Rheinpfalz Kurt Beck griff nach den dicksten Kartoffeln

HERSCHBERG. Seit 50 Jahren gibt es den Landfrauenverein in Herschberg, und so lange schon hat er sich immer wieder durch gemeinnützige Projekte und Spenden für soziale Zwecke einen Namen gemacht. Auch jetzt, zum runden Geburtstag ihres Vereins, wollten die Landfrauen nicht unbedingt sich selbst feiern, sondern etwas Gutes tun.
Dies taten sie mit einem Benefizkonzert zugunsten von zwei Hospizen in der Region. Mit Unterstützung von Lotto Rheinland-Pfalz haben sie deshalb die „Mainzer Hofsänger“ für ein Konzert in Herschberg gewinnen können (dazu ein weiterer Bericht auf „Kultur regional“). Gegründet wurde der Verein 1969 von 22 Frauen im damaligen Café Hartmann. Schnell wuchs die Mitgliederzahl und das Angebot an Kursen wurde rasch sehr umfangreich. Wenn auch in dem halben Jahrhundert seither sicherlich einige tausend Kuchen und Torten für Vereins- und Dorffeste gebacken wurden, so ist das nur eine Seite der Medaille. Längst haben die Landfrauen das Image der „Hausfrau am Herd“ abgelegt. Sie bringen sich in allen Bereichen des Lebens ein, kümmern sich um aktuelle Themen von Altersvorsorge über Gesundheitswesen bis hin zur Digitalisierung. Vor allem wollen sie „mehr Lebensqualität in unserem Umfeld schaffen“, so Vorsitzende Gisela Westrich. Von Anfang an sei ihnen die aktive Mitarbeit in der dörflichen Gemeinschaft wichtig gewesen. Nur vier Vorsitzende hatte der Verein in 50 Jahren. Seit 25 Jahren ist Gisela Westrich die „Frontfrau“, die immer wieder ihre Kolleginnen für neue Projekte begeistert. Entschädigt für die damit verbundenen Arbeitsstunden werden die Frauen dann durch unvergessliche Erlebnisse bei Ausflugsfahrten und Wanderungen. „Besonders lustig war es beim Rheinland-Pfalz-Tag 2007 in Baumholder“, erinnert sich Westrich. Dorthin hatten die Herschbergerinnen die damalige Marktgräfin Katharina I. aus ihrem Ort begleitet. Aus dem mitgeführten „Grumbeerekorb“ hatte sich der ehemalige Ministerpräsident Kurt Beck unter lautem Lachen der Umstehenden zielsicher die dicksten Exemplare herausgefischt. „Hoffentlich können wir das noch eine Zeit lang so machen, denn in erster Linie fehlt es uns an Nachwuchs“ ist Westrich ein bisschen besorgt darüber, dass die jüngere Generation wenig Interesse zeigt. Erfreulich ist dagegen die lange Reihe von sozialen Projekten, die umgesetzt wurden. Unzählige Kartons mit Kleidung und allerlei Nützlichem für das tägliche Leben haben die Frauen schon gepackt, um damit die „Tschernobylkinder“ zu unterstützen, die bis heute noch unter der Atomkatastrophe von 1986 zu leiden haben. Nicht zu zählen waren die gesammelten Kugelschreiber für die Aktion „Stifte stiften“, die vor allem Mädchen in der Dritten Welt eine Schulbildung ermöglichen soll. Wenn die Landfrauen alljährlich nach dem Martinsumzug der Herschberger Kita „Vogelnest“ für die Bewirtung sorgen, geht der Erlös ganz selbstverständlich an diese Einrichtung. Das Konzert zugunsten der beiden Hospize war ein weiterer Meilenstein der Hilfsbereitschaft und sozialen Verantwortung.