Rheinpfalz Südwestpfalz: Einlegesohlen-Hersteller Jomo stellt Produktion am Stammsitz ein
«RIESCHWEILER-MÜHLBACH.» Jomo stellt die Serienfertigung von Mehrschicht-Einlegesohlen aus Kunststoff im Stammwerk Rieschweiler-Mühlbach ein. 19 Mitarbeitern, praktisch dem gesamten Fertigungspersonal, wurde bereits am 28. Mai gekündigt, wie die Geschäftsführung nun bestätigt. Die Produktion von thermisch verformten Sohlen wird nach Rumänien verlagert. In Timisoara unterhält die Jomo Thermomolding ein Werk.
„Der Kostendruck in der Schuh- und Textilbranche ist enorm. Selbst Hochtechnologieprodukte, wie wir sie in Rieschweiler herstellten, sind in Deutschland wirtschaftlich für uns nicht mehr darstellbar“, begründet Jomo-Europa-Geschäftsführer Steffen Bossert die Entscheidung, die thermische Verformung für den europäischen Markt nun in Timisoara zu konzentrieren. Dort würden schon jetzt von 185 Beschäftigten rund 80 Prozent der Produkte für die europäische Kundschaft hergestellt. Bossert trat im vergangenen Herbst in das Familienunternehmen ein, das in zweiter und dritter Generation von Mitgliedern der Familie Mohrbach geführt wird. Man trenne sich, so Bossert, schweren Herzens von langjährigen Mitarbeitern. Aufgrund der vieljährigen Betriebszugehörigkeit und damit langer Kündigungsfristen wurden die meisten zum 31. Dezember gekündigt. Jomo hat eine Teilbetriebsstilllegung angezeigt, die ausschließlich die genannten betriebsbedingten Gründe habe. Eine andere Verwendung der Mitarbeiter im Unternehmen sei nicht möglich. Allein schon wegen des Gehaltsniveaus in Rumänien sei eine Versetzung über Änderungskündigungen nicht erwogen worden. Die betroffenen Mitarbeiter seien in der Südwestpfalz verwurzelt.
Jomo versucht, neue Absatzmärkte zu erschließen
Gegründet wurde die Jomo 1975. Jomo steht für Johannes Mohrbach. Zusammen mit Vater Ernst baute er die Maschinenfabrik Mohrbach auf. Mohrbach lieferte Maschinen für die Schuhfertigung und Lederbearbeitung an die westpfälzische Schuhindustrie. Der Ableger Jomo war ursprünglich als Musterbetrieb gedacht, um Kunden die Leistungsfähigkeit der Mohrbach-Brandsohlen-Maschinen zu demonstrieren. Die Herstellung von Brandsohlen erwies sich aber alsbald als wenig wirtschaftlich. Deshalb stellte Jomo 1977 auf Einlegesohlen um. Großen Anklang fanden die schon aus mehreren Schichten, aus Naturprodukten und Kunststoffen, zusammengesetzten und mittels Klebstoffen und Hitze geformten Sohlen beim Sportartikelhersteller Adidas. Zeitweise wurde fast ausschließlich für die Drei-Streifen-Marke gefertigt. In der Spitze beschäftigte Jomo 100 Mitarbeiter in Rieschweiler beiderseits der Nünschweiler Straße. 1994 erschloss man sich mit der Gründung eines Werks in Brasilien, in Novo Hamburgo, neue Märkte, auch jenseits der Schuhindustrie. 2001 wurde das Werk in Rumänien eröffnet. Heute beschäftigt die Jomo-Gruppe 487 Mitarbeiter, die meisten davon in Brasilien, rund 250. Jomo stellt neben Einlegesohlen für Sport und Orthopädie weitere Produkte her, auch für die Verpackungsindustrie und in Brasilien für den Fahrzeugbau. Sowohl aus Kunststoffen wie auch Vliese und Textilien. Jomo versucht, sich mit neuen Produkten zusätzliche Absatzmärkte zu erschließen. Der Produktentwicklung komme nun ganz entscheidende Bedeutung zu, sagt Geschäftsführer Steffen Bossert.
Die Verwaltung stehe nicht zur Disposition
Wie Bossert betont, werde man den Standort Rieschweiler nicht aufgeben. Die Verwaltung mit gut 30 Mitarbeitern stehe nicht zur Disposition. Auch behalte man Kernkompetenzen der Produktion am Stammsitz. In Rieschweiler werde weiter auch der Vertrieb, der Einkauf, die Produktentwicklung und die Veredelung ansässig sein. Man habe Pläne, die Entwicklungsabteilung personell zu vergrößern. Ein Bekenntnis zum Standort sei auch darin zu sehen, dass man erst im vergangenen Jahr eine hochmoderne Kaschieranlage für sogenannte PU-Schäume, spezielle Kunststoffe, installiert habe. Auch in den Spritzguss behalte man in Rieschweiler und werde dort weiter investieren.