Rheinpfalz Kaplan Andrew verlässt die Großpfarrei

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Rodalben. Im Juli verlässt Kaplan Andrew die Großpfarrei Mariä Königin. Seit dem plötzlichen Tod von Pfarrer Martin Ehling war er zu einem besonderen Bezugspunkt für die Gemeinde geworden. Nicht zuletzt wegen seiner unkomplizierten Art. Noch lange werden sich die Rodalber daran erinnern, als er im September 2014, obwohl völlig unerfahren mit der Reiterei, aufs Pferd stieg und den Bruder-Konrad-Ritt in Rodalben anführte. RHEINPFALZ- Mitarbeiter Hans Heinen hat mit ihm über die Gründe seiner Rückkehr nach Indien, seine Erfahrungen in Deutschland und seine Erwartungen für die Zukunft gesprochen.

Kehren Sie auf eigenen Wunsch zurück in die Heimat?

Das war nicht mein Wunsch, ich wollte noch gerne weitere fünf Jahre in der Diözese bleiben. Aber mein Bischof bat mich zurückzukommen und eine Pfarrei zu übernehmen. Welche Pfarrei es sein wird, weiß ich noch nicht. Mit welchen Vorstellungen sind Sie vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen? Deutschland war für mich wie ein weißes Blatt. Ich wusste nichts von Land und Leuten. Anfangs überlegte ich: Wenn Deutschland in Europa liegt, spricht man dort bestimmt Englisch. Und ich vermutete, dass ich in Deutschland groß gewachsenen Menschen begegnen würde, zu denen ich hinaufschauen müsste. War es schwierig, sich zurecht zu finden? In der Pfarrgemeinde oder im Umgang mit den Behörden? Ja, schon. Ich hatte im Voraus ein paar Worte Deutsch gelernt, aber ich verstand überhaupt nichts. Später wusste ich, woran das lag: nämlich am Dialekt. Ansonsten gab es keine Schwierigkeiten, auch weil der Pfarrer mir immer hilfreich zur Seite stand. Besonders gerne habe ich die Senioren in der Seniorenstube im alten Rathaus besucht. Die Senioren haben sich über meine Besuche immer sehr gefreut. Worin bestehen denn zum Beispiel große Unterschiede, wenn Sie Deutschland mit Indien vergleichen? In Indien halten sich stets viele Leute auf den Straßen auf, wohingegen man in Deutschland manchmal unterwegs niemand begegnet. Wir gehen zuhause barfuß in die Kirche und in die Häuser. Die Menschen in Indien essen meistens Reis, in Deutschland essen sie vorwiegend Brot. Bei einem Telefonat hat mich meine Mutter einmal gefragt: „Hast du schon gegessen?“ Und ich antwortete: „Ja, Brot.“ Daraufhin fragte sie besorgt: „Bist du krank?“ Denn in Indien isst man Brot, wenn man krank ist. Ja, und zum Beispiel: In Indien haben vier Kinder zwei Eltern, das verhält sich in Deutschland manchmal gerade umgekehrt. Was haben Sie Neues entdeckt in Deutschland? Ich war überrascht, als im Winter weiße Flocken Straßen und Plätze weiß werden ließen. „Das ist Schnee“, erklärte mir der Pfarrer. Den Schnee musste ich dann gleich einmal in die Hand nehmen. Neu war für mich auch die viele Papierarbeit. In Indien steht das Gespräch im Vordergrund. Neuigkeiten werden in den Gottesdiensten mitgeteilt. Da geht nicht alles so systematisiert zu, und man lässt sich Zeit. Ein Gottesdienst darf in Deutschland auf keinen Fall länger als eine Stunde dauern, und die Predigt soll in fünf Minuten zu Ende sein. In Indien pflegt man ein anderes Brauchtum. Das kann ich etwa an der Osterfeier verdeutlichen. Die Ostermette beginnt vielleicht um 23 Uhr abends. Nach der Mette spricht man über den Glauben, darüber wird es 2 Uhr. Und dann wird das Programm fortgesetzt bis um 5 Uhr: mit dem Spiel biblischer Szenen, mit Tanz und Gesang. Was hat Ihnen in Rodalben gut gefallen? Alle sind sehr freundlich zu mir gewesen und haben mich in der Pfarrgemeinde gut aufgenommen. Mir liegt es umgekehrt, auf die Leute zuzugehen und ich kann zuhören. Das halte ich für sehr wichtig. Nun merke ich, dass viele ein bisschen traurig sind, weil ich nach Indien zurückkehre. Das tut mir leid. Sie haben Deutsch gelernt. Das war ganz wichtig. Was machen Sie jetzt mit Ihren Deutschkenntnissen? Ich mache in Indien weiter. In meinem Dorf begrüßen mich die Kinder im Kindergarten schon mit „Guten Morgen, Herr Kaplan“, und die Kinder in der Grundschule sagen „Guten Morgen, Frau Lehrerin“. Ich wünsche mir, meinen Urlaub in Deutschland verbringen zu dürfen. In dieser Zeit würde ich auch gerne Vertretungen übernehmen. Ich hoffe, dass mein Bischof mir dies erlaubt. Info Andrew Prabhakar Godugunuri verlässt auf Anordnung seines Bischofs im Juli die Großpfarrei Mariä Königin. Die Abschiedsfeier findet vermutlich am Sonntag, 19. Juli, in St. Josef statt.

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