Rheinpfalz Nur noch Bio-Urnen erlaubt

Auf dem Herschberger Friedhof wird ein neues Urnengrabfeld ausgewiesen, das Bestattungen ähnlich denen in einem Ruhewald ermöglicht: ohne Grabeinfassungen und Grabsteine. Das beschloss der Rat am Donnerstag. Außerdem sind zukünftig in Herschberg bei Urnenbeisetzungen nur noch sogenannte Bio-Urnen, also biologisch abbaubare Urnen, zulässig.
Über diese Punkte, die in die einstimmig abgesegnete neue Friedhofssatzung einflossen, herrschte Einigkeit im Rat. Auslöser für die Veränderungen sei gewesen, sagte Bürgermeister Manfred Biedinger, dass es einen Sterbefall im Ort gegeben habe, über den die Ortsgemeinde nicht informiert war. Davon erfahren habe man erst, als das Urnengrab bereits ausgehoben gewesen sei. Warum es keine Information gab, „das lässt sich nicht mehr nachvollziehen“, sagte Biedinger. Zukünftig müsse so etwas vermieden werden, die Verwaltung müsse die Ortsgemeinde informieren, war sich der Rat einig. Im Zuge dieses Falles habe es einige Gespräche gegeben, die aufgezeigt haben, dass die Gemeinde einiges ändern müsse. Am wichtigsten sei, dass künftig nur noch Bio-Urnen verwendet werden, die im Laufe der Liegezeit – aktuell 30 Jahre – verrotten. Urnen aus Metall, die derzeit genutzt würden, tun das nicht. Laufe die Ruhefrist ab, müssten diese entsorgt werden. „Und in Deutschland dürfen sie nicht an Angehörige zurückgegeben werden“, sagte Biedinger. Üblich ist in diesen Fällen Asche verstreuen, Urne wegwerfen oder zerstören. Das soll mit den Bio-Urnen vermieden werden. Es habe sich auch gezeigt, verdeutlichte Biedinger, dass die Nachfrage nach weniger pflegeintensiven Bestattungsarten steige. Dem will die Gemeinde Rechnung tragen. Ausgewiesen wird ein Urnengrabfeld, auf dem nur noch Metallplatten darauf hinweisen, wer dort begraben liegt. Eingelassen werden diese Urnengräber in ein Rasenfeld, das der Gemeindearbeiter problemlos mähen kann. Wo genau dieses Feld angelegt wird, wird der Rat noch bei einem Vor-Ort-Termin entscheiden. Im Zuge dieser Veränderungen muss der Rat auch die Friedhofsgebühren ändern, um beispielsweise die Kosten für die Bestattung im geplanten Feld festzulegen. Noch sei der Haushalt nicht genehmigt, aber es sei schon bekannt, teilte der Bürgermeister dem Rat mit, dass die Kommunalaufsicht wieder darauf hinweise, dass die erhobenen Gebühren im Friedhofsbereich nicht kostendeckend seien. 2012 waren diese zuletzt angehoben worden. In der kommenden Sitzung wird sich der Rat mit den Gebühren befassen. Keine Zuschüsse vom Bund Im Doppelhaushalt 2015/16 war, wie berichtet, eine große Summe eingestellt, um der Gemeinde gegebenenfalls die Teilnahme am Förderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ zu ermöglichen. Das habe sich erledigt, Herschberg sei deutlich signalisiert worden, dass es keine Chance auf eine Förderung habe, sagte Biedinger. Den ersten Grundsatzantrag hatte die Gemeinde gestellt, nachdem aus Berlin signalisiert worden war, dass die in Herschberg geplanten Maßnahmen förderfähig seien. In das mit gut 1,7 Millionen Euro veranschlagte Investitionspaket – vom Bund sind Zuschüsse bis 90 Prozent in Aussicht gestellt – war die grundlegende Sanierung der Bürgerhalle, die Einrichtung eines sozialen Zentrums dort sowie die Sanierung und teilweise Umgestaltung des Kindergartengebäudes in ein Zentrum für betreutes Wohnen eingestellt. Zwei Tage, bevor das Projekt genauer skizziert in die zweite Antragsphase gehen sollte, sei von der VG mitgeteilt worden, dass das Land Rheinland-Pfalz nicht der Auffassung sei, dass dieses Projekt im Rahmen des Bundesprogrammes förderfähig sei und daher den Antrag nicht weiterreichen könne. „Damit hatten wir fast schon keine Chance mehr, wenn uns das Land nicht unterstützt“, sagte Biedinger. Das Land habe signalisiert, dass sich das Förderprogramm vornehmlich an Städte richte. Er habe sich daraufhin noch mit dem Beratungszentrum Kobra in Landau in Verbindung gesetzt, mit dem die Gemeinde in Sachen Dorfentwicklung bereits zusammengearbeitet hat. Nachdem auch von dort signalisiert worden sei, dass die Gemeinde keine Aussicht auf Förderung habe, „können wir dieses Kapitel zuschlagen“, sagte Biedinger. Am Kindergarten müsse jetzt dennoch schnellstens etwas geschehen, war sich der Rat einig. Die Gemeinde brauche 24 Ganztagsplätze bis März. „Unser Ziel ist es, dass wir diesen Bedürfnissen der Eltern entsprechen“, fasste der Bürgermeister die Ratsmeinung zusammen. Das bedeute, dass zumindest die Stahlaußentreppe bis dahin gestellt werde (aus Brandschutzgründen) und die linke Wohnung soweit hergerichtet werde, dass der Kindergarten sie nutzen könne. Bürgerhalle Auch in der Bürgerhalle wird weiter saniert. Den Auftrag, die Lüftungs- und Steuerungstechnik zu erneuern – Kosten: 9000 Euro – hat die Gemeinde vergeben. (add)