Kultur Südpfalz
Klingenmünster: Grandiose Stimmung bei Jazz im Park
Man soll die Feste feiern, wie sie fallen und das Wetter nehmen, wie es ist. Deshalb war man beim „Jazz im Park“ des Stiftsguts Keysermühle am Samstag in Klingenmünster trotz kühler Regenschauer genau richtig.
Die Samstagabend-Sessions mit dem Sandrabadal-Trio als Appetizer sowie Joscho Stephan und dem Blue Motion Trio als Top Act wurden kurzerhand in die Remise verlegt; der Frühschoppen am Sonntag mit Blue Motion pur war dann bei strahlendem Sonnenschein im Stiftspark. Hier wie dort war die Stimmung grandios.
Joscho Stephan gehört zu jenen Ausnahmegitarristen, die schon als Jungspunde Kultstatus erlangten und trotz international ungebrochener Erfolge authentisch und bodenständig, dabei unternehmungslustig und experimentierfreudig bleiben. So hat der vor 40 Jahren in Mönchengladbach geborene King des modernen Gipsy Swing auch die kleine Bühne in der frisch renovierten Remise ganz ohne Starallüren erobert. Dass er selbst die locker-flockige Moderation übernahm und die Südpfalz samt Saumagen als Inspirationsquelle illustrer Jazzgrößen offenbarte, war Ehrensache.
Jazz-Standards mit Wow- und Aha-Effekten
Eine Offenbarung war aber auch das, was es nun in zwei intensiven Stunden auf die Ohren gab. Das Blue Motion Trio des facettenreichen (ebenfalls aus Gladbach stammenden) Drummers André Spajic umgarnte, verführte und entfesselte Joscho Stephans Spielfreude und die wiederum sprühte Funken, die mit den flinken Fingern des Düsseldorfer Kontrabassisten Walfried Böcker um die Wette stoben und sich mit den sinnlich-lyrischen Tastentänzen des Kölner Pianisten Martin Sasse poetisch verwoben. Gespielt wurden bekannte Jazz-Standards mit Wow-Feeling und Aha-Effekt, denn nicht immer schälten sich die Originale im unorthodox zelebrierten, höchst elektrisierenden Gipsy Stil sofort heraus.
Manchmal wurden den Titeln mit augenzwinkerndem Witz flugs fremde Motive untergejubelt. So machten die vier Herren auf der Bühne Jimmy Giuffres legendären „Four Brothers“ mit expressiver Rhythmik mächtig Beine, tauchten Charlie Chaplins unsterbliches „Smile“ in eine berührende Melange elegischer Klangfarben und guter Bossa-Nova–Laune und interpretierten Monty Alexanders „Spunky“ als fluffig lockere Vier-zu-Vier-Version. Auch eine Hommage an Django Reinhardt durfte freilich nicht fehlen.
Sensibel zurückhaltend und ausdrucksstark virtuos
Mit Applaus sparte das kundige Publikum auch schon beim Auftaktkonzert des Festivals nicht, bei dem das Trio „Sandrabadal“ um die aus Nothweiler stammende Sängerin Sandra Schenk mit einer so anspruchsvollen wie unterhaltsamen Mixtur bekannter Jazz-Standards einen perfekten Einstieg in den langen Abend bot. Vom amerikanischen Swing und Blues über den Tango Argentino und Bossa Nova hin bis zu deutschen und französischen Chansons spannte die charismatische Sängerin den weiten Bogen ihrer beeindruckenden stimmlichen Ausdruckskraft.
Mit sensibler Zurückhaltung, doch ausdrucksstarker Virtuosität standen ihr Davide Petrocca an der Gitarre und Dieter Fischer am Kontrabass zur Seite. Auch ihre angenehme Moderation trug dazu bei, dass das Publikum all die kleinen und großen Dramen, die sie auf der Bühne entfaltete, rundweg genießen konnte.