Schlagzeugklasse von Trevor Richards aus New Orleans. „Franz Wosnitza hat gemeint, wir sollten uns ,Schlagfertig’ nennen,“ moderierte der Amerikaner mit Augenzwinkern und trockenem Humor: „Wir schlagen zu und Sie sind danach fertig.“ Wie sich das anhörte, konnte das Publikum bei der Premiere von „Opus 127 ½“ feststellen. Nach einem rasanten Trommelwirbel bestimmten leise Hölzer den Klang, ein Rascheln erzeugte atemlose Spannung, in die dann der schwungvolle Off-Beat einbrach, dessen rhythmische Muster sich mit einem fast schon rituellen Charakter wiederholten. In einem ganz ungewohnten Sound kam auch der alte Gospel „Oh when the Saints“ daher, neu arrangiert von einer Gruppe um Sven Hack. Nach einem filmreifen Blechbläsertusch veranlasste der swingende Sound viele Besucher zu spontanem Mitklatschen. Auch die nächste Nummer riss das Publikum von den Stühlen. Nach einer langsamen, nostalgisch überhauchten Bläsermelodie über durchlaufendem Beat schlug die Stimmung abrupt um, wurde wild und swingend, vor allem durch ein rasantes Schlagzeugsolo von Florian Zumsteig aus der Schweiz, der mit rhythmischer Sicherheit und überbordender Spielfreude hochvirtuose Figuren ins Schlagzeug hämmerte, in die dann die Bläser wieder einfielen. Das Ensemble um Ralph „Mosch“ Himmler hatte ein neues Arrangement des Blues „Mo’ cream from the crop“ erarbeitet, den ein Freund von Trevor Richards, der Trompeter Leroy Jones aus New Orleans, geschrieben hat. Die Töne der Klaviermelodie standen in sehr klarem Anschlag wie eine Welt für sich, um sich dann zu einer Melodie zusammenzufinden, die die Bläser aufgriffen und weiterführten. „Wie wir unsere Band nennen sollten, hat uns ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet,“ erzählte Ralph „Mosch“ Himmler: „Sollten wir uns ,Die zehn Bescheuerten’ nennen, weil wir ja in der Zehntscheune auftreten? Davon sind wir abgekommen, es fehlen ja noch vier.“ Der Name ist auch Schall und Rauch, wenn eine Band so überzeugen kann wie diese mit ihrer Interpretation von „Sweet Georgia Brown“. Schnelle zügige Tempi und sichere Rhythmen verbanden sich zu einem federnd-vibrierenden Sound, der den Zuhörern unter die Haut ging Matthias Stoffel und die „abgehärtete und sturmerprobte Campinggruppe“, die die vergangenen Tage in einem Zelt auf dem Burghof geprobt hatte, nannten ihr Programm nach der 16-jährigen Anna Lisa Schulteholte aus Köln „Anna lernt Jazz und Max“. „In den Hauptrollen erleben Sie Anna und Max. Und weil es eine Low-Budget-Produktion ist, muss Lukas 17 weitere Rollen übernehmen. Für Stimmung und Atmosphäre ist Lennart zuständig, auch genannt ,The Flash’.“ Immer wieder antwortete Flötistin Anna kokett auf die Annäherungsversuche des Klaviers und des Sängers, zu dezenten Drums entstand eine faszinierende Nachtclubstimmung. Atmosphärische Dichte und poetischer Zauber bestimmten auch die klangvolle, rhythmisch variantenreiche Interpretation des lautmalerischen „Autumn leaves“. Mit dem Standard „Caravan“ verabschiedeten sich die Teilnehmer des Camps von ihren begeisterten Zuhörern. Unter ihnen sogar Gäste aus Frankreich wie Deutschlehrerin Françoise Berger. „Diese Jugend und Vitalität macht einem wieder neuen Mut, vor allem nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Wochen. Ich bin heute Abend zehn Jahre jünger geworden.“ |knf

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