Rheinpfalz „Lange frühstücken ist der pure Luxus“
LANDSTUHL. Nein, seine Modelleisenbahn hat er noch nicht wieder aufgebaut. „Bisher war einfach keine Zeit dafür“, sagt Klaus Grumer – und wundert sich ein wenig über sich selbst. Schließlich sind fast genau vier Jahre vergangen, seit er nicht mehr Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landstuhl ist. Auch seine Zeit als ehrenamtlicher Stadtbürgermeister ist jetzt schon zweieinhalb Jahre vorbei.
Warum harren also Loks und Schienen, die Grumer schon seit seinem sechsten Lebensjahr als Hobby pflegt, noch immer in Kartons auf ihre Wiederkehr ans Tageslicht? Wer sich mit dem Langzeit-Bürgermeister verabredet, erlebt den ersten Grund: Kaum betritt ein neuer Gast das Restaurant an der Landstuhler Stadthalle, schon steht der CDU-Politiker wieder auf. Und mindestens ein paar freundliche Worte wechseln hin und her, oft auch ein herzliches Schulterklopfen. „Das bleibt nicht aus, wenn man 30 Jahre in der Kommunalpolitik engagiert war“, wirbt Grumer um Verständnis. „Man ist auch im Ruhestand noch öffentliche Person.“ Er stand sogar ein bisschen länger als drei Jahrzehnte im Dienst der Öffentlichkeit: 1982 ließ sich der Jurist erstmals für die CDU in den Gemeinderat seiner Heimatstadt wählen. 1994 eroberte er das Ehrenamt des Stadtbürgermeisters, zwei Jahre später wählten ihn die Bürger zum hauptamtlichen Chef der Verbandsgemeinde. Zwei Ämter, die Grumer rund zwei Jahrzehnte in Personalunion ausübte. Und die ihm oft mehr als einen Acht-Stunden-Tag bescherten: „Meine Tage hatten eine klare Struktur. Spätestens um halb neun im Büro, mindestens drei bis vier Mal in der Woche abends noch eine Sitzung mit Ausschüssen und Fraktionen. Und die anderen Abende fast immer zu Besuch bei einem, zwei Vereinen, von denen es in der Verbandsgemeinde glücklicherweise reichlich gibt.“ Da blieb so manche Aufgabe an Ehefrau Hannelore hängen, die als Lehrerin tätig war. Inzwischen genießt das Paar sein Pensionärsdasein. „Für uns ist es der größte Luxus, wenn wir morgens ausschlafen und lange frühstücken können“, bekennt Grumer. Gutes Essen, lange Wanderungen über die Sickinger Höhe und spontane Ausflüge in die Region stehen ebenso auf der Tagesordnung wie der wöchentliche „Enkel-Tag“, an den sich Opa und Oma um ein dreieinhalbjähriges Zwillingspaar kümmern dürfen: „Dafür sind wir unserem Sohn und der Schwiegertochter sehr dankbar.“ Nicht in Ruhestand geschickt haben Grumers ihr ehrenamtliches Engagement: Sei es bei der Behindertenhilfe Westpfalz, den Rotariern oder im Ski- und Snowbord-Club, wo beide zu den Gründungsmitgliedern gehören. Und dann sind da die langjährigen Freunde, für die jetzt endlich mehr Zeit ist. „Im politischen Leben hat man ja ziemlich viele davon“, beschreibt Grumer seine Erfahrung, „aber im Ruhestand bleiben die wirklich guten übrig. Das sind vielleicht ein rundes Dutzend, aber auf die möchte man nicht verzichten.“ Sie werden sicher dabei sein, wenn der Jubilar im Februar zu seinem 70. Geburtstag in das geliebte Restaurant neben der Stadthalle einlädt. |mibo