Rheinpfalz Hauenstein: Legionellen legen Wasserleitung im Feuerwehrhaus lahm

Im Feuerwehrhaus in der Pirminiusstraße sind die Duschen gesperrt.
Im Feuerwehrhaus in der Pirminiusstraße sind die Duschen gesperrt.

Im Wasserkreislauf des Hauensteiner Feuerwehrgerätehauses ist bereits Ende Mai eine kritische Belastung mit Legionellen festgestellt worden. Jetzt wird die Entscheidung der Verbandsgemeinde kritisiert, eine zentrale Warmwasserversorgung installiert zu haben.

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt seien die Duschen in dem 2016 bezogenen Gebäude gesperrt und ständige Spülungen der Wasserleitungen veranlasst worden, teilte Verbandsbürgermeister Werner Kölsch auf Anfrage mit. Die kritischen Werte seien bei einer routinemäßigen Kontrolle aufgefallen. Als Ursache habe sich eine defekte Zirkulationspumpe erwiesen, so Kölsch. Ihr Ausfall habe, wie Christof Glaser, Inhaber der Hauensteiner Heizungsbaufirma Glaser, auf Anfrage mitteilt, dafür gesorgt, dass die Warmwasserleitungen im Gebäude nicht entsprechend durchgespült worden seien. Und gerade in „stehendem“, zwischen 25 und 45 Grad Wasser warmem Wasser konnte sich das Bakterium vermehren. Die Probe habe ein Ergebnis von 11.500 Kolonie bildender Einheiten pro 100 Milliliter erbracht, was weit über dem Toleranzwert liegt.

Erreger durch vernebeltes Wasser übertragbar

Wie Verbandsbürgermeister Kölsch erklärte, habe man in Absprache mit dem Gesundheitsamt die Duschen im Feuerwehrhaus gesperrt, weil die Erreger durch zerstäubtes, vernebeltes Wasser übertragen werden. Die erregerhaltigen Tröpfchen können sich, so heißt es auf der Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, in Duschen oder Whirlpools beispielsweise in der Luft verbreiten. Werden sie eingeatmet, können sie die Legionellen-Lungenentzündung, die sogenannte Legionärskrankheit mit Husten, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und hohem Fieber, oder das Pontiac-Fieber mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen auslösen. Mittlerweile ist die Pumpe repariert. Die Leitungen werden ständig gespült. Eine neue Probe sei, wie Christof Glaser mitteilte, genommen und zur Untersuchung an ein Labor in Landau geschickt worden. Die Analyse dauere etwa zehn bis zwölf Tage, sodass Anfang nächster Woche mit Ergebnissen gerechnet werden könne.

Wehrleute sehen Kritik bestätigt

Die Tatsache, dass Legionellen festgestellt wurde, sorgt für deutlich vernehmbares Grummeln bei den Feuerwehrleuten. Zum einen natürlich wegen der gesundheitlichen Gefährdung, aber auch deswegen, weil man sich in der Planungsphase für das neue Haus dafür stark gemacht hatte, das benötigte Warmwasser über dezentrale Durchlauferhitzer zu bereiten (wir berichteten am 22. März 2013). Das sei ökonomischer, weil die Warmwasserbereitung jeweils dem Bedarf angepasst werden könne, hatte die Wehr damals argumentiert. Und vor allem: Es beuge der Legionellenproblematik vor. Mit ihrem Vorschlag konnten sich die Wehrleute damals freilich nicht durchsetzen. Manfred Seibel (Grüne), damals zusammen mit der SPD noch CDU-Koalitionär, hatte den Vorschlag der Wehr als „Neandertal-Technik“ qualifiziert, wie man sich bei der Wehr nicht ohne Süffisanz heute erinnert. Der Verbandsgemeinderat setzte in der Folge auf eine Holzhackschnitzelheizung, die sowohl für Wärme als auch zentral für warmes Wasser sorgen sollte: „Wir haben Wert darauf gelegt, möglichst wenig elektrische Energie aufwenden zu müssen. Deshalb wird das Brauchwasser ebenfalls über die Holzhackschnitzel-Anlage aufbereitet“, hatte in der Planungsphase der damalige Verbandsbürgermeister Ulrich Lauth argumentiert. Und diese Entscheidung wird auch heute noch bei der Wehr als „grundfalsch“ eingeordnet.

Sonst überall Durchlauferhitzer

Noch heute ärgert sich Manfred van Venrooy, damals für die FDP-Mitglied im Verbandsgemeinderat, über diese Entscheidung. Wie er der RHEINPFALZ mitteilte, habe er bereits im Jahr 2012 dem Rat eine Studie der TU München vorgelegt, die zu dem Ergebnis komme, dass eine „dezentrale Trinkwasserversorgung wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll“ sei. Gerade in Gebäuden, wo wie bei der Feuerwehr warmes Wasser sehr unregelmäßig – nach Einsätzen und Übungen etwa – gebraucht werde, sei eine Wasserbereitung über Durchlauferhitzer der zentralen Warmwasserversorgung aus energetischen Gründen überlegen, beschrieb van Venrooy die Quintessenz der Studie. „Und im Sommer, wenn das Haus nicht beheizt wird, muss man hier teure Holzhackschnitzel verbrennen, um mehrere hundert Liter Wasser im Speicher vorzuhalten, die nur selten abgerufen werden“, sagte er weiter. Das sei energetisch „ohne Sinn und vor allem: Es besteht immer die Gefahr einer Legionellenbelastung, die bei Durchlauferhitzern so nicht gegeben ist“, nimmt er auch dezidiert Bezug auf die derzeitige Problematik. Er komme als Außendienstler viel herum: Er kenne kein Feuerwehrhaus, wo Warmwasser nicht über Durchlauferhitzer bereitet werde. So habe er das auch im Rat kommuniziert, „ohne Erfolg, was mich jetzt erneut und umso mehr ärgert“. Ihm sei nach der Entscheidung von Ex-VG-Chef Lauth mitgeteilt worden, dass es innerhalb der damaligen CDU-SPD-Grüne-Koalition auf Betreiben der Grünen – er nennt Manfred Seibel – einen „Deal“ gegeben habe, aufgrund dessen das System so ausgelegt wurde, wie es ist.

Manfred Seibel: „Quatsch“

„Quatsch“ nennt Manfred Seibel diese Argumentation. Der Rat habe sich damals sowohl bei der Wasserversorgung als auch für die Beheizung „für die bestmögliche Technik und Variante“ entschieden. Warmwasser werde, wenn der Bedarf gering ist oder gegen null geht, durch eine Frischwasserstation aufbereitet. „Wenn allerdings die Zirkulationspumpe ausfällt, also genau der Teil, der die Legionellenbildung verhindern soll, und niemand bemerkt das längere Zeit, dann passiert halt genau das, was passiert ist“, schreibt Seibel auf Anfrage. Die Legionellenproblematik basiere also auf einem „peinlichen Wartungsversäumnis. Solange die Anlage funktioniert hat, war ja alles in Ordnung.“ Das werfe „Fragen nach Unterhalt und Aufsicht“ auf. Und hier sei die VG-Verwaltung verantwortlich. Leider werde „vieles auf die ehrenamtlichen Feuerwehrleute delegiert und verschoben“. Deshalb habe man für den laufenden Doppelhaushalt die Stelle eines hauptamtlichen Gerätewarts vorgesehen. Mit Verbandsbürgermeister Kölsch sei vereinbart, noch während der Sommerpause diese Stelle auszuschreiben mit dem Ziel, sie „nach Konstituierung der Gremien unverzüglich zu besetzen“.

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