Rheinpfalz Plötzlich ist es doch eine Übung

Eine überraschende Wendung hat die Suche nach Erklärungen für die Hubschraubertiefflüge, die am 22. und 23. Mai die Bürger Mittelbrunns aufgeschreckt hatten, genommen. Wie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landstuhl, Peter Degenhardt (CDU), mitteilt, hat ihm der Kommandeur der US-Army Garnison Rheinland-Pfalz, Colonel Keith Igyarto, eröffnet, dass es sich bei den Tiefflügen an den genannten beiden Tagen um eine Übung der Hubschraubereinheit aus Ansbach zusammen mit der Polygone-Station Bann/Oberarnbach gehandelt habe.
Bisher war in Verlautbarungen der US-Army und auch des deutschen Luftfahrtamtes der Bundeswehr immer gesagt worden, die betreffenden Hubschrauber seien lediglich auf einem Flug von Ansbach nach Baumholder gewesen. Das Luftfahrtamt hatte die tiefen Überflüge über Mittelbrunn und auch anderen Gemeinden damit erklärt, dass die Hubschrauber vor dem Einfliegen in den Luftraum über Baumholder wahrscheinlich Warteschleifen absolvieren mussten. Das wurde jedoch nur gemutmaßt. Das Bundesverteidigungsministerium hingegen hatte der SPD-Bundestagsabgeordneten Angelika Glöckner in einem Schreiben vom 17. Juli bestätigt, dass die Hubschrauber Warteschleifen geflogen seien (wir berichteten). Da wurde nicht mehr gemutmaßt. Vielmehr ist in dem Schriftstück von einer „intensive(n) Untersuchung“ der Tiefflüge von US-Hubschraubern durch das Luftfahrtamt die Rede. „Diese Auskunft“, so Degenhardt, „scheint nicht korrekt gewesen zu sein.“ Dies sei „gelinde gesagt seltsam“. Die Erklärung Igyartos, es habe sich um eine Übung der Polygone-Station gehandelt, sei eine wesentlich nachvollziehbarere Erklärung für das Verhalten und die Flugmuster der Hubschrauber, auch wenn es bisher keine bekannten Präzedenzfälle für Übungen der Polygone-Station mit Helikoptern gegeben habe und dies den Vorgang an sich nicht besser mache. In seinem Schreiben an Degenhardt weist Keith Igyarto darauf hin, dass die besagte Übung in Übereinstimmung mit den in Deutschland gültigen Bestimmungen durchgeführt worden sei. Des Weiteren bedauert Keith Igyarto, dass es seitens der US-Stellen keine Vorabinformation über diese Übung gegeben habe. Der Kommandeur der US-Army gesteht ein: „Unfortunately, we did not adequately share the information regarding this training mission with our German partners at the state, county or community levels to make you and your citizens aware in advance of this significant disturbance to your daily lives (Unglücklicherweise haben wir die Informationen bezüglich dieser Trainingsmission mit unseren deutschen Partnern auf Landes-, Kreis- und Gemeindeebene nicht hinreichend genug geteilt, um sie und ihre Bürger vorab über diese bedeutsame Störung ihres alltäglichen Lebens aufmerksam zu machen).“ Das solle so nicht mehr vorkommen. Zukünftig werde man darauf achten, über derartige Flugaktivitäten die Betroffenen vorab zu unterrichten, heißt es in der Erklärung des Kommandeurs der Army Garnison im Land weiter.