Rheinpfalz Leid, Verständnis, Freundschaft
Theater statt Frontalunterricht. Die zwölfte Jahrgangsstufe des Veldenz-Gymnasiums befasste sich auf besondere Art und Weise mit dem Thema Flüchtlinge. Im Rahmen des Kulturprogramms des Landkreises führten Schauspieler des Theaters am Ehrenbreitstein in Koblenz das Stück „Mein Nachbar, der Flüchtling“ auf. Die Botschaft: „Liebe deinen Nächsten, den Fremden, wie dich selbst, denn er ist wie du.“
Das selbst geschriebene Stück wird vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz unterstützt. Unter der Leitung von Regisseur Gabriel Diaz präsentieren die Schauspieler eine sozialkritische Geschichte zweier Menschen unterschiedlicher Kulturen, die die aktuellen Probleme mit Flüchtlingen und den Stimmungsumschwung in der deutschen Bevölkerung beleuchtet. „Wir haben vor Silvester angefangen zu schreiben und mussten nach den Ereignissen in Köln das ganze Stück wieder umkrempeln“, sagt Schauspielerin Annika Woyda im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Das Zwei-Personen-Stück beginnt damit, dass die Deutsche Marie (Annika Woyda) einen neuen Nachbarn bekommt, der in die leere Wohnung nebenan einzieht. Der neue Nachbar Bassem (Matthias Krause) ist von Syrien nach Deutschland geflüchtet. Marie versucht anfangs Kontakt zu dem jungen Mann aufzunehmen, um mehr über ihn zu erfahren. Alle Versuche scheitern. Und auch Maries Verhalten ändert sich im Laufe der Zeit: Anfangs freundlich und kontaktfreudig, fühlt sie sich durch Bassems Zurückhaltung beleidigt und wird selbst beleidigend. Bassem versteht jedoch kein Wort Deutsch, fühlt sich, nachts von Albträumen geplagt, isoliert und klammert sich an das einzige Überbleibsel seines früheren Lebens: ein Foto seiner Familie. Zwar erkennt Marie, dass die Sprachbarriere das größte Hindernis ist, belehrt ihren neuen Nachbarn dennoch in Sachen Nachtruhe, Mülltrennung und kulturelle Unterschiede. Da kommen ihr die Ereignisse der Kölner Silvesternacht gerade recht. Bassem solle Frauen respektieren, sie seien keine Beute. Da sie Frauen liebe, solle er es erst gar nicht versuchen. Das Eis zwischen den beiden bricht, als Marie von seiner Leidensgeschichte erfährt. Wegen des Bürgerkriegs ist Bassem mit seiner Frau und dem Kind aus Syrien geflohen. Mit dem Schiff wollten sie das Mittelmeer überqueren, doch es wurde von Schleppern zerstört – mehrere hundert Menschen verloren ihr Leben und Bassem musste mit ansehen, wie seine Familie ertrank. Doch auch Marie hat ernste Sorgen. Nach dem Tod ihrer Frau wird bei ihr Brustkrebs festgestellt. Aus all dem Leid entsteht trotz aller Vorurteile und Verständigungsprobleme eine Bindung zwischen den beiden. Eine, die auf Verständnis für die Sorgen des anderen basiert und ein Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen möglich macht. Nach dem Stück gibt Schauspielerin Woyda den Schülern mit auf den Weg: „Zwei Menschen, so unterschiedlich sie auch sind, können zusammenfinden. Wichtig ist, im eigenen auch das Leid des anderen zu erkennen, denn jeder hat den Traum von Ruhe und Frieden.“