Rheinpfalz „Mit 70 bin ich nicht mehr in der Firma“

Der Schuhunternehmer Carl-August Seibel feiert morgen seinen 60. Geburtstag
Der Schuhunternehmer Carl-August Seibel feiert morgen seinen 60. Geburtstag

«HAUENSTEIN.» Als Carl-August Seibel vor 35 Jahren als Junior in die Schuhfabrik seines Vaters Josef einstieg, produzierte der Familienbetrieb mit rund 200 Mitarbeitern überwiegend Sandalen, aber auch Herren- und Kinderschuhe in Hauenstein und einem Zweigbetrieb in Gossersweiler und vertrieb die Schuhe nahezu ausschließlich in Deutschland. Heute stellt die Josef Seibel GmbH als global player weltweit fünf Millionen Paar Schuhe her und generiert damit einen Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro. Am morgigen 1. Mai feiert Geschäftsführer Carl-August Seibel seinen 60. Geburtstag.

Carl-August Seibel ist der Urenkel von Karl-August Seibel, der zusammen mit seinem Bruder Anton 1886 die erste Schuhfabrik in Hauenstein gegründet hatte. Josef Seibel, der Enkel des Gründers und Vater des Geburtstagskindes, machte sie in den 50er und 60er Jahren groß und lotste sie vor allem auch durch die große Rezession der deutschen Schuhindustrie in den 70er Jahren. Da war der heutige Geschäftsführer noch Schüler –„kein guter und kein sehr fleißiger“, wie er heute sagt – in Dahn und am Eduard-Spranger-Gymnasium Landau, wo er 1977 das Abitur bestand. „Und danach wusste ich eigentlich gar nicht, was ich tun sollte“, berichtet er. Und so nahm ihn Vater Josef als „personal assistant“ in den Betrieb, wo Carl-August in alle Bereiche des Schuhmachens reinschnupperte und auch zu Lieferanten und Kunden mitfuhr. „Ich merkte: Das könnte meins sein“, sagt er. So war das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der damals gerade gegründeten Fachhochschule Ludwigshafen, die ihm „sympathischer als eine anonyme Uni“ erschien, der folgerichtige Schritt. „Und es machte echt Spaß“, blickt er auf die Studienzeit zurück. Danach freilich gab’s ein Intermezzo abseits der Betriebswirtschaftslehre: Der damals 21-monatige Ersatzdienst stand an. Die Rund-um-die-Uhr-Betreuung von Schwerstbehinderten sei „zwar brutal hart, aber eine wichtige Lehre fürs Leben“ gewesen. Einen Tag nach dem 25. Geburtstag stieg er dann in den väterlichen Betrieb ein: „Ich musste mich in alle praktischen und kaufmännischen Bereiche einarbeiten.“ Und dabei habe er „ein Gespür für Schuhe“ entwickeln können. Bald hinterlässt er Spuren im Betrieb: Ein erster IBM-Computer wird angeschafft und entsprechende Software eingeführt. „Die Maschine füllte ein halbes Zimmer“, erinnert er sich an die Anfänge des Computerzeitalters bei Josef Seibel. Und die Produktion wurde umgestellt: „Ich wollte weg von den Sandalen und von den Kinderschuhen.“ Die Firma konzentrierte sich künftig auf handwerklich gemachte, sportliche Komfortschuhe für den Herrn. Und seit Anfang der 90er Jahre auf Damenschuhe: „Sie haben uns die Märkte in Übersee geöffnet“, sagt Carl-August Seibel heute. Damit geht dann auch die Internationalisierung der Produktion und des Vertriebs einher. Über ein Joint Venture wurden Seibel-Schuhe in Csenger in Ungarn produziert, heute kommen sie aus eigenen Betrieben in Bulgarien und Albanien und aus Partnerbetrieben weltweit. Dort stellen einige Tausend Mitarbeiter Schuhe her. Für die Seibel-Gruppe selbst, unter deren Dach unter anderem die Marken Josef Seibel, Romika, Gerry Weber und Tizian high Fashion zuhause sind, arbeiten 650 Mitarbeiter. Ihre Produkte finden Kunden in Großbritannien, in den USA und Kanada ebenso wie beispielsweise in China und in den Emiraten. Wie es weitergeht? „Da ist noch alles offen“, sagt Seibel. „Natürlich mache ich mir Gedanken.“ Beispielsweise darüber, ob eines seiner vier Kinder die Nachfolge als Seibel-Chef antreten wird. „Aber das muss man wollen“, ist sich Seibel sicher. Und sicher sei er auch: „Mit 70 bin ich nicht mehr in der Firma.“ Außer der Firma hat „de CA“, wie in Hauenstein gerne genannt wird, ja einiges zu bewältigen: Er ist Vorsitzender des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie, eine „durchaus zeitintensive Aufgabe“, wie er feststellt. Nicht weniger zeitintensiv ist die Aufgabe, die er im vergangenen Jahr im Deutschen Schuhmuseum übernommen hat. Dort ist er Stiftungsvorstandsvorsitzender: „Seit ich erlebe, welchen Aufwand die Aufgabe verlangt, ist mein Respekt vor der Leistung meines Vorgängers Willy Schächter noch gestiegen.“ Nicht nur für das Museum gelte: „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es zu hundert Prozent und mit Herzblut“, kommentiert er auch die 20 Jahre als Präsident des SC Hauenstein, dessen Vorsitz er im vergangenen Jahr abgab. Dem Verein aber bleibt er als „Zuschauer und Sponsor“ erhalten: „Es ist gut so, wie die neue Mannschaft den Verein führt. Wenn sie mich brauchen, dürfen sie anrufen.“ Nicht zuletzt ist Seibels soziales Engagement zu erwähnen: Jährlich stellt er der „Aktion Afrika“ unentgeltlich Schuhe zur Verfügung, die sie beim Weihnachtsmarkt verkaufen und so ein wichtiges finanzielles Fundament für ihre Projekte in Kenia und Tansania schaffen kann. Wenig bekannt ist dies: Derzeit finanziert er zusammen mit einem Freund und über die Organisation „Fly and Help“ den Bau einer Schule bei Mombasa.

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