Rheinpfalz
Schönenberg-Kübelberg: Geschnatter bei der Wasservögel-Zählung zum Mittwinter
Hunderttausende Wasservögel verbringen zwischen Boddenküste und Bodensee den Winter auf Fließ- und Stillgewässern. Dies zu dokumentieren dient die Wasservogelzählung, die seit mehr als 40 Jahren von Vogelschützern durchgeführt wird – am Sonntag ganz öffentlich am Ohmbachsee.
An jedem Sonntag, der der Monatsmitte am nächsten liegt, zählen ehrenamtliche Naturschützer die Wasservögel in ganz Deutschland. So auch der Vorsitzender des Arbeitskreises Nabu (Naturschutzbund Deutschland) Westrich/Weilerbach, Peter Schmidt. Er hatte für Sonntagmorgen zur sogenannten Mittwinterzählung zum Ohmbachsee eingeladen. Im Grau des anbrechenden Morgens konnte er neun Interessierte begrüßen.
Doch bevor die eigentliche Zählung begann, stellt Schmidt heimische Wasservögel vor. So erfuhr der ornithologische Schnupperkurs Wissenswertes aus der Welt von Enten und Rallen. Selten ist etwa die Krickente, die Schmidt leider vergeblich hoffte, am Ohmbachsee beobachten zu können. Ebenfalls sehr selten in unserer Region ist die Löffelente, die nur wenig kleiner als die bekannte Stockente ist. Bisher nur zweimal habe er die Reiherente hier entdecken können, erklärte der ambitionierte Hobby-Ornithologe, der Schulleiter an der Grundschule in Contwig ist. Zunehmen würden hingegen die Bestände der Tauchenten, die nicht nur zu Hunderten am Bodensee lebten. Auch im Landstuhler Bruch sowie am Waldmohrer Motschweiher habe er sie beobachten können, berichtete Schmidt.
Invasive Nilgänse
Bevor Schmidt jedoch den Unterschied zwischen Rallen und Enten erklären konnte, unterbrach ein aufgeregtes Geschnatter den kleinen Exkurs: Aus der Deckung einer Baumgruppe schwamm eine achtköpfige Entenansammlung in das Blickfeld der Neugierigen. Ein kurzer Blick zur schnatternden Gesellschaft genügte Moritz: Nilgänse, wusste der Junge gleich, der mit Bruder Felix und Mutter Valeska Neudert-Heil aus Glan-Münchweiler angereist war. Er brenne für die Vogelwelt, besonders für Wasservögel, verriet seine Mutter. Acht Striche für die Nilgans also: Moritz und seine Mutter übernahmen den schriftlichen Part der Zählung.
Was Schmidt über diese Gänse zu berichten weiß: Sie wurden erstmals vor fast genau elf Jahren in einer Weiheranlage Nähe Landstuhl von ihm entdeckt – als er im Februar 2009 eigentlich Silberreiher beobachten wollte. Nilgänse können bis zu drei Bruten im Jahr aufziehen. Die invasive Art stammt vermutlich aus einer Zucht in Holland, wo die Vorfahren der heute hier lebenden Tier ausgebüxt sind. Die Bestände sind seither auch in unserer Region stark angewachsen. Selbst Storchenhorste würden die Nilgänse hin und wieder zur Aufzucht ihres Nachwuchses besetzen, berichtete Schmidt.
Zaunkönig wird nicht gezählt
Kurz nach 8 Uhr marschiert die kleine Gruppe dann los. Nach knapp 200 Metern der erste Stopp: Im See flanierten gut 40 Stockenten, deren Geschnatter immer wieder durch lautes Pfeifen unterbrochen wurde. Die Vögel befinden sich gerade in der Hauptbalz, erklärte Schmidt. Während einige Teilnehmer das Werben der Erpel um die Gunst der Weibchen mit Ferngläsern beobachteten, drückte Udo Kobza aus Sand immer wieder auf den Auslöser seiner Kamera und fing so den Augenblick für die Ewigkeit ein.
Unbeeindruckt vom Treiben in Ufernähe zeigten sich indes zwei Hockerschwäne, die majestätisch durch die Mitte des Sees schwammen und sich wahrscheinlich bereits vor Jahren das Ja-Wort gegeben haben. Nicht in die Statistik aufgenommen wurde indes ein Zaunkönig, der irgendwo im Geäst des Waldes mit einer wahren Flut hoher Töne und schneller Trillerkaskaden um Aufmerksamkeit buhlte.
Freude über Bekassine
Auch wenn Reiher allgemein bei den Anglern unliebsame Gäste sind, konnte Moritz in seiner Strichliste alleine zwölf Kormorane, sechs Graureiher und einen Silberreiher aufnehmen. Besonders freuten sich die Wasservogelzähler über eine langschnäblige Bekassine, die genau wie eine Gebirgsstelze auf Nahrungssuche war. Auch wenn gegen Ende der einstündigen Zählung mit ruhigen Flügelschlag noch eine Graugans über den See flog, der Ohmbachsee gehört den Stockenten, die mit insgesamt 91 Vögel am Sonntagmorgen den See bevölkerten und damit deutlich die Zählung anführten. Wie Vogelschützer Schmidt berichtete, bewegte sich ihr Bestand in den vergangenen 40 Jahren zwischen 50 und 150 Tieren.
Auch wenn angesichts dieser Zahlen der Vogelschützer zufrieden ist, wünscht er sich dennoch mehr naturbelassene Schilflandschaften und somit mehr Lebensraum für Enten und Rallen.