Rheinpfalz „Revival“ der Gemeindeschwester in Sicht?

Hausärzte werden in ländlichen Gegenden zunehmend zum Auslaufmodell. Mit drastischen Folgen, vor allem für chronisch kranke Menschen und Alte. Das wurde bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Die Zukunft der ärztlichen Versorgung“ diese Woche in Ramstein deutlich.
Mehr als die Hälfte der 2716 Hausärzte in Rheinland-Pfalz sind 55 Jahre, gut 30 Prozent sogar 60 und älter. Gehen sie in den Ruhestand, müssen sie ersetzt werden, um das Niveau der hausärztlichen Versorgung stabil zu halten. Doch genau das ist das Problem, denn immer weniger Mediziner zieht es aufs Land. „Das Thema ist brandaktuell, auch in Ramstein-Miesenbach“, sagte CDU-Landtagsabgeordneter Marcus Klein, der die Veranstaltung eröffnete. „Wir dürfen nicht warten, was auf uns zukommt, sondern müssen Vorbereitungen treffen.“ Wie groß die Herausforderung sein wird, stellte Gastreferentin Sigrid Ultes-Kaiser in ihrem Vortrag klar. „Der Nachwuchsmangel betrifft nicht nur die Hausärzte, auch Fachärzte haben einen starken Nachbesetzungsbedarf“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. „Vor allem Chirurgen, Nervenärzte, Psychotherapeuten, Augenärzte und Urologen werden künftig mehr denn je gefragt sein.“ Denn die Zahl betagter Menschen nehme stetig zu und mit ihr der Behandlungsbedarf. Parallel dazu strebe ein Heer an Ärzten dem Ruhestand entgegen, so Ultes-Kaiser. Und der Mediziner-Nachwuchs scheue zunehmend das Risiko einer eigenen Praxis – gerade auf dem Land. „Außerdem hat die nachrückende Generation keine Lust auf eine 80-Stunden-Woche. Sie möchte nicht Familie und Freizeit hinten anstellen. Daher werden künftig wahrscheinlich drei Ärzte notwendig sein, um zwei niedergelassene zu ersetzen.“ Werde nicht rechtzeitig gegengesteuert, drohe ein massiver Versorgungsengpass. Diesen gelte es, mit allen Mitteln abzuwenden, unterstrich der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Peter Enders. „Wir müssen etwas tun, um das Interesse an der Allgemeinmedizin schon während des Studiums zu wecken.“ Denn die klassische Hausarztpraxis solle erhalten bleiben. Gleichzeitig räumte er ein, dass man in manchen Gegenden notgedrungen über Alternativen nachdenken müsse. „Wie etwa über Versorgungszentren mit angestellten Ärzten, die geregelte Arbeitszeiten haben und das finanzielle Risiko nicht mehr selbst tragen.“ Das bedeute zwar für die Patienten längere, aber durchaus zumutbare Anfahrten. Dem pflichtete auch Ultes-Kaiser bei. „Die durchschnittliche Entfernung zur nächsten Hausarztpraxis beträgt im Landesdurchschnitt knapp eineinhalb Kilometer. Dieser Komfort wird nicht überall zu halten sein.“ Um zumindest einen Mittelweg zu finden, gelte es, die Niederlassung auf dem Land durch gezielte Imagekampagnen attraktiver zu machen. Parallel dazu müsse man weitere Möglichkeiten der medizinischen Versorgung in Erwägung ziehen. So strebe die KV Filialpraxen an, „aber auch die früher gängige Gemeindeschwester könnte durchaus ein Revival erleben“. Sorgenvoll äußerte sich auch Bürgermeister Klaus Layes aus Ramstein-Miesenbach: „Zum Facharzt gehen die meisten Menschen dort, wo sie arbeiten. Das kommt dem Einzelhandel zugute. Brechen die Praxen weg, wird das auch in dieser Hinsicht spürbare Folgen haben und zu einem Ausbluten der ländlichen Regionen führen“, befürchtet Layes. (juf)