Rheinpfalz Mannheim: Krimskrams aus Parallelwelten

Was das Herz begehrt: Der „Elbenwald“-Laden in den Mannheimer Quadraten ist ein Paradies für Nerds.
Was das Herz begehrt: Der »Elbenwald«-Laden in den Mannheimer Quadraten ist ein Paradies für Nerds.

Unterwegs im Mannheimer „Elbenwald“-Geschäft zwischen Pixelschwertern und Hogwarts-Socken – Fanartikel aus Fantasy-Filmen

Eigentlich sollte das hier ein nüchterner Bericht über das „Elbenwald“-Geschäft werden, das vor Kurzem in den Mannheimer Quadraten (O 7,9) eröffnet hat. Doch dann sah sich die Schreiberin dieser Zeilen mit unüberwindbaren Problemen konfrontiert. Erstens teilten die Köpfe hinter dem fantastischen Krimskramsladen ihr mit, dass sie in der stressigen Vorweihnachtszeit leider keine längeren Pressegespräche führen können. Und zweitens hat sie im Dienste der Recherche einen Selbstversuch gewagt, was kontraproduktiv war: Beim Stöbern in der Oase der Versuchung ging ihr nämlich die professionelle Distanz verloren – aber mal so richtig. Deshalb gibt es jetzt nur ein paar spärliche Fakten und danach subjektive Beobachtungen und Bewertungen. Die Geschichte des einstigen Online-Shops „Elbenwald“ beginnt Anfang der Nullerjahre. Damals hat die „Herr der Ringe“-Trilogie von Peter Jackson fulminante Erfolge im Kino gefeiert und das Thema Fantasy mit einem Schlag salonfähig gemacht. „Schade nur“, heißt es auf der Webseite von „Elbenwald“, dass Fans keine Möglichkeit hatten, ihre Leidenschaft für jedermann sichtbar auszuleben. Kaboom, Initialzündung! Drei Studenten nahmen sich der Sache an, starteten das Projekt „Elbenwald“ und wurden mit ihren Merchandise-Artikeln von nachgebildeten Waffen bis hin zu Fan-T-Shirts in kürzester Zeit zu den Ansprechpartnern für „Herr der Ringe“-Fans in Deutschland. Schon bald erweiterten sie ihr Universum um etliche andere Fantasy- und Science-Fiction-Welten aus Kino, Fernsehen und Computerspielen. Der Rubel rollte, irgendwann gab es die ersten analogen Läden – und einer von der Sorte hat nun eben in Mannheim eröffnet.

Laden ist brechend voll

Für Menschen, die weder Fans noch Nerds sind, mag die Vorstellung verstörend sein da einen Laden zu haben, in dem es nichts als Krimskrams und wahnwitzige Artikel aus Parallelwelten gibt, die in der „wahren Welt“ doch arg deplatziert wirken. Wer aber glaubt, es handele sich dabei um einen Schlupfwinkel für wenige Verwirrte, sollte mal an einem Samstagmittag den Realitäts-Check machen und sich dort hineinwagen. Gut möglich, dass er es nicht durch die Eingangstür schafft, weil der Laden so brechend voll ist. Übrigens nicht nur mit Schulkindern, die in der „Harry-Potter“-Abteilung stöbern, oder Teenies, die beim Anblick von „Batman“-Lederjacken feuchte Augen kriegen. Da sind auch viele Erwachsene unterwegs und erfreuen sich an Unnützem aus den Serien- und Computerwelten etwa von „Doctor-Who“, „The Walking Dead“ oder „The Witcher“. Ein Mann um die 40 zum Beispiel hat sich beim Recherchebummel unserer Probandin in der Computer-Ecke ein Basecap mit dem Logo eines unbekannten Spiels übergestülpt, gestrahlt wie ein König und seiner irritierten Mutter erklärt: „Das wollte ich immer schon haben!“ Das Schöne ist ja, dass Nerd-Sein spätestens seit der Fernsehserie „Big Bang Theory“ gar nicht mehr so uncool ist. Man kann derlei als Erwachsener durchaus tun, ohne sofort in eine Zwangsjacke gesteckt zu werden. Und sicher kann man heute als Redakteurin gefahrlos ein Best-of des Wahnsinns erstellen, das einen besseren Eindruck von der Angebotspalette des „Elbenwalds“ verschafft. Auch Nicht-Nerds dürfen das lesen. Vielleicht macht es sie ja an Weihnachten zu Superhelden. Besondere Erwähnung verdienen: Hogwarts-Socken und die Stäbe sämtlicher Zauberer aus der „Harry-Potter“-Welt, eine Uhr in Form eines Gameboys, ein beinahe mannshoher Darth Vader und ein Kylo-Ren-Kissen, Groot-Damenhandtaschen, Pixelschwerter aus Schaumstoff, „Zelda“-Fußmatten und ein „Deathpool“-Sparschwein.

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