Rheinpfalz
Landstuhl: Elf Ehrenamtliche begleiten Hospizgäste im Hildegard Jonghaus
Sie begleiten die letzten Tage, sind Gesprächspartner und erfüllen den Gästen im DRK-Hospiz Hildegard Jonghaus in Landstuhl mit Herzlichkeit alle denkbaren Wünsche. Dafür haben Marijke van de Watering-Bakker, Ilka Goeth, Evi Grunder, Pia Hemmer, Bärbel Herrmann, Yvonne Oemke, Anette Schmitt, Petra Vidakovic, Adolf Geib, Stefan Mai und Paul Menges den Sozialpreis der Verbandsgemeinde Landstuhl erhalten.
Als die RHEINPFALZ dem Hospiz Hildegard Jonghaus einen Besuch abstattet, sind Pia Hemmer und Bärbel Herrmann vor Ort, denn es ist „ihr“ Dienstag. Die meisten ehrenamtlichen Helfer kämen einmal pro Woche für zwei bis drei Stunden, erzählen sie. In welchem Umfang man sich einbringen möchte, entscheide aber jeder Ehrenamtler für sich selbst.
Gut für andere sorgen
Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um als freiwilliger Helfer tätig sein zu können, erklärt Marijke van der Watering-Bakker, die Ehrenamtskoordinatorin. „Es gibt Grund- und Aufbauseminare, die man zur ehrenamtlichen Mitarbeit im ambulanten Hospizdienst absolviert“, sagt sie. Im Laufe eines Jahres stünde dabei neben Theorieeinheiten auch die praktisch angelegte Hospitation auf dem Programm. Thematisch gehe es bei den Befähigungsseminaren vor allem um Gesprächsführung, Trauer in der Sterbebegleitung, den schwerkranken Mensch und seine Familie, aber auch um den Aspekt „gut für mich sorgen, um gut für andere zu sorgen“.
Wenn junge Menschen sterben
Natürlich gebe es Situationen, die sie als ehrenamtliche Helferin belasten, sagt Bärbel Herrmann. „Gerade wenn junge Menschen im Sterben liegen und eine Familie hinterlassen, dann ist das auch für uns schwer.“ Ganz oft erlebe sie dann, dass ein Sterbender sein eigenes Schicksal akzeptiere und auch keine Angst vor dem Tod habe, dass ihn aber die Sorge um die Zukunft seiner Liebsten umtreibe.
„Wertungsfrei zuhören und einfach nur da sein“, das sei in solchen Momenten ihre Aufgabe, sagt Pia Hemmer. Und auch, dass manchmal einfach gar nicht gesprochen werde, gehöre dazu. „Stille aushalten“, nennt die Ehrenamtlerin das.
Um aber keinen falschen Gesamteindruck ihrer Arbeit aufkommen zu lassen, betonen Pia Hemmer und Bärbel Herrmann unisono: „Das Leben wird hier auch gefeiert.“ Besonders beliebt seien im Hospiz etwa die Grillfeste im Sommer und das Oktoberfest, das einen festen Bestandteil des Veranstaltungsprogramms darstelle. Auch der eigene Geburtstag werde von den Hospizgästen gerne gefeiert. Oft kämen dann Familienangehörige, brächten Kuchen mit und man sitze gemütlich beisammen, sagt Martina Mack, die Einrichtungsleiterin.
Auch Ella gehört zum Team
Ein weiterer Bestandteil des Alltags im Landstuhler Hospiz, dessen Träger der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Kaiserslautern-Land ist: Therapiehündin Ella. Sie gehört der ehrenamtlichen Helferin Anette Schmitt und wird immer sonntags von ihr mitgebracht. Sehr zur Freude aller Hospizgäste, wie Marijke van de Watering-Bakker betont.
Ihr selbst liegen besonders die alle vier bis sechs Wochen stattfindenden Treffen der ehrenamtlichen Helfer am Herzen, bei denen man sich über die Erfahrungen beim „Begleiten“ austausche. Van de Watering-Bakker: „In der Regel begleiten unsere Ehrenamtlichen zwei, maximal drei Hospizgäste.“ Die freiwilligen Helfer würden so zu einem festen Bezugspunkt für den jeweiligen Gast, blieben aber immer „der neutrale Dritte“.
„Meine Welt geht weiter“
Oft helfe es einem Sterbenden, dass ihm jemand zuhöre, der weder der Familie, noch dem eigenen Freundeskreis zuzuordnen sei, sagt Pia Hemmer. Wie sie damit umgeht, dass bei ihrer Arbeit neben ganz viel Freude auch immer das Leid anzutreffen ist? „Wenn ich hier die Tür zumache“, sagt Hemmer, „dann ist sie zu.“
Dies gedanklich so zu handhaben, müsse man üben. Aber in der Regel gelinge es ihr, beim Schließen der Hospiztür in die eigene Welt zurückzukehren und auch zu wissen, „meine Welt geht weiter“.
Dass es ihren Hospizgästen ja nicht durchgängig schlecht gehe, betonen die ehrenamtlichen Helfer im Gespräch immer wieder. „Viele Gäste melden uns zurück, dass sie eine gute Zeit im Hospiz haben“, sagt Bärbel Herrmann, „es wird auch gerne und oft gelacht“.