Rheinpfalz Kleine bunte Hasenwelt
Frühlings- und Osterstimmung pur. Das garantiert der Ostermarkt in St. Wendel, der am Wochenende wieder unzählige Besucher anlockte. Für Kleine und Große hatte der breit angelegte Markt etliches zu bieten.
Die Sonne scheint auf die wunderbar gestaltete Osterkrone auf dem Brunnen am Schlossplatz. Der Brunnen zählt an diesen Ostermarkttagen zu den häufigsten Fotomotiven. Mit viel Liebe zum Detail und in ansprechender Farbkombination haben ihn die CDU-Frauen gestaltet. Grüne Bögen bilden die Grundlage für die bunten Ostereier. Perfekt fügt sich der Brunnen in die kleine Gartenanlage ein. Um den Platz herum bieten in hübsch verzierten Buden Aussteller ihre Waren an: Keramik, Schmuck, Kerzen, Osterdekorationen für drinnen und draußen, Ess- und Trinkbares – an Geschenkideen mangelt es nicht. Zu den Höhepunkten des Ostermarktes gehört sicherlich die Ausstellung „Lustiges Hasenleben“. Das bunte Zelt mit seinen großformatigen Plakaten weist schon von weitem darauf hin. Kleine wie große Hasenfreunde drängen sich vor den etwa 30 Szenen. Sie zeigen die Häschen im alltäglichen Leben. Hinter einem Schaufenster ist eine kleine Bühne aufgebaut. Auf dieser thront das Hasen-Orchester, das eifrig aufspielt. Nein, nicht wirklich, aber die Musik klingt ob der realistischen Darstellung fast im Ohr. Auf den Bänken davor haben es sich die Zuhörer bequem gemacht. Meister Langohr liebt Konzerte. Die Hasen stammten aus dem Erzgebirge, erzählt Ernst-Wilhelm Kiefer, ein Freund des verstorbenen Karl Heindl, der die Hasenwelt geschaffen hat. Heute organisiert Kiefer mit Heindls Ehefrau, Schwägerin und ein paar Kameraden die Ausstellung, für die die Stadt das Zelt stellt. Übers Jahr lagert sie auch die Szenerien ein. Kiefer ist glücklich, dass die Ausstellung so gut ankommt. Am Donnerstag haben er und die anderen begonnen, die Figuren aufzustellen – so, wie es der „Hasen-Vater“ einst vormachte. Da sitzen Hasenkinder auf der Schulbank und lassen sich von Lehrer Lampe im Ostereier-Rechnen unterrichten. Dort färben große Hasen die Eier, die ein Kollege bei den Hühnern eingesammelt hat. Fleißige Langohren ziehen Kerzen, während Bildhauer Hasimir Mümmelmann an einer Skulptur arbeitet. Hasen, die in der Isetta mit Ei-Anhänger in Urlaub fahren, die sich auf einem Riesenrad vergnügen, an einem Oldtimer-Treffen teilnehmen, ins St. Wendeler Land aufbrechen oder Möhrensaft pressen, dürfen nicht fehlen. Per Drehkurbel oder teils auch elektrisch bewegen sich Teile der Kulissen. Echtes Wasser plätschert über die Mühlenräder. Ein Hingucker ist die Hasenfeuerwehr, die ein brennendes Haus löscht. Den Anstoß dazu habe ein örtlicher Feuerwehrkommandant Heindl gegeben, weiß Kiefer. Und der gelernte Grafiker und Maler habe keine Ruhe gegeben, bis die Feuersbrunst, der die Löschmümmelmänner Herr zu werden suchen, formvollendet dastand. Mit einem Einsatzfahrzeug sind die Feuerwehrmänner angerast, gefärbte Taschenlampenbirnchen bilden das Blaulicht. Auf einer Drehleiter steht ein Feuerwehrhasenmann und hält den Schlauch auf die lodernde Hütte. Natürlich tragen die Hasen Helme. Dazu wurden die Ohren geköpft und später auf den Kopfschutz geklebt. Ungezählte Stunden habe Karl Heindl seiner Leidenschaft geopfert, berichtet Kiefer. Überall habe er nach Hasen und Utensilien Ausschau gehalten. Um ihnen Leben einzuhauchen, habe der Hasenpapa auch mal Arme und Beine verdreht, ihnen eine Blume oder ein Fläschchen in die Hand gegeben. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Aber Kiefer und seine Mitstreiter freuen sich, wenn der eine oder andere Euro ins Kässchen am Eingang wandert. Schließlich gebe es schon hin und wieder etwas auszubessern oder zu ergänzen. Das klingende Hasendorf um die Kirche hat übrigens ebenfalls Heindl entworfen. Die Stadt habe zwar die Figuren gekauft, doch Heindl habe sie in den Konzertsaal, die Küche, die Schule oder den Blumenladen drapiert. Die Hintergrundbilder erstellte Heindl mit Andreas Denis, einem bei der Stadt beschäftigten Schreiner. Die echten Vorbilder für die Hasenfiguren dürfen beim Ostermarkt nicht fehlen. Sie sitzen träge in der Sonne oder mümmeln ihr Gras. Dass sie die eigentlichen Helden des Ostermarktes sind, scheinen sie nicht zu ahnen.