Rheinpfalz Geheimrezept für Quiche und Tarte

Hat eine Schwäche für Tomaten: Peter Derks in seinem Stadthofladen, den er nach seiner Mutter Edith benannt hat.
Hat eine Schwäche für Tomaten: Peter Derks in seinem Stadthofladen, den er nach seiner Mutter Edith benannt hat.

«Mannheim.» Vor vier Jahren eröffnete Peter Derks in der Neckarstadt-West „Edith’s Stadthofladen“ – mehr oder weniger aus einer Notlage heraus. Heute, so bekommt er von seinen Kunden zu hören, gelte er als Pionier. Als jemand, der die Neckarstadt ein wenig besser gemacht habe. Dennoch will er seinen Laden verkaufen. Der 40-Jährige will eine Auszeit.

Peter Derks folgten weitere Ladenbetreiber in den von vielen als Brennpunkt bezeichneten Stadtteil und machten ihn attraktiver. Mit „Edith’s“ wagte er sich aber auch in eine Nische, die er als bewusste Ernährung bezeichnet. Sein Konzept: regionale Produkte und eigene Küche. Eine Mischung aus Marktstand und Gastro. Und der Chef kocht noch selbst. Regionale Produkte? Sogar „Bio“. Das gibt es anderswo auch, mag vielleicht der ein oder andere denken. Doch Peter Derks erklärt den Unterschied, der seinen Laden von ähnlichen Anbietern aus der Bio-Branche etwas abgrenzt. „Wir beziehen unser Obst und Gemüse von Kleinbetrieben aus der Umgebung, die selbst sehr darauf achten, was sie anbieten und wie sie ihre Landwirtschaft betreiben“, erzählt er. Klasse statt Masse. „Da folge ich meinem Instinkt.“ Denn die sogenannte Bioproduktion täusche ebenfalls oftmals über einen gewissen Industrialisierungsgrad der Höfe und Massenproduktion hinweg. Und obwohl er selbst kein zertifizierter Bioladen ist, seine Lieferanten unter Umständen auch keine zertifizierten Bio-Bauern sind, sind seine angebotenen Produkte ebenfalls biologisch, teils sogar ganz traditionell angepflanzt worden. „Nur können sich viele der kleinen Höfe kein teures Bio-Zertifikat leisten“, erklärt der Inhaber. „Doch so, wie sie Landwirtschaft betreiben, brauchen sie keine Pestizide oder ähnliches.“ Als Beispiel nennt er die Methode der Dreifelderwirtschaft, die im Mittelalter in Europa verbreitet war und die einer seiner Lieferanten betreibt. Als totalen Öko würde sich Peter Derks allerdings nicht bezeichnen. „Auch ich habe meine Schattenseiten“, sagt der schlanke 40-Jährige und lacht. Er beichtet seine Liebe zu Cola oder zu Schokolade oder zu Tomaten aus Marokko, wenn es in Deutschland noch keine gibt. Dennoch folgt Peter Derks auch privat seinen Instinkten und hört auf seinen Körper. „Im Sommer esse ich mehr Gemüse, im Winter koche ich mehr mit Fleisch und Käse“, sagt er. So wie es die Natur uns vorgibt. Apropos kochen. Darin ist Peter Derks sehr begabt. „Diese Leidenschaft habe ich von meiner Mutter geerbt“, erklärt er. Und sodann lüftet er auch das Geheimnis um die Namensgeberin für seinen Laden. Edith ist der Name seiner Mutter. Es klingt deshalb auch irgendwie logisch, warum der 40-Jährige einst sein Regie-Studium in Mannheim abgebrochen hatte und in die Gastro-Branche wechselte. Aber so einfach war es dann doch nicht. Seinen Traum, Theater-Regisseur zu werden, schmiss Peter Derks aus einem anderen Grund. „Es hat einfach nicht mehr mit meinem Idealismus zusammengepasst“, sagt er. Er wollte sich nicht ständig anbiedern müssen, um erfolgreich zu sein. Doch in diese Richtung habe sich das entwickelt. Peter Derks brach mit der Theaterwelt. Um Geld zu verdienen, rutschte der 40-Jährige in den Gastronomiebereich und machte sich 2010 mit einem Catering-Service selbstständig, den er zu etwas Besonderem in der Region formte. „Ich habe mich ein wenig umgeschaut, was es denn schon alles so gibt. Dann kam ich auf die Idee, französische Quiches und süße Tartes anzubieten.“ Damit traf er ins Schwarze. Allein durch Mund-Propaganda wuchs der Kundenstamm schnell an. „Und im dritten Jahr konnte ich nicht mehr“, so Derks. Er war fix und fertig. Er habe bis zu 30 Quiches täglich produziert. Eigenhändig. „Eine Mordsarbeit“, sagt er und senkt den Blick. „Es gab nur zwei Möglichkeiten“, fährt er fort. Die eine: „Edith’s“ – so hieß damals schon der Catering-Service – begraben. „Oder einen Laden aufmachen, um das alles ins Gleichgewicht zu bekommen.“ Die Geburt von „Edith’s Stadthofladen“. Mit der Regionalität als Schwerpunkt, die er als Besonderheit bei einem Urlaub in Südtirol kennenlernte und die ihn überzeugte. Den Laden hat Peter Derks jetzt vier Jahre. Angestellte helfen ihm, doch er macht immer noch jede Menge selbst. Der Kundenstamm wechselte ein wenig, wurde jedoch nicht kleiner. Er ist erfolgreich. Darum ist es umso erstaunlicher, dass er bald, Ende September, genau zum vierten Geburtstag des Ladens, erneut hinschmeißt und sein Geschäft verkauft. „Ich brauche wieder was Neues“, sagt Peter Derks und lacht. „So bin ich halt.“ Es steht ein Sabbatjahr an, in dem er sechs Monate durch Deutschland reisen möchte. Ein Land, das man als Deutscher viel zu wenig kenne. Die nächste Idee hat Peter Derks auch schon. „Einen Blog“, verrät er vage. Und meint lächelnd, dass er daran keinen Cent verdienen werde. Doch was soll’s? Mit Sicherheit werden sich ihm neue Türen öffnen. Zur Person Peter Derks wurde im Ruhrgebiet geboren und kam 2002 nach Mannheim, wo er mit dem Regie-Studium begann. Er hospitierte am Nationaltheater Mannheim und brach 2003 sein Studium ab. Peter Derks ist verheiratet und lebt aktuell auf dem Turley-Gelände. „Edith’s Stadthofladen“ befindet sich direkt am Alten Messplatz in Mannheim, Am Messplatz 5. Die Serie Viele Menschen haben ganz besondere Talente und Interessen. In unserer Serie „Nischen-Geschichten“ wollen wir Männer und Frauen aus Mannheim und Umgebung vorstellen, die auf ganz speziellen Gebieten Erfüllung finden und für die sich die breite Öffentlichkeit meist nicht wirklich interessiert.

Mehr zum Thema
x