Rheinpfalz Kennenlernen bestes Mittel zur Integration

Das mittlerweile vierte Treffen des Jugendforums Wasgau im PC-Raum des Kreisvolkshochschul-Zentrums in Dahn stand am Donnerstag ganz im Zeichen der Begegnung. Zu Beginn wurde über Projekte diskutiert. Nach einer halben Stunde bereicherte Sven Greiner vom Kreisjugendring die Zusammenkunft – mitgebracht hatte der inoffizielle Schriftführer des Forums vier Flüchtlinge, die zurzeit in Hinterweidenthal wohnen.
Nach anfänglichen Berührungsängsten entwickelte sich schon bald eine lockere, freundschaftliche Atmosphäre mit Gummibärchen und Säften. Besonders der kleine Husein, der seinen Vater im Schlepptau hatte, zeigte, wie gut er sich in nur einem Jahr bereits in Deutschland eingelebt hat. Die Sprache spricht der Kosovo-Albaner, momentan Schüler in Hauenstein, schon bemerkenswert gut. Auch ein bisschen Englisch gehört zu seinem Repertoire. Immer wieder übersetzte das Sprachtalent für Erfan und Aref, ein Geschwisterpaar aus Afghanistan, das gemeinsam mit vier weiteren Geschwistern und den Eltern zu Fuß den weiten und schwierigen Weg nach Deutschland bewältigt hatte. Eines wurde im Laufe des Abends klar: Die Flüchtlinge waren bei den Schülern des Otfried-von Weißenburg-Gymnasiums herzlich willkommen. Sophie Burkhart, Maria Barbosa, Angelika Schapovalenko und Justin Köhler, die mittlerweile zum festen Kern des Forums gehören, sowie Neuling Lilli Kessel zeigten ehrliches Interesse an Hobbys und Einzelschicksalen der unerwarteten Besucher, die unmittelbar davor an einem PC-Tippkurs von Sven Greiner teilgenommen hatten. Greiner, der sich mit seinem ganzen Herzblut für die Jugendlichen einsetzt, forderte beide Seiten auf, darüber nachzudenken, wie man sich am besten miteinander beschäftigen könne. Schließlich seien gemeinsame Aktivitäten und gegenseitiges Kennenlernen die besten Mittel für das Lernen der deutschen Sprache und somit eine erleichterte Integration der jungen Menschen. So vereinbarte man schon für den nächsten Tag ein weiteres Treffen auf dem Fußballplatz, ein Termin, auf den sich Kickertalent Erfan besonders freute. Aref hingegen ließ anklingen, dass er es gerne mal mit Taekwondo versuchen würde. Husein erwiderte auf die Frage, wie er in Deutschland bislang zurechtkomme, dass er sehr freundlich aufgenommen worden sei und bislang keinerlei Probleme aufgrund seiner Herkunft hatte. Die vor knapp zwei Monaten im Wasgau angekommenen afghanischen Jugendlichen pflichteten ihm sofort bei. Alle drei waren auch schon beim örtlichen Jugendtreff, wo sie sich unter anderem am Fußballkicker vergnügen konnten. Abends, so versicherten Erfan und Aref, lerne man bereits fleißig deutsche Vokabeln. Genau auf diese Weise hatte Husein vor einem Jahr angefangen – mit durchschlagendem Erfolg. Nusret, Huseins Vater, spricht zwar bislang kaum Deutsch, verdeutlichte aber, dass er unbedingt so bald wie möglich eine Arbeit finden wolle. In einem Punkt waren sich schließlich alle Teilnehmer einig: Weitere Begegnungen sollen nicht lange auf sich warten lassen. Für 2016 ist eine Fahrt nach Chemnitz vorgesehen, wo die Besucher beim Austausch mit einem dort ansässigen Jugendforum Kerzen im Namen der getöteten Juden im Zweiten Weltkrieg erhalten sollen. Anschließend wolle man als Zeichen für die dringende Notwendigkeit von Demokratie und Toleranz in einem jüdischen Lokal dinieren, dessen Inhaber täglich von Rechtsradikalen bedroht werde und aus diesem Grund bereits auf gepackten Koffern sitze. Bereits im Februar wird in der Alten Post in Pirmasens das Chawwerusch Theater zu Besuch sein – am 17. Februar ist die Abendvorstellung angesetzt, einen Tag darauf die morgendliche Schulvorstellung. Info Zum nächsten Treffen des Jugendforums am 7. Januar, 18 Uhr, ist – wie immer – jeder, der sich für das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Bundesprojekt „Demokratie leben“ einsetzen oder auch einfach nur einmal zuhören möchte, eingeladen. Auf der Tagesordnung soll dann unter anderem die Organisation der geplanten Filmvorführung von „American History X“ stehen. (thkr)