Rheinpfalz Keine schnelle Lösung in Sicht

Mit der sofortigen Sperrung der Talbrücke Fechingen hat der saarländische Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) den Verkehrsteilnehmern auf der Autobahn 6 bei Saarbrücken ein vorösterliches Ei ins Nest gelegt. Wie am Karsamstag berichtet, bleibt die Brücke wegen akuter Einsturzgefahr mindestens bis zum Jahresende gesperrt. Gestern erörterte erstmals eine eigens zusammengestellte Expertenkommission unter den Fittichen des saarländischen Verkehrsministeriums die verzwickte Lage.
Fährt man vom Neunkircher Kreuz her in Richtung Saarbrücken, ist spätestens an der Ausfahrt St. Ingbert-West Schluss. Zwischen ihr und der Anschlussstelle Saarbrücken-Fechingen befindet sich die 53 Jahre alte Talbrücke, die nun repariert, wenn nicht gar durch einen Neubau ersetzt werden soll. Bis es soweit ist, soll der Fernverkehr über weiträumige Umleitungen gelenkt werden. Übers Osterwochenende hat die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) eine 22-köpfige Kommission namens „Task Force Brücken“ ins Leben gerufen, die gestern unter Federführung des Staatssekretärs Jürgen Barke erstmals tagte. Wie Rehlingers Sprecher Wolfgang Kerkhoff aus der nichtöffentlichen Sitzung berichtete, könne die „Task Force“ das so drängende Verkehrsproblem nicht über Nacht lösen. Vielmehr habe man sich etwa darauf verständigt, tüchtig die Werbetrommel für öffentliche Verkehrsmittel zu rühren – „insbesondere den Bahnverkehr aus Richtung St. Ingbert und Homburg unter Einbeziehung der Verkehrsunternehmen und der betroffenen Kommunen“, so der Kirkeler Kerkhoff. Zusätzliche Anreize wolle man mit neuen Park-and-Ride-Angeboten setzen. In den kommenden Monaten, so hätten die Fachleute gestern empfohlen, gelte es Hinweisschilder zu ergänzen und Gefahrenstellen wie etwa Einmündungen durch zügigen Ausbau zu entschärfen. Zudem raten die Experten nach Kerkhoffs Worten, „gemeinsam mit den französischen Partnern“ die weiträumige Umleitung des Schwerverkehrs besser und übersichtlicher zu gestalten. Derweil haben Unbekannte über Ostern das braune Schild gestohlen, das an Ort und Stelle auf den Namen „Fechinger Talbrücke“ hinwies. Mit Pizza und Getränken sollen die Diebe auf dem gesperrten Autobahn-Teilstück eine Party gefeiert und als Andenken die Beschilderung mitgenommen haben. Wie LfS-Sprecher Klaus Kosok betont, gilt für die Autobahn auch nach der Brückensperrung ein „Betretungsverbot“: Der Landesbetrieb für Straßenbau werde die Polizei um verstärkte Kontrollen bitten. Die Grünen, so erklärt deren Landtagsfraktionschef Hubert Ulrich, hätten bereits 2015 auf den schlechten Zustand von Brücken im Saarland hingewiesen. Jetzt hat die Ökopartei einen „Acht-Punkt-Katalog“ erstellt, in dem sie die Landesregierung aufruft, „schnellstmöglich die planerischen, rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für einen Ersatzneubau“ zu schaffen. Um Ausweichrouten zu entlasten, gelte es „wenigstens die einstreifige Nutzung durch Pkw mit verringerter Geschwindigkeit“ zu prüfen. Ulrich: „Der Ausfall der Talbrücke ist nicht nur verkehrstechnisch ein Alarmsignal, er wird die Landeshauptstadt auch ökonomisch treffen. Wenn eine Hauptverbindungsader ausfällt, muss alle Energie darauf verwendet werden, den Engpass so schnell wie möglich zu beseitigen.“ „Die jetzige Situation muss dazu genutzt werden, die beiden maroden Bauwerke ,Fechinger Talbrücke’ und ,Grumbach-Talbrücke’ zu erneuern“, fordert Günther Karcher, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat: Allein am Donnerstag vor Ostern hätten Verkehrsteilnehmer bis zu zwei Stunden im Stau gestanden. Die ehemalige Profi-Tennisspielerin Claudia Kohde-Kilsch, Vorsitzende der Linksfraktion im Stadtrat, sieht „nicht nur die Pendler von und nach Saarbrücken von Staus und längeren Fahrzeiten betroffen“: Die Bewohner der Stadtteile Ensheim, Scheidt und Schafbrücke müssten nun monatelang den Verkehr ertragen, der durch ihre Orte umgeleitet wird. „Und die Gäste des Saarbrücker Flughafens werden sich auf längere Anfahrtszeiten einstellen müssen“, vermutet Kohde-Kilsch. Linke-Fraktionschef Oskar Lafontaine ruft die Landesregierung dazu auf, dem Verkehrsausschuss Auskunft zu geben, ob an den Brücken im Land regelmäßig die Statik überprüft werde. Lafontaine möchte wissen, in welchem Zustand die übrigen saarländischen Brücken inzwischen seien. „Wenn bei der letzten turnusgemäßen Überprüfung der Fechinger Talbrücke 2013 die Statik nicht überprüft wurde und die massiven Mängel nicht aufgefallen sind – wie kann ausgeschlossen werden, dass auch an anderen Stellen ähnliche Gefahren drohen?“ Es sei „ein Unding, dass die statischen Mängel an der Fechinger Brücke wohl jahrelang unbemerkt geblieben sind“. Als Folge eines Sanierungsstaus wegen leerer öffentlicher Kassen dürfe die Sicherheit der Autofahrer nicht bedroht werden. Südwest