Rheinpfalz Neue Auflagen treiben Narren um
Fasnachtsumzüge zu organisieren, war noch nie eine locker-unkomplizierte Sache. Nach den Anschlägen von Berlin und Nizza wurden die Sicherheitsauflagen nun eine weitere Stufe höher geschraubt. Zum Unmut der Karnevalisten, deren Ausgaben und Aufwand weiter steigen. Und das, obwohl in Dahn oder Rodalben deutlich weniger Sicherheitsauflagen zu beachten sein werden als beispielsweise in den Hochburgen wie Mainz und Köln.
„Wir sind kein Rock-am-Ring“, moniert der Dahner Umzugsleiter Daniel Laux die immer höher werdenden Auflagen und deren Kosten. „Wir sollen drei Lastwagen mit je einem Fahrer aus dem Hut zaubern“, nennt Laux eine der neuen Auflagen. Um eine Attacke mit einem Lastwagen in die Menschenmenge zu vermeiden, müssen die Zufahrtswege massiv blockiert werden. Andernorts werden Betonpoller in die Fahrbahn gehievt, die jedoch dann alles blockieren – auch Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr. Da aber bei einem Umzug auch ohne einen Anschlag durchaus ein Notfall eintreten kann, muss eine bewegliche Sperre her. In Dahn sollen die Zufahrtswege deshalb mit einem querstehenden Lkw blockiert werden, in dem während der Umzugszeit immer ein Fahrer präsent ist, der im Notfall schnell die Strecke freigeben kann, erklärt Laux. In Rodalben erledigt das die Feuerwehr. In Dahn wurde Laux und seinem Team von der Feuerwehr eine Absage erteilt. Die Wagen müssten für Einsätze bereitgehalten werden, sei ihm gesagt worden. Der Karnevalsverein Elwetritsche muss folglich drei Lastwagen inklusive Fahrer anmieten. „Das kostet uns 75 Euro pro Stunde ohne Mehrwertsteuer“, meint Laux nach Einholung erster Angebote. Von 11 bis 20 Uhr müsse blockiert werden. Dazu kommt eine Stunde Anfahrt. 2600 Euro müsste der Verein also allein für die Blockade der Zufahrtswege hinlegen. „Wie soll das ein normaler Verein, der sich der Brauchtumspflege verschrieben hat, schaffen?“ Laux verweist auf Ramstein, wo Polizei und Feuerwehr die Blockade erledigten. Der Verein sei in Verhandlungen mit Stadt und Verbandsgemeinde, um doch noch eine Lösung zu finden, die den Verein nichts kostet. Eine weitere Neuheit werde dem Verein einige Beschwerden einbringen, befürchtet Laux. Von 11 bis 20 Uhr ist in ganz Dahn kein Fahrzeugverkehr mehr möglich. Ausnahmen und Umleitungsstrecken wie in den Vorjahren wird es nicht mehr geben. Anwohner oder beispielsweise Beschäftigte des Conrad-von-Wendt-Hauses müssen ihre Autos außerhalb der Stadt parken. „Das wird Ärger geben“, ist sich Laux sicher. „Es muss erhöhte Sicherheitsvorkehrungen geben, gerade wegen Berlin“, betont Verbandsbürgermeister Wolfgang Bambey. Wie das im Detail aussehen wird, wollte er nicht erläutern, um eventuellen Tätern nicht noch Tipps zu geben, wie es umgangen werden könnte. Die Veranstalter von Umzügen müssten aber mehr Personal stellen. Und auch die Besucher müssten sich auf Kontrollen einstellen. Rucksäcke und Taschen würden verstärkt kontrolliert, auch im Hinblick auf jugendliche „Selbstversorger“, die sich Alkohol selbst mitbringen wollten. Ein Verbot von Rucksäcken und Taschen werde aber nicht ausgesprochen, wenn auch Bambey empfiehlt, so wenig wie möglich mitzubringen oder ganz auf Taschen zu verzichten, was den Sicherheitskräften einiges an Arbeit ersparen würde. „Sensible Punkte“ in der Stadt würden mit mobilen Videoanlagen überwacht, kündigt der Verbandsbürgermeister weiter an. Dazu kaufe die Verbandsgemeinde mehrere Videoanlagen, die dann später auch anderweitig genutzt werden könnten. Rund 10.000 Euro werde dies kosten. Wo genau die Videoüberwachung installiert werde und wie viele Anlagen im Einsatz sein werden, wollte Bambey nicht verraten. „Wir werden wieder drauflegen“, ist sich Lorenz Ganter vom Carnevalsverein Rodalben sicher. Kosten für die Straßensperre kommen auf die Rodalber nicht zu, da hier die Feuerwehr die Zufahrten blockieren will. Allerdings müssen mehr Sicherheitsmitarbeiter engagiert werden, die für Ordnung an der Strecke sorgen. Früher waren zwei bis drei ausreichend. Jetzt müssten es fünf sein. Weitere Auflagen könnten folgen, falls eine Besprechung mit der Polizei dies ergibt, zeigt sich Ganter noch vorsichtig. Bei der Polizei hingegen herrscht keine Hektik in Bezug auf die Faschingsumzüge. „Wir haben ein gewisses Augenmerk auf die Umzüge, aber keine Hinweise auf Probleme“, berichtet Martin Sema, Sprecher der Pirmasenser Polizeidirektion. Zusätzliche Beamten der Bereitschaftspolizei werden nicht im Einsatz sein. „Die sind alle in Mainz.“ Die Pirmasenser Polizei werde die Veranstaltungen mit dem normalen Personal stemmen. Die eingesetzten Beamten würden auch keine Maschinenpistolen tragen. „Wenn es Erkenntnisse gibt, dass das aber doch nötig ist, wird es natürlich auch Doppelstreifen mit entsprechend stärkerer Bewaffnung geben“, so Sema. Spezielle Kontrollen der Umzugswagen seien nur stichprobenartig vorgesehen, versichert Sema. „Wir gucken, dass wir gut aufgestellt sind.“ Beamte, die sich jetzt noch freinehmen wollten, hätten da schlechte Karten. Eine richtige Urlaubssperre werde es aber auch nicht geben. Die Hauptarbeit für die Sicherheit liege ohnehin bei den Verbandsgemeinden und Straßenmeistereien.