Rheinpfalz
Rodalben: Klosterschwestern suchen Helfer für Bäckerei in Peru
Gerade zum Jahresende angekommen, bereiten sich die Ordensschwestern Luciana (85), Tante des Rodalber Arztes Wolfgang Hennes, und ihre Begleiterin, Schwester Doris (62), als Novizenmeisterin zuständig für die Ausbildung der Ordensanwärterinnen, schon wieder auf den Abschied vor. Zu gerne würden sie in der Gewissheit zurückkehren, von hier weltliche Verstärkung für ihre Bäckerei zu bekommen.
Wenn sie am kommenden Sonntag Rodalben wieder verlassen und von München aus nach Peru fliegen, hoffen sie, einen jungen Mann oder eine junge Frau gefunden zu haben, um in einem Freiwilligen Sozialen Jahr unter Anleitung als Bäcker oder Konditor in der Kloster-Bäckerei mitzuarbeiten. Ein personeller Ausfall hat zum Engpass geführt, der so bald wie möglich überwunden werden soll. Denn die Bäckerei erwirtschaftet Gewinne, die gebraucht werden zur Unterstützung des Kinderheimes, in dem die Schwestern tätig sind.
Die Mitte der Welt der Anden
Einsatzort wäre nahe Abancay, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Zentral-Peru. 200 Kilometer weiter nördlich liegt Cusco, eine der wichtigsten Touristenstädte Perus, die „Mitte der Welt der Anden“, 3460 Meter hoch. „Jungen Leuten bietet sich Gelegenheit, durch Eindrücke der fremden Kultur ganz Neues zu erleben, Sinne und Geist zu öffnen“, sagt Schwester Doris. In dieser Hinsicht haben die Ordensfrauen selbst bei ihrem Aufenthalt in Rodalben neue Erkenntnisse gewonnen. Wunderte sich Schwester Doris bei der Ankunft noch, dass die Laubbäume jetzt keine Blätter tragen, weiß sie nun, dass die Blätter im Frühjahr wiederkommen und die Bäume nicht wie laublos gewordene Bäume in Peru zugrunde gehen.
Die Gäste der Familie Hennes gehören dem Orden „Hermanas de la Divina Providencia de Maguncia“ an, der der Kongregation der „Schwestern von der Göttlichen Vorsehung“ abstammt, einem Orden mit Schwerpunkten auf dem Schul- und Krankendienst. Wilhelm Emmanuel von Ketteler, Bischof von Mainz, hat ihn 1851 gegründet. Schwester Luciana verließ das Mainzer Mutterhaus 1961 in Richtung Peru, wo sie ihre Lebensaufgabe antrat.
Anfangs, berichtet die Ordensfrau, sei das hauptsächliche Ziel gewesen, „das Krankenhaus zu retten“, das der Staat Peru schließlich mit „Hilfe der Regierung Adenauer neu gebaut“ habe. Das Krankenhaus beherbergte zu dieser Zeit auch Waisenkinder. Weil sich der Bedarf an Plätzen erhöhte, habe die Pfarrei Gelände zur Verfügung gestellt, um ein Kinderheim zu errichten. Nach der Fertigstellung wechselte Schwester Luciana als Erzieherin dorthin.
Kindern Heim und Chancen bieten
Was sie aus ihrem Erfahrungsschatz berichtet, macht betroffen. Es sei aufgefallen, dass kranke Kinder keinen Besuch bekamen, dass sich niemand um blinde oder gelähmte Kinder kümmerte. Für die Not der Kinder nennt sie viele Gründe: Infektionen und hohe Müttersterblichkeit vor allem, Prostitution von Müttern bei völliger Vernachlässigung der Kinder, Überforderung der Väter nach dem Tod der Mutter.
So sei ein Mädchen als Säugling, in Lumpen gehüllt, gefunden worden und bis zu seinem 18. Lebensjahr bei den Schwestern geblieben. Ein anderes Kind einer behinderten Mutter habe die Polizei „im Fluss entdeckt“. Schwester Luciana erinnert sich auch an einen Vater von vier Kindern, der nach dem Tod seiner Frau das kleinste Kind ins Heim gebracht habe, weil er es in seinem Zuhause „nicht mehr unterbringen und auch nicht für die Ernährung sorgen konnte“. Zurzeit betreue das Heim 32 Kinder, die eine Grundschule (sechs Jahre) und eine Sekundarschule (fünf Jahre) besuchen können, um danach den Weg in die Arbeit oder ins Studium zu gehen.
Spenden fürs Heimdach
Birgit Hennes-Wallach, die zusammen mit ihrem Mann schon zweimal in Peru war, weiß um den Erfolg dieser Arbeit: „Obwohl die Familie nicht funktioniert, bahnt das Heim den Kindern den Weg in eine selbstständige und sichere Zukunft.“
Wer die Schwestern unterstützen will, findet Gelegenheit dazu in der Arztpraxis in der Dr.–Lederer-Straße 5 oder in der Praxis für Physiotherapie im Saturnring 17 c, wo in Sparschweinen Spenden gesammelt werden. Von dem Geld sollen die Reparatur des Dachs des Kinderheims und Schulmaterialien bezahlt werden.