Kultur Südpfalz Mit Lässigkeit und Herz

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Im Hof des Weinguts August Ziegler swingen vier Profimusiker unter Rebbögen im Abendlicht. Das Ensemble Jaworek-Reinhardt hat nicht nur traditionsreichen Swing im Stil des legendären Django Reinhardt im Programm. Die Gruppe mit dem Geiger Bodo Jaworek, dem Gitarristen Lolo Reinhardt und dessen Sohn Jerome Django sowie dem Bassisten Ralf Müller spielt auch Folkloristisches sowie Tanz- und Unterhaltungsmusik.

Schon einmal seien die Sinti-Musiker im Maikammerer Bürgerhaus zu Gast gewesen, erklärt Verbandsgemeindebürgermeister Karl Schäfer. Da das Konzert damals begeistert aufgenommen worden sei, habe man sich zu einer Neuauflage im Weingut Ziegler entschlossen, wo so erstmals samstagabends eine Veranstaltung für die Ortsgemeinde stattfinde. „Sonst haben wir immer ein Jazzfrühstück im Freien unter dem Motto ,Jazz im Weingut’ organisiert. Es freut uns, dass die Ortsgemeinde Weingüter für Kulturveranstaltungen mit ins Boot nimmt und diese Veranstaltung so gut besucht ist“, erklärt Mitgeschäftsführer Uwe Ziegler. Da sich die Gäste während der musikalischen Aufführung unterhalten und die kulinarischen Angebote aus dem Weinkeller und des Edenkobener „Gaumenfreunde-Caterers“ genießen, gerät die Musik zeitweise in den Hintergrund. Doch gibt es immer wieder verdienten Applaus für gute Soli, mit denen sich jeder Musiker bereits beim ersten Stück eindrucksvoll vorstellt oder für die eine oder andere besonders temperamentvolle Einlage. Mal schlagen, zupfen und tremolieren die Gitarren mit dem vollmundigen, engagierten Bass allein um die Wette. Dann wieder werden sie von Geiger Jaworek zu einer klangvoll-melodischen Einheit virtuos ergänzt. Das Spiel des Ensembles geht ins Ohr, zeugt von routiniertem, eingespieltem Können. Ins Spiel versunken liefern die Musiker auf ihren ebenso einfachen wie funktionalen Weinkistenhockern auf der Weinpaletten-Bühne so eingängige Titel wie „Amor, Amor“ oder ein langsam rhythmisches „Made for Wesley“ ab. In der Pause werden unter den aufmerksamen Blicken der Besucher weitere Sinti-Ankömmlinge vom Ensemble begrüßt, die anschließend ebenfalls der Aufführung nahe der Bühne lauschen. „Wir stellen unser Programm individuell zusammen, sind als Berufsmusiker zu den unterschiedlichsten Engagements unterwegs“, erklärt Lolo Reinhardt. So komme es auch zu den aufbereiteten Stücken aus stilistisch anderen Bereichen als der Gypsy-Musik. Doch Sinti-Musik spielen die Musiker aus der Django-Reinhardt-Nachfolge am liebsten. Nicht fehlen durfte daher der alte Django-Reinhardt-Standard „Minor Swing“. Ein „Undecided“ aus den 1930er-Jahren wird rein instrumental mit einigen melodieumspielenden, solistischen Einlagen interpretiert. Jerome Django Reinhardt gehen die Läufe des Sinti-Swing bewundernswert leicht von der Hand, Müller ackert mit seinem Bass in unermüdlicher Beharrlichkeit durchs Repertoire. Mit „Vive la France“ kündigt Jaworek lächelnd die Sinti-Hymne „Douce Ambiance“ an, die die Gäste begeistert aufhorchen lässt. Die Auswahl trägt individuell den verschiedenen Interessen der Besucher Rechnung. Für die einen ist sie plätschernde Hintergrundmusik, für andere die immer wieder sonderapplauswürdige Darbietung von Profimusikern, vorgetragen mit Lässigkeit und Herz für ihre Musik.

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