Rheinpfalz Medizinisches Versorgungszentrum in Wolfstein?

Einen kleinen Lichtblick gab es bei der Diskussion zum Thema hausärztliche Versorgung am Dienstag in Wolfstein: Gregor Mainzer, der kaufmännische Leiter und Prokurist des Medizinischen Versorgungszentrums Conmedico in Meisenheim, berichtete, dass man die Praxis von Gerd Schworm für ein Medizinisches Versorgungszentrum erwerben wolle und bereits mit drei Ärzten Gespräche führe, die bereit seien, dort zu arbeiten.
Zu der Bürgerversammlung hatten die CDU-Landtagsabgeordnete Marlies Kohnle-Gros und Michael Rittel, der Initiator der Aktion „Ärzte für Wolfstein“, eingeladen. Mehr als 130 Zuhörer ließen sich von den Vertretern auf dem Podium informieren und stellten kritische Fragen. Als „hochkarätiges Podium“ stellte Kohnle-Gros die vier Experten vor, die zu dem Problem Stellung nahmen. Den Anfang machte Sigrid Ultes-Kaiser, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. „Die Bevölkerung wird umdenken müssen“, war eine ihrer Thesen. Denn der heutige Standard der medizinischen Versorgung sei vor allem in den ländlichen Gebieten nicht mehr zu gewährleisten. Als ein Argument nannte sie die Zahl der Arzt-Patientenkontakte pro Jahr. Mit 18 Arztbesuchen stehe Deutschland weltweit an der Spitze. Vom Arzt werde oft auch eine seelsorgerliche oder soziale Betreuung erwartet. Aber Möglichkeiten für die ärztliche Versorgung seien zum Beispiel Bereitschaftsdienstzentralen oder der Zusammenschluss mehrerer Ärzte in einer „Filialpraxis“. Susanne Strüder vertrat als Referentin für Gesundheit und Pflege die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Sie verwies auf die immer noch geltende Statistik, nach der der Kreis Kusel eine ärztliche Überversorgung von 110,17 Prozent aufweist, so dass keine weiteren Hausärzte zugelassen werden. Diese Zahl gelte aber, wenn überhaupt, nicht für alle Teile des Kreises. Außerdem müsse man berücksichtigen, dass in den nächsten Jahren einige Ärzte aus Altersgründen ihre Tätigkeit beendeten. Die Aufgaben der Krankenhäuser als Teil der medizinischen Versorgung erklärte Reiner Beck, Geschäftsbereichsleiter des Westpfalz-Klinikums in Kusel. Sie seien vor allem für die stationäre Aufnahme zuständig und könnten nur eingeschränkt ambulant tätig werden. Als mögliche Perspektiven nannte Beck ein „verzahntes Modell“ bei der fachärztlichen Ausbildung, die nicht nur am Krankenhaus, sondern teilweise auch bei niedergelassenen Ärzten erfolgen könne. In der Werbung für den Beruf des Arztes sehe das Westpfalz-Klinikum eine wichtige Aufgabe. Beck erläuterte, es gebe immer mehr Ärztinnen, die verstärkt Teilzeit arbeiteten. Außerdem nähmen ausländische Ärzte zu, da jährlich etwa 2500 in andere Länder ab-, aber gleichzeitig 35.000 zuwanderten. „Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sind die Kommunen gefordert.“ Mit diesem Satz leitete Karl-Heinz Schoon, Bürgermeister von Schönenberg-Kübelberg und Vorsitzender der Kreisgruppe des Gemeinde- und Städtebundes, seinen Vortrag ein. Der Personalmangel ist seiner Meinung nach nicht auf die medizinische Versorgung beschränkt, sondern gilt auch für andere Berufsgruppen. Wichtig sei es vor allem, die jüngere Generation in den ländlichen Gebieten zu halten. Dazu müssten Voraussetzungen wie eine hohe Mobilität, schnelles Internet und eine gute Lebensqualität geboten werden. Aus dem Publikum gab es zu jedem der Referate Fragen oder kritische Anmerkungen. Einige der Themen waren die bürokratische Belastung der Ärzte oder die Notwendigkeit eines Fahrdienstes für Patienten, denen öffentliche Verkehrsmittel nicht zur Verfügung stehen oder nicht zuzumuten sind. Kritik gab es an den mehrfach genannten statistischen Zahlen. Hier sind nach Meinung vieler Zuhörer dringend neue Erhebungen notwendig, die auch chronische Erkrankungen, Mehrfacherkrankungen und Pflegebedürftigkeit berücksichtigen. Eine „Luxusversorgung“ wie bisher konnte niemand auf dem Podium versprechen. Aber für ein gutes Gesundheitssystem gibt es berechtigte Hoffnungen. So berichtete Gregor Mainzer von Conmedico in Meisenheim von den Modellen „Verah“ (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) und „Näpa“ (nicht-ärztliche Praxisassistentin). In beiden Fällen handelt es sich um medizinische Fachangestellte mit einer Zusatzqualifikation, die den Hausarzt entlasten und Hausbesuche oder Untersuchungen übernehmen. (dhb)