Rheinpfalz
Lauterecken: Sternsinger machen sich bereit für ihren Einsatz
Alle Jahre wieder kommen sie und bringen Gottes Segen: die Sternsinger. Und das ganze Jahr über prangt ihr Segensspruch an vielen Haustüren. Doch vorher muss ordentlich geübt werden.
„Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand, wir wünschen Euch ein fröhliches Jahr – Caspar, Melchior, Balthasar“ wird von 2. Januar bis zum Sonntag an vielen Häusern der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein von jungen Sängern angestimmt werden. Doch bevor die Sternsinger der katholischen Pfarrei Heiliger Franz Xaver Spenden für Kinder im Libanon sammeln und den Haussegen 20*C+M+B+20 anbringen können, gibt es einiges zu tun. Es werden königliche Gewänder und goldene Kronen vergeben, ein Film angesehen, um die Sensibilität der Kinder für die Situation im Libanon zu schärfen und das Sternsingerlied – auch mal lautstark – geprobt.
Kurzfilm zum Start
Im katholischen Pfarrheim ist kurz vor dem Jahreswechsel richtig viel los. Rund 50 Personen reden durcheinander, Kaffee und Tee sowie Gebäck stehen bereit und alle warten auf den offiziellen Start durch die langjährige Organisatorin Inge Lütz. Wie immer startet das Treffen mit einem Kurzfilm. Gezeigt wird die Situation im Libanon, wo bis 1990 Bürgerkrieg herrschte und heute viele Syrer hin flüchten. Die in Hütten unter schwierigen Bedingungen lebenden Flüchtlinge führen ein hartes Leben, was bei den Kindern zu betroffenen Mienen führte.
„Ihr könnt stolz sein, dass ihr Einsatz für die Menschen dort zeigt“, sagt Lütz und lässt das Sternsingerlied anstimmen. Die meisten Kinder kennen es, sind zunächst noch zurückhaltend, doch beim zweiten Mal wurde es schon richtig laut. Ein weiterer Text, der in verteilten Rollen gesprochen wird, ist da schon schwieriger – aber die Sternsinger haben ihre Tricks. Auf dem Stern, der in jeder Gruppe mitgetragen wird, gibt es einen Spickzettel für alle Fälle. Im Anschluss werden die königlichen Gewänder, die in den verschiedensten Farben und Größen vorrätig sind, verteilt und Kronen angepasst.
Keine Nachwuchsprobleme
Nachwuchsprobleme kennt man bei den Sternsingern nicht, und neben vielen neuen Kindern sind auch die „alten Hasen“ immer wieder mit von der Partie. Daher sind auch in diesem Jahr rund 50 Kinder als Sternsinger unterwegs, wie Lütz berichtet.
Einer dieser „alten Hasen“, wenn auch erst sechs Jahre alt, ist Milan, der bereits als Kleinkind im Buggy beim Sternsingen dabei war, als seine beiden Geschwister aktiv waren. „Mindestens einmal im Jahr was für andere Kinder tun und Spaß dabei haben“ – das sind seine Ziele und er setzt damit die Familientradition fort.
Seine Mutter schätzt es sehr, dass Kinder für Kinder etwas tun und so die ganz Jungen schon lernen, sich zu engagieren. Engagement fernab jeder Konfession, nach dem Grundsatz „Kinder für Kinder“ ist es egal, ob katholisch, evangelisch oder beispielsweise muslimisch: Auch ein aus Syrien stammender Junge ist mit von der Partie.
Von sechs bis 16 Jahren
Aus fast allen Orten der Pfarrei, die zur Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein zählen, kommen die Sternsinger und es wird auch versucht, möglichst viele Orte zu erreichen. Alle 31 Orte der Pfarrei werden die Gruppen nicht schaffen, allerdings „so viele wie möglich, also zwischen 15 und 20“, schätzt Lütz aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung.
Doch nicht nur konfessionell und bezüglich ihrer Wohnorte unterscheiden sich die Kinder, auch die verschiedensten Altersstufen sind dabei. Die Jüngsten sind sechs Jahre alt, die vier „Jungteamer“, die als Betreuer (insgesamt sind es rund 25) dabei sein werden, sind zwischen 14 und 16 Jahren. Alle eint, dass sie Kindern, denen es nicht so gut geht wie ihnen, helfen möchten.
Sie helfen jedoch nicht nur den Kindern im Libanon, sondern auch hier, denn von den Süßigkeiten, mit denen die Sternsinger zurückkommen, werden auch welche an die Tafel gespendet. „Die Kinder naschen viel selbst und teilen untereinander, aber es bleibt immer was übrig und das teilen sie gerne“, weiß Lütz.
Keine Angst vor langen Wegen
Zum zweiten Mal dabei ist Julia. Die Neunjährige, die an drei Tagen mit den Sternsingern unterwegs sein wird, „weil es Spaß macht, Spenden zu sammeln für arme Menschen in anderen Ländern“, trifft dabei auch immer wieder viele Freunde. Dass sich viele der Kinder und Jugendlichen kennen, ist nach dem offiziellen Teil und dem Anprobieren der Gewänder auch am Geräuschpegel auszumachen. Waren die Kinder beim Film über den Libanon noch extrem aufmerksam und auffallend still, bringen sie sich später gegenseitig auf den neuesten Stand.
Gespannt auf sein Debüt bei den Sternsingern ist der sechsjährige Felix. Er ist an allen vier Tagen dabei und als „erfahrener Geocacher“, der auch mit den Eltern immer wieder lange Wandertouren unternimmt, scheut er die teils langen Wege nicht. Außerdem ist sein Onkel einer der Jungteamer– das wird schon gut, ist Felix sicher.
Treffen werden sich die Sternsinger jeden Morgen um 8 Uhr in Lauterecken. Sie werden in Gruppen mit drei Königen und – wenn möglich – einem Sternträger aufgeteilt und eingekleidet, bevor die jeweiligen Ortschaften angefahren werden und das Singen, Spenden sammeln, Segen anbringen beginnt, das großen Spaß macht.