Rheinpfalz „Keine Kunst, sondern eine Technik“
Auf den Punkt gebracht hat es Frank Wieland, Direktor des Pfalzmuseums für Naturkunde. Der Zoologe bot am Mittwoch einen Zeichenkurs im Urweltmuseum Geoskop auf der Burg Lichtenberg an. Thema war das wissenschaftliche Zeichnen in Tusche, das sogenannte Punktieren. Die fünf Personen, die gekommen waren, zeigten sich vollauf zufrieden mit ihren Werken.
Zunächst hielt Wieland, der über Gottesanbeterinnen forscht, einen halbstündigen Vortrag, in dem er die verschiedenen wissenschaftlichen Zeichentechniken erläuterte und erklärte, dass solche Zeichnungen vor allem in Fachbüchern Einzug finden: „Allein für meine Doktorarbeit habe ich über 400 Zeichnungen angefertigt.“ Er zeigte auf, wie viel Arbeit in einem kleinen Bild stecke, und betonte immer wieder, dass „es keine Kunst, sondern eine Technik ist“. „Jeder kann diese Art des Zeichnens erlernen, und bis jetzt sind alle aus meinem Kurs mit einem vorzeigbaren Ergebnis rausgegangen“, erklärte Wieland schmunzelnd. Der Zoologe zeigte die Unterschiede zwischen den Materialien Gouache, Carbon Dust und Tusche auf. Letztere verwendeten die fünf Teilnehmer für ihre eigenen Werke. Bei der Technik des Punktierens geht es darum, mithilfe vieler Punkte den Effekt von Licht und Schatten darzustellen. Je weiter auseinander man die Punkte setzt, desto heller erscheint die Fläche am Ende; je dichter die Punkte sind, desto dunkler wirkt der Schatten. Häufig werden solche Bilder auf großen Zeichenblättern oder Leinwänden angefertigt und danach stark verkleinert, um in Fachbücher Einzug zu finden. So tritt der Effekt von Licht und Schatten am stärksten hervor. Konzentriert versuchten sich die Teilnehmer daran und merkten, dass das Ganze in der Theorie einfacher klingt, als es tatsächlich ist. Zunächst wählten sich die Fünf aus verschiedenen Vorlagen, die der Zoologe mitgebracht hatte, eine aus. Zur Auswahl standen Insekten, Pflanzen und Landkarten. Nachdem jeder das für sich schönste Motiv ausgesucht hatte, ging es ans Zeichnen. Mithilfe von Transparentpapier wurden die Umrisse übertragen und anschließend setzte jeder Teilnehmer die Punkte, die die Struktur des Motivs verdeutlichen. Wieland erklärte: „Irgendwann haben Forscher festgelegt, dass bei solchen Darstellungen die imaginäre Lichtquelle immer oben links im Bild sitzt.“ Mit diesem Gedanken im Hinterkopf versuchten die Nachwuchs-Wissenschaftler, das gewählte Objekt möglichst genau darzustellen. Als die Teilnehmer fertig waren, kopierte der Direktor des Pfalzmuseums die Motive auf festeren Karton in Originalgröße und verkleinerte sie dann, um den Effekt der Schattierungen zu verdeutlichen. „Ab jetzt könnt ihr mit dieser Technik Postkarten und Ähnliches selbst gestalten,“ sagte Wieland den stolzen Punktierern. (exa)