Rheinpfalz Mit Fleiß zu kunsthandwerklichen Ehren
Der Edelsteinschleifmeister Frank Schumacher aus Otterberg hat den Förderpreis für das Kunsthandwerk der Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz im Edelsteinschleifen verliehen bekommen. Wie viel Fleiß dahinter steckt, verrät der 28-Jährige im persönlichen Gespräch.
„Schon als kleiner Junge habe ich mich für Mineralien begeistert“, erzählt Schumacher lächelnd und zieht einen kleinen Koffer mit Edelsteinen aus seiner Tasche. Das Glitzern und Funkeln der Steine lässt sich direkt in seinen Augen wiedererkennen. Jeder Edelstein ist fein geschliffen und individuell. Spätestens jetzt wird deutlich, dass Schumacher sein Handwerk beherrscht. Das Edelsteinschleifen ist ihm durchaus in die Wiege gelegt. Fast sein Leben lang begleitet ihn das Handwerk schon. Während andere mit Legosteinen spielten, suchte er im zarten Alter von sieben Jahren bereits Edelsteine auf dem Acker und bearbeitete sie zu Hause mühsam mit Schmirgelpapier. „Die ersten Steine, die ich geschliffen habe, waren Achate“, schwelgt er in Erinnerung. Mit 15 hat er sich seine erste Schleifmaschine gekauft und nach der Schule hin und wieder fleißig geübt. Der Preis, für den vier seiner fünf Werke nominiert wurden, ist nicht die erste Auszeichnung. Bereits 2010 gewann er den Deutschen Nachwuchswettbewerb für Edelstein- und Schmuckgestaltung in Idar-Oberstein. Darauf folgten weitere Siegertitel. Eine beachtliche Leistung in wenigen Jahren. Doch der junge Edelsteinschleifer wirkt völlig bescheiden. Seit Anfang März ist Schumacher selbstständig und hat ein Atelier in Otterberg gegründet, um eigene Ideen umzusetzen. Auf die Frage, ob er ein unternehmerisches Vorbild habe, antwortet er: „Ich finde es wichtig, keine Vorbilder zu haben, denen man nacheifert. Es ist nichts unmöglich, man muss nur anders denken als die anderen.“ Individualität hat für ihn hohen Stellenwert. Das scheint in der Familie zu liegen, denn seine jüngere Schwester arbeitet als Fotografin. Viele Kreationen zeichnen sich durch einzigartigen Schliff aus. Für so einen Schliff benötigt Frank Schumacher sieben Stunden im Durchschnitt. Er erklärt, dass er für dieses filigrane Handwerk nicht nur feinmotorisches Geschick und gute Augen, sondern auch sehr viel Geduld haben muss. Besonders bei Skulpturen braucht er, wie er es nennt, „gutes Sitzfleisch.“ In der Ausbildung investierte der Edelsteinschleifer viel Liebe und Zeit in das Schleifen der kostenintensiven Mineralien. Anfangs habe er sich im Alter von 20 einen Großteil des Handwerks mit Hilfe von Fachliteratur selbst beigebracht, sodass er zu Beginn der Ausbildung im Hunsrück in der Lage war, Steine zu schleifen, die normalerweise ein gelernter Schleifer zum Bearbeiten bekommt. Durch sein großes Interesse an dieser Arbeit hat er bereits während der Ausbildung mehrere internationale Preise erlangen können. Dies war allerdings nur möglich, weil er zu Hause schleifen und somit seine eigenen Ideen umsetzen konnte. An seinem damaligen Ausbildungsplatz war das nicht möglich. Im Jahr 2012 schloss Frank Schumacher eine Weiterbildung im Bildungsgang Gemmologie (Wissenschaft von Edelsteinen) und Diamantenkunde ab. „Es gibt nicht mehr viele Leute, die diesen Beruf erlernen“, weiß er. Auch in seiner Freizeit begleitet ihn das Handwerk. Kein Tag vergeht, an dem er sich nicht mit Edelsteinen beschäftigt. Wenn er nicht gerade in seinem Atelier am Werken ist, sucht er seine Steine auch selbst und reist daher viel durch Mitteleuropa. Ansonsten ist Frank Schumacher gerne sportlich und viel in der Natur unterwegs. Radfahren und Bergsteigen stehen ganz oben auf dem Programm. Und wenn der 28-Jährige nicht gerade einen Berg erklimmt, dann klettert er die Karriereleiter immer weiter hoch, denn mit dem kürzlich erworbenen Förderpreis haben sich letztlich die harte Arbeit und die investierte Zeit gelohnt. |hnp