Rheinpfalz „König Zlatan“ auf Ego-Trip
Saint-Denis (sid). Usain Bolt? Schnell. Muhammad Ali? Der Größte. In der Welt von Zlatan Ibrahimovic ist alles ganz einfach. Vor allem, wenn es um Zlatan Ibrahimovic geht. Vor dem Auftaktspiel seiner Schweden heute (18 Uhr) in St. Denis im Spiel der Gruppe E gegen Irland trägt er sein Selbstvertrauen wie gewohnt zur Schau.
Der Superstar wurde gefragt, was er denn sei, auf einer Skala von eins bis zehn. Antwort, ohne Zögern oder Wimpernzucken: „Eine Elf!“ Was sonst? Im Team von Nationaltrainer Erik Hamrén, das mit „König Zlatan“ während der EM in einem Schloss am Meer wohnt, dreht sich alles um den 34 Jahre alten Star-Stürmer, der sich selbst als „Legende“ bezeichnet. In Frankreich kann das helfen oder hemmen. „Das ist eine Herausforderung“, gibt Hamrén ganz offen zu: „Ein Weltklassespieler und viele gute, die aber nicht so gut sind wie er.“ Als im letzten Vorbereitungsspiel gegen Wales (3:0) drei andere Schweden trafen, war der Trainer „froh, dass die Torschützen nicht Zlatan hießen“. Zlatan hier, Zlatan da – und sonst? Viele Unbekannte, die ihr Geld bei europäischen Mittelklasse-Klubs verdienen. Marcus Berg scheiterte grandios beim Hamburger SV, Albin Ekdal ist noch da. Emil Forsberg sorgte immerhin mit RB Leipzig in der Zweiten Liga für Furore und könnte bei der EM durchstarten. An der Seite von „Ibracadrabra“ kann er viel lernen. „Es gibt keine Worte für ihn“, sagte Berg: „Aber es geht um das ganze Team. Wir müssen im Spiel clever sein, um ihm zu helfen, und wir wissen, dass er uns hilft.“ Schon bevor der Ball rollt, tut (Fußball-)„Gott“ Ibrahimovic genau das, indem er der Mannschaft Ruhe verschafft. Als er am Dienstag in Paris mit großem Tamtam seine eigene Modelinie vorstellte, waren Fragen zu seinen Zielen mit der Nationalmannschaft, die bei den vergangenen beiden Europameisterschaften in der Vorrunde scheiterte, zwar erlaubt. Nur wollte davon niemand etwas hören. Stattdessen spielte „Ibra“, der seinen Vertrag bei Paris St. Germain nicht verlängert hat, mit den Gerüchten um seine sportliche Zukunft. Wenn er „keine Lust mehr“ auf die Geschichten und Spekulationen habe, werde er die Welt schon wissen lassen, wohin es ihn zieht. Allerdings wäre alles andere als ein hoch dotierter Vertrag bei Manchester United eine Überraschung. Mit José Mourinho, der United ab der kommenden Saison trainiert, verbindet ihn eine Freundschaft. Beide Egomanen halten so viel voneinander wie von sich selbst.