Karlsruhe
Interview mit Helmut Lotti: „Ich mag auch das Pathos
Herr Lotti, bei der aktuellen Tour stellen Sie Ihr Italien-Album vor. Haben Sie einen besonderen Bezug zu dem Land und seiner Musik?
Ich habe auf meinem Klassik-Album schon einige italienische Sachen gesungen. „Belcanto“ heißt ja „schöner Gesang“ das passt halt gut für Sänger, die romantische Melodien singen – also für Leute wie mich (lacht). Ich mag auch das Pathos.
Fast jedes Stück endet mit einem hohen Schlusston. Wollte der Produzent das so haben?
Ach ja, die Menschen hören das halt gerne. Es ist nicht meine Idee. Aber wenn man in den Zirkus geht, möchte man auch jemand auf dem Trapez sehen (lacht).
Können Sie etwas zum Ablauf des Konzerts sagen?
Die erste Hälfte bringe ich die italienischen Stücke aus dem Album, die zweite Hälfte sind dann die besten Sachen aus meiner bisherigen Karriere, also eine bunte Mischung.
Und wie läuft das italienische Album? Kommt es auch in Italien an?
Niemand wartet in Italien auf einen Belgier, der italienische Stücke sind (lacht). Wir haben das in Italien nicht veröffentlicht. Wir haben es für die Länder gemacht, wo ich die meisten Fans habe, also Belgien, Deutschland, Holland, Dänemark, Schweiz, Südafrika. Aber es wird immer schwieriger, Platten zu verkaufen. Es wird mehr gestreamt, aber dafür bin ich nicht der richtige Künstler.
Und wie läuft es wieder mit den Konzerten, da gab es ja eine Unterbrechung durch die Pandemie?
Das Publikum sieht aus wie Schweizer Käse.
Pardon, wie?
Überall Löcher (lacht). Es bleiben in jeder Reihe ein paar Sitze frei, selbst wenn das Konzert ausverkauft ist. Das sind ja oft Nachholtermine von Konzerten, die mehrfach verschoben wurden. Manche haben die Tickets nicht mehr, haben den neuen Termin verpasst oder keine Zeit, manche sind vielleicht inzwischen gestorben. Na gut, die können wirklich nicht kommen (lacht).
Sie haben mir früher schon gesagt, dass sie selbst Stücke schreiben, was ist denn daraus geworden?
Nicht viel. Auf dem italienischen Album ist nur ein Titel, den ich geschrieben habe, der Tarantella. Ich wollte diesen Volkstanz unbedingt dabei haben. Ich habe schon einige gesungen. Also habe ich einen geschrieben, der auch eine Geschichte erzählt.
Ich finde schade, dass sie Fähigkeiten haben, die nicht zum Zug kommen. Ich würde gerne mal ein selbstgeschriebenes Album von Ihnen hören.
Ja, das ist schade. Auf meinem Comeback-Album (2026) wollte ich sechs meiner eigenen Titel bringen, aber die mussten alle wieder runter und wurden ersetzt mit Sachen wie „Bridge over Troubled Water“ und „You never walk alone“.
Ärgert Sie das?
Es ist eigentlich nicht schlimm. Mich ärgert aber, wenn Idioten, die nicht mal meine Platten kaufen, einfach behaupten, ich sei ja bloß ein Cover-Sänger und könne keine Lieder schreiben. Das ist ja nicht so.
Und ihre Vorlieben für Rock und Jazz können Sie auch nicht ausleben?
Nein, aber jetzt ist was passiert, in Belgien. Da gibt es ein Hardrock Internet-Radio „Radio Willy“. Die Macher haben ihre Hörer nach ihren Lieblingstiteln befragt und hatten die Idee, Sänger aus einem anderen Genre die Stücke singen zu lassen. Die haben mich gefragt und dann habe ich „Run to the Hills“ von Iron Maiden gesungen. Das wurde in drei Tagen 600.000 mal aufgerufen. Und plötzlich bin ich auf Metal-Seiten in Kanada, Dänemark und Deutschland aufgetaucht, es ist explodiert! Und jetzt werde ich auf dem Graspop Metal Meeting in Belgien singen, das ist eines der größten Metalfestivals in Europa. Und ich kann 50 Minuten Programm machen!
Ach! Das ist ja toll! Das freut mich für Sie!
Ja, das ist toll. Es werden dort auch wieder „Klassiker“ sein, wie „Highway to Hell“, „Smoke on the Water“ und „Here I go again“ und weitere Sachen, Black Sabbath, Alice Cooper und so ...
Was haben Sie für Pläne für die Zukunft?
Nichts Konkretes. Aber ich würde gerne mit einem Team zusammenarbeiten und eine Rock-Oper schreiben, mit großen Arrangements. So etwas wie „Hallowed be thy Name“ von Iron Maiden. (singt:) „I am waiting in my cold cell, when the bell begins to chime ...“ Das ist ein wunderschönes Lied und da sind so tolle Gitarrensoli dabei, mit vielen klassischen Ingredienzen. Die Gitarrenstimmen (singt) kann ich mir mit Orchester vorstellen. Das wäre großartig, sowas würde ich gerne mal machen.
Zur Person
Helmut Lotti hatte seine ersten Erfolge als Elvis-Imitator und Wettbewerbe gewonnen. Manchmal macht er sich heute einen Spaß daraus und klingt in Konzerten wie „The King“. Er begann als Pop-Sänger, dann aber wurde er als Pop-Tenor so richtig erfolgreich. „Schöne Lieder singen“, sei seine Aufgabe, sagte er in einem früheren RHEINPFALZ-Gespräch. Auf diese Rolle ist er festgelegt. Dabei kann er viel mehr. Der Sänger wurde als Helmut Lotigiers 1969 in Belgien geboren. Er hat keine akademische Gesangsausbildung. Den Großteil seines Repertoires machen Cover aus, oft Balladen oder populäre Klassik-Melodien, die in den mächtigen Sound eines großen Orchesters eingebettet werden. Seine privaten Vorlieben sind aber ganz anders: Er mag Jazz-Sänger wie Gregory Porter und ist ein großer Fan von Iron Maiden und deren Leadsänger Bruce Dickinson. Als strahlender Traum-Schwiegersohn machte er Karriere. 2009 setzte er sein Toupet ab, machte eine längere Pause und nahm ein Album mit Rockmusik in niederländischer Sprache auf. Der Versuch ging schief. Die Plattenfirma wollte ihm keine andere Identität zugestehen – aber Lotti Fans wollen keinen Hardrock und Hardrocker keinen Lotti. So kehrte er zurück in die gewohnten Bahnen. Und inzwischen trägt er wieder Toupet. Wie gut er echten Metal singen kann findet man auf Youtube mit der Suche „Helmut Lotti Run to the Hills“.
Termin
Helmut Lotti – Italien Songbook und Greatest Hits. Sonntag, 23. April, Konzerthaus Karlsruhe.