Rheinpfalz Schicke Schecken
«HERSCHBERG.» Schon als kleines Mädchen hat sie von einem weißen Pony geträumt, einem ganz speziellen mit schwarzen Punkten. Jetzt hat sich Anne-Kathrin Bäuerle (25) als Erwachsene diesen Wunsch, wenn auch in zwei Etappen, gleich doppelt erfüllt.
Die „Pferdenärrin“, wie sie sich selbst bezeichnet, ist mittlerweile stolze Besitzerin von zwei temperamentvollen Part-Bred-Shetlandponys. Diese Unterart ist seit 1999 als eigene Rasse in Deutschland eingetragen und hat ein Stockmaß zwischen 100 und 112 Zentimetern. Von diesen Shettys mit dem edlen Kopf und der dichten Haarpracht gibt es deutschlandweit 1000 Zuchtstuten und weniger als 170 Hengste. Die heute vierjährige weiß-schwarze Stute Missi hat die Herschbergerin vor fast drei Jahren von einer saarländischen Züchterin erworben. Weil sie aber unbedingt zwei zusammenpassende „Tigerschecken“ haben wollte, musste sie bis zum Frühjahr warten, ehe sie den heute einjährigen Wallach Joe im pfälzischen Schwedelbach entdeckte und sofort ins Herz geschlossen hat. „Dass sich die beiden von Anfang an gut vertragen haben, war natürlich ein Glücksfall“, stellt ihre Besitzerin erleichtert fest. Anne-Kathrin Bäuerle ist in Herschberg aufgewachsen, wo ihre Eltern ein Anwesen gekauft haben, als sie erst ein Jahr alt war. Sowohl die Grundschule als auch die Realschule plus hat sie in Wallhalben bis zur zehnten Klasse besucht. Reitunterricht hatte sie schon ab sechs Jahren und war seither meist hoch zu Ross unterwegs. Ihre Tierliebe trug dazu bei, ursprünglich den Beruf der Tierarzthelferin in einer Zweibrücker Praxis zu erlernen. Nach unfallbedingter Pause hat sie sich dann beruflich neu orientiert. Durch eine Bekannte kam sie in Kontakt mit der Reitsportsattlerei Philimar in Pirmasens, wo sie sich als Quereinsteigerin schnell in dieses Handwerk eingearbeitet hat. In einem Team von sechs Kollegen werden teilweise echte Liebhaberstücke wie Barocksättel oder Dressursättel nach Maß angefertigt. Diese Tätigkeit macht ihr großen Spaß, und sie ist stolz darauf, heute einen Sattel überwiegend selbst herstellen zu können – bis auf den Unterbau: „Das machen natürlich meine männlichen Kollegen.“ Ein beträchtlicher Teil ihrer Freizeit ist für ihre beiden gescheckten Lieblinge reserviert. Bei der Haltung und Pflege kommen ihr die Erfahrungen aus der Zeit in der Tierarztpraxis zugute. Die beiden robusten Minipferde sind oft auf der Koppel zu finden, und der Umgang mit ihnen ist für ihre Besitzerin recht abwechslungsreich und natürlich auch zeitintensiv. Dass sie nicht nur klug sind, sondern auch dickköpfig sein können, haben sie erst kürzlich bewiesen, als sie den Zaun ihrer Weide – zum ersten Mal überhaupt – demoliert haben, „weil ihnen das Gras des Nachbargrundstückes offensichtlich besser geschmeckt hat“, wie ihre Halterin vermutet. Einmal in Freiheit, sind sie jedoch nicht ausgebüxt, sondern einem Spaziergänger mit Hund friedlich bis ins Herschberger Neubaugebiet in dessen Garten gefolgt. „Mit Hunden vertragen sich meine Ponys erstaunlich gut“, bestätigt Anne-Kathrin Bäuerle. Um die beiden Shettys in Bewegung zu halten, hat sie kürzlich eine Kutsche in passender Größe angeschafft. Diese kann sowohl einspännig gefahren als auch von zwei Ponys gezogen werden und sorgt bei Ausfahrten stets für Aufmerksamkeit. Um alles richtig zu machen, hat sie einen offiziellen Kutschenführerschein erworben. Von der Ausbildung bei der Fuhrhalterei Dinger in Großsteinhausen, einem Partnerbetrieb der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, ist sie restlos begeistert: „Dort habe ich von Ausbilder Augustinus Mayer unheimlich viel zum Thema Kutschenfahren und auch über den Umgang mit Pferden im Allgemeinen lernen können.“