Rheinpfalz
Marokkanischer Flüchtling Youness Azhari wird als bester Auszubildender ausgezeichnet
Ende 2016 kam Youness Azhari als Flüchtling nach Deutschland. Heute wird der Marokkaner, der eine Ausbildung bei Malermeister Peter Rumikewitz in St. Julian abschloss, als Jahrgangsbester seines Bildungsgangs ausgezeichnet. Sorgenfrei in die Zukunft blickt er deswegen aber nicht.
90 Prozent der Marokkaner, die in Deutschland Asyl beantragen, werden abgelehnt. Das erzählt Youness Azhari, der die Erfahrung selbst gemacht hat. Vor zwei Jahren und acht Monaten kam er mit der Hoffnung hierher, bleiben zu können. In Marokko sei kein gutes Leben möglich. Eine Ausbildung bot ihm die Möglichkeit, zu bleiben. In seiner Heimat hatte Azhari als Elektriker gearbeitet, in Deutschland wird die Ausbildung jedoch nicht anerkannt. Nachdem sein Asylantrag abgelehnt wurde, fing er eine Ausbildung bei Malermeister Peter Rumikewitz an. Vorerst wurde der damals 24-Jährige deswegen geduldet.
Ein Risiko, das sich gelohnt hat
Rumikewitz erzählt, er sei anfangs natürlich skeptisch gewesen. Jemanden ohne dauerhaftes Aufenthaltsrecht einstellen? Ein Risiko für den kleinen Betrieb. Aber bereits im Jahr vor dem Ausbildungsbeginn Azharis habe man vergeblich nach einem Auszubildenden gesucht. Letztendlich komme es darauf an, ob einer in die Firma passt. „Der Rest kommt von alleine“, sagt Rumikewitz.
Als dann ein Bekannter, der in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende auf dem Windhof in Kusel arbeitet, den Kontakt mit Azhari schuf, wollte man es versuchen. So begann für Azhari die zweijährige Ausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter.
Schon zu Beginn habe er verblüffend gut Deutsch gesprochen, sagt der Malermeister. Dabei besuchte Azhari nie einen Deutschkurs – er brachte sich die Sprache selbst bei. Mit viel Engagement und Eigeninitiative gelang es ihm, die Ausbildung als Jahrgangsbester seines Bildungsganges abzuschließen. Dafür wird er heute in Kaiserslautern ausgezeichnet.
Im dritten Jahr nur geduldet
Die Entscheidung, noch ein drittes Ausbildungsjahr draufzusetzen, fiel ihm nicht leicht. „Die Ausbildung wurde aus allen Richtungen blockiert“, berichtet sein Chef. Er versucht, seinen Mitarbeiter zu unterstützen, wo es geht. Die Ausbildungsbehörde verkompliziere jedoch alles sehr. Azhari spricht von Steinen, die ihm immer wieder in den Weg gelegt worden seien und seine Motivation dämpften. Ein Beispiel: Zu Beginn seiner Ausbildung erhielt er keine Ausbildungsbeihilfe. Er musste vier Monate lang allein von der Ausbildungsvergütung von etwa 400 Euro leben. Der Grund dafür: Erst nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland hat man Anspruch auf dieses Geld. „So fördert man doch nur, dass die Asylsuchenden 15 Monate lang auf dem Windhof sitzen und nichts tun“, kritisiert Rumikewitz, der wenig Verständnis für die Regelung hat.
Azhari will trotz allem mit seiner Ausbildung weitermachen. Das heißt, dass er seine Familie ein weiteres Jahr lang nicht sehen kann. Aus behördlicher Sicht sei es für ihn eigentlich sinnvoll, seine Ausbildung bereits jetzt – nach zwei Jahren – abzuschließen. Dann könne er sicher in Deutschland bleiben. Für die Dauer des dritten Ausbildungsjahres wird der Marokkaner lediglich weiterhin geduldet.
Azhari und sein Chef können angesichts der Situation nur den Kopf schütteln. Schließlich müsse man es doch fördern, wenn sich jemand integrieren will, sagt der Malermeister.